Physical AI Fabrik.
Was Humanoide und autonome Fertigung 2026 leisten.
Physical AI Fabrik heißt: KI steckt in Robotern und Maschinen und erledigt Aufgaben in der realen Fertigung. Humanoide Roboter sind 2026 überwiegend im Pilotstadium (IFR, 30.09.2026), produktiv sind Cobots, fahrerlose Transportsysteme und klassische Industrieroboter. Das MES (Manufacturing Execution System, die Software zwischen ERP und Anlage) bleibt die Instanz für Auftrag, Freigabe, Rückmeldung und Nachverfolgbarkeit. Ein Realitätscheck für Geschäftsführung, Produktions- und Technologieverantwortliche im DACH-Raum.
Was heißt Physical AI,
und was nicht?
Physical AI, auch Embodied AI, ist nach dem Fraunhofer IPA KI, die in Roboter oder Maschinen integriert ist. Der Begriff ist weder Produkt noch Norm. BMW nennt sein neues Kompetenzzentrum „Physical AI in Production“ (27.02.2026). Entscheidend ist nicht das Aussehen des Roboters, sondern wer die Bewegung bestimmt.
Klassische Industrierobotik
- Bewegungen sind programmiert oder eingelernt, der Ablauf steht vorher fest.
- Die Zelle ist meist abgesichert, Mensch und Roboter arbeiten getrennt oder nach festen Regeln der Zusammenarbeit.
- Bewährt und kalkulierbar: rund 5 Mio. Industrieroboter im weltweiten Bestand (IFR, 24.09.2026).
Physical AI in der Fabrik
- Ein trainiertes Modell nimmt die Umgebung über Kameras und Sensoren wahr und wählt die Bewegung selbst, innerhalb gesetzter Grenzen.
- Ziel sind Aufgaben, die sich schwer starr programmieren lassen, etwa ungeordnetes Greifen.
- Das Verhalten kann bei gleicher Eingabe abweichen: Bei KI ist laut Plattform Industrie 4.0 nicht davon auszugehen, dass stets das exakt gleiche Ergebnis erzielt wird.
- Humanoide sind nur eine Bauform: KI-basierte Robotik ist nicht synonym mit humanoiden Robotern (Fraunhofer IPA, 03.09.2026).
Quellen: Fraunhofer IPA, 03.09.2026, Wegweiser KI in der Industrie 4.0, Mai 2020, IFR, 24.09.2026, BMW Group, 27.02.2026.
Vier Begriffe,
die oft verwechselt werden.
Ein KI-Agent kann einen Roboter beauftragen, muss es aber nicht: Viele Agenten arbeiten rein in Software, etwa im MES. Wie das funktioniert, steht auf KI-Agenten auf dem Shopfloor, den Überblick gibt KI im MES.
| Begriff | Was es tut | Wirkt auf | Typische Absicherung |
|---|---|---|---|
| Klassische IndustrierobotikSPS und Roboterprogramm | Führt programmierte, wiederholbare Bewegungen nach festem Ablauf aus | Werkstück und Material in der Zelle | Schutzzaun, Sicherheitssteuerung, Risikobeurteilung der Zelle |
| Generative KISprach- und Bildmodelle | Erzeugt Text, Bilder oder Programmcode aus einer Eingabe | Informationen, keine Bewegung in der Anlage | Prüfung durch Menschen, Regeln zu Daten und Transparenz |
| KI-AgentenSoftware mit Werkzeugen | Bearbeitet Vorgänge in IT-Systemen und bereitet Entscheidungen vor | Aufträge und Stammdaten in MES, ERP, Instandhaltung | Rechte je Werkzeug, Freigabe durch Menschen, Protokoll |
| Physical AIKI in Roboter oder Maschine | Verbindet Wahrnehmung und Bewegung in einem Modell | Material, Werkzeug, Umgebung und Menschen im Umfeld | Funktionale Sicherheit nach Maschinenrecht und Normen, Schutzmaßnahmen der Zelle |
Einordnung von Find-Your-MES.
Wie weit sind Humanoide in der Fertigung
wirklich?
Fünf Herstellerangaben im Auszug, alphabetisch, mit Datum der Pressemitteilung. Auswahlprinzip: Industrie, Kennzahlen oder Zielwerte genannt, keine Wertung.
| Hersteller und Vorhaben | Datum | Laut Hersteller | Grenze der Aussage |
|---|---|---|---|
| Agility RoboticsDigit, humanoider Roboter, bei GXO (Logistikdienstleister) | 26.10.2026 | Digit hat im GXO-Lager Flowery Branch (Georgia, USA) mehr als 100.000 Behälter bewegt, insgesamt mehr als 65.000 Betriebsstunden. Zwei weitere GXO-Standorte starten ab Anfang 2027 mit Digit 4. | Lager und Behälter, keine Fertigung. Keine Angaben zur Wirtschaftlichkeit. |
| BMW Group, Werk LeipzigPilot mit AEON von Hexagon Robotics (Zürich) | 27.02.2026 | Erster Test im Dezember 2025, volle Pilotphase ab Sommer 2026, Einsatz in der Montage von Hochvolt-Batterien und in der Komponentenfertigung. | Pilot, kein Serienbetrieb. Ergebniszahlen nennt die Mitteilung nur für Spartanburg. |
| BMW Group, Werk SpartanburgPilot mit Figure 02 von Figure AI (USA) | 27.02.2026 | Figure 02 unterstützte in zehn Monaten die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3, bewegte mehr als 90.000 Teile in rund 1.250 Betriebsstunden. | Ein Hinweis in der BMW-Mitteilung vom 06.08.2024 nennt keinen festen Zeitplan für Figure-Roboter im Werk. Keine Kosten, kein Vergleich mit klassischer Automation. |
| SchaefflerAktorenhersteller und Anwender, Herzogenaurach | 04.11.2025 und 13.01.2026 | Bis 2035 will Schaeffler eine mittlere vierstellige Zahl Humanoide von Neura Robotics integrieren, mit dem Hersteller Humanoid (London) in fünf Jahren mehrere hundert. | Zielbilder und Absichten. Schaeffler liefert zugleich Aktoren für Humanoide, ist also Zulieferer und Anwender. |
| SiemensTest mit HMND 01 von Humanoid, Elektronikwerk Erlangen | 16.04.2026 | Der radgestützte Humanoide erledigte Behälterhandling selbstständig: 60 Behälterbewegungen pro Stunde, Betriebszeit über 8 Stunden, Pick-and-place-Erfolgsquote über 90 Prozent. | Test, kein Dauerbetrieb. Kein Vergleich mit Menschen oder fahrerlosem Transportsystem. |
Angaben laut Anbieter, ohne Gewähr. Quellen: Agility Robotics, 26.10.2026, BMW Group, 27.02.2026, Schaeffler, 04.11.2025, Siemens, 16.04.2026.
Was Verband und Forschung
zu Humanoiden sagen.
Herstellerangaben zeigen, was möglich ist. Verband und Institute zeigen, wie breit es trägt. Das Fraunhofer IPA ordnet die IFR-Zahl am 06.10.2026 ein: Materialtransport, Maschinenbeladung und einfache Serviceaufgaben gelten als aussichtsreich.
Knapp 7.000 verkaufte Humanoide
- Weltweit wurden 2025 etwa 7.000 vollgroße Humanoide (über 140 cm) verkauft.
- Die meisten Anwendungen sind spezialisiert und erfordern oft Teleoperation durch Menschen.
- Hürden: Sicherheitsstandards, hohe Trainings- und Wartungskosten, schwacher Business Case. Pressemitteilung
Benchmark am Beispielroboter
- Sechs Kriterien, darunter funktionale Sicherheit, Cybersicherheit und Energieeffizienz.
- Beim getesteten Unitree G1 können Kollisionskräfte über 500 N auftreten, weit über den zulässigen Schmerzschwellen der Norm.
- Akkulaufzeit: 2 h 49 min im Stand, 1 h 49 min bei Stehen und Gehen. Eine Bluetooth-Schwachstelle erlaubte Fernübernahme, inzwischen behoben. Pressemitteilung
Bauteile und Preise
- Bisher kaum Erfahrungen mit humanoiden Helfern in Produktionshallen.
- Aktoren, Getriebe und Sensoren erfüllen vielfach noch nicht die industriellen Anforderungen.
- Ein Paar hochwertiger Roboterhände kostet 70.000 US-Dollar oder mehr, die ausgereiftesten Modelle sollen bis zu 300.000 US-Dollar kosten. Artikel Humanoide Robotik
Ergänzung statt Ersatz
- Humanoide ersetzen bestehende Robotik kurzfristig unwahrscheinlich, wahrscheinlicher ergänzen sie Tätigkeiten (03.09.2026).
- Studie mit über 100 Antworten (10.03.2025): 6 Prozent erwarten Humanoide in zwei Jahren im industriellen Einsatz, 74 Prozent in drei bis zehn Jahren. Pressemitteilung
- KMUmanoid (21.05.2025): Der Mittelstand hat bisher kaum Zugang, ein Demonstrator für Getriebemontage und drei Simulationen zeigen Einsatzfälle. Projekt
Welche Alternativen sind heute
produktiv?
Produktiv heißt: im Serienbetrieb, mit Wartung, Normenbezug und Abnahme. Für die meisten Aufgaben, die man Humanoiden zutraut, gibt es 2026 eine einfachere Lösung. Die Einordnung ist eine Einschätzung von Find-Your-MES.
| Lösung | Typische Aufgabe | Stand 2026 | Bezug zum MES |
|---|---|---|---|
| Klassische IndustrieroboterZelle mit Schutzeinrichtung | Schweißen, Handhaben, Montage mit festem Ablauf | Etabliert: rund 5 Mio. im Bestand, mehr als 600.000 Neuinstallationen 2025. In Deutschland sank der Absatz 2025 um 8 Prozent auf unter 25.000 Einheiten (IFR, 24.09.2026). | Auftrag, Stückzahl und Störung über die Steuerung, siehe Maschinenanbindung und Retrofit |
| CobotsKollaborative Roboter | Be- und Entladen, Schrauben, Palettieren neben dem Menschen | Serienreif. Die Absicherung folgt der Risikobeurteilung und den Normen ISO 10218 und ISO/TS 15066 (Fraunhofer IPA, 27.05.2026). | Auftrag und Rückmeldung je Station, siehe Cobots und Roboter an das MES anbinden |
| AMR und FTSAutonome mobile Roboter, fahrerlose Transportsysteme | Materialfluss zwischen Lager, Linie und Prüfung | Etabliert. Im Segment Transport und Logistik der professionellen Serviceroboter (nicht nur AMR) verkaufte die IFR 2025 weltweit 117.500 Einheiten (30.09.2026). | Transportauftrag aus dem MES, Quittung bei Übergabe, siehe AMR und FTS an das MES anbinden |
| Polyfunktionale RoboterMobile Manipulatoren, Rad-Plattform mit Arm | Wechselnde Greif- und Transportaufgaben, zum Beispiel Behälter an Maschinen | Zwischen AMR und Humanoid, erste Angebote und Piloten. Radgestützte Bauformen vermeiden Stabilitätsfragen von Zweibeinern; rund 60 Prozent der Befragten einer Fraunhofer-Studie (2025) bezweifeln, dass Humanoide Beine brauchen. | Wie ein AMR, plus Aufgabe am Arbeitsplatz: Auftrag, Material und Quittung |
| HumanoideZweibeinig oder radgestützt | Behälter umsetzen, Maschinenbeladung, einfache Serviceaufgaben (IFR) | Pilotstadium, teils mit Teleoperation. Kennzahlen stammen aus Tests und Herstellermitteilungen. | Wie eine Flotte von Ressourcen, siehe Rolle des MES |
Quellen: IFR, 24.09.2026, IFR, 30.09.2026, Fraunhofer IPA, 27.05.2026, Fraunhofer IPA, 10.03.2025.
Welche Rolle hat das MES
in einer Physical-AI-Fabrik?
Je mehr Roboter selbst entscheiden, desto wichtiger wird eine Stelle, die Aufträge, Freigaben und Rückmeldungen verbindlich führt: das MES. Die Verbindung zu Anlagen erklärt IT-OT-Konvergenz, das Rollenmodell ISA-95 erklärt. Fertige Schnittstellen eines Anbieters prüfen Sie in der Demo.
Der Roboter bekommt Aufträge, keine Wünsche
Humanoide und mobile Manipulatoren sind eine Ressource im Fertigungsauftrag: Das MES gibt Arbeitsgang, Material, Menge und Zielort vor. Agility Robotics kündigte dafür Schnittstellen zu WMS, WES und MES an (11.03.2024) und schreibt in seinen FAQ, Humanoide empfingen Aufgaben und meldeten Fortschritt zurück.
- Ressource mit Fähigkeitsprofil anlegen: Traglast, Greifer, Zone, Schicht
Wer gibt frei, wer stoppt?
Die Freigabe von Auftrag oder Rüstung ist eine betriebliche Funktion des MES, Schutzfunktionen gehören in die Sicherheitssteuerung der Zelle. Nach der Fraunhofer-Gesellschaft ist Stromabschalten beim Humanoiden kein sicherer Zustand, er kollabiert unkontrolliert.
- Die MES-Freigabe ersetzt nie Not-Halt, Verriegelung oder Schutzfeld
- Freigabestufen festlegen: automatisch, mit Bestätigung, gesperrt
Mengen, Zeiten und Störungen zurückmelden
Ein Roboter ohne Rückmeldung ist eine Blackbox im Auftrag. Nötig sind Gut- und Ausschussmengen, Start und Ende je Arbeitsgang, Störgründe und Wartezeiten. Agility nennt Betriebszeit und Durchsatz als Kennzahlen seiner Flottensoftware, im MES laufen sie in die OEE nach ISO 22400.
- Einheitliche Störgründe für Roboter und Maschinen
- Teleoperation durch Menschen als eigenen Zustand erfassen (IFR)
Trainingsdaten und Betriebsdaten trennen
Schaeffler schreibt, beide Partner erzeugten reale Anwendungsdaten, die für das Training von Humanoiden essenziell seien (04.11.2025). Wem gehören Videos, Bewegungsdaten und Parameter, wer darf damit trainieren? Das ist eine Vertragsfrage, siehe MES Datenpflichten und MES API und Datenhoheit.
- Datenhoheit und Trainingsnutzung im Vertrag regeln
- Kamera- und Bewegungsdaten mit dem Betriebsrat klären
Welcher Roboter hat welches Teil bewegt?
Entnimmt, prüft oder fügt ein Roboter Bauteile, gehört er mit Version, Zeitpunkt und Parametern in die Genealogie, siehe Traceability im MES. Bei lernenden Systemen kommt der Modellstand dazu. Die Maschinenverordnung verlangt für Sicherheitssoftware nachvollziehbare Versionen über bis zu fünf Jahre (Anhang III Nr. 1.2.1), siehe Maschinenverordnung und MES.
- Roboter als Equipment in der Genealogie führen
- Software- und Modellstand zum Zeitpunkt des Eingriffs speichern
Was nicht ins MES gehört
Bewegungsplanung, Greifen und Sicherheitsfunktionen bleiben beim Roboter und seiner Steuerung. Das MES kennt Auftrag und Zustand, nicht den Gelenkwinkel. Wer das vermischt, macht die Fertigungssteuerung zum Teil der Sicherheitsfunktion.
- Schnittstelle als Aufträge und Zustände, nicht als Bewegungsbefehle
Aufgabenverteilung als Einschätzung von Find-Your-MES. Quellen: Agility Robotics, 11.03.2024, Agility Robotics FAQ, Siemens, 16.04.2026, Schaeffler, 04.11.2025, Fraunhofer-Gesellschaft, 2026.
Was gilt rechtlich und
für die Sicherheit?
Ein Humanoider ist rechtlich eine Maschine. Ersetzt keine Rechtsberatung: Die Karten ordnen ein, im Einzelfall entscheidet die Risikobeurteilung. Details: Maschinenverordnung und MES und MES Compliance.
Ab 20.01.2027 gilt die neue Verordnung
- Die Verordnung (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20.01.2027 verbindlich in allen Mitgliedstaaten (DGUV, 13.10.2025; EU-Kommission, 26.08.2026) und ersetzt die Richtlinie 2006/42/EG (EU-OSHA).
- Der Betreiber wird zum Hersteller, wenn er eine Maschine wesentlich verändert (Artikel 18).
Weg über das Maschinenrecht
- Der Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, Amtsblatt 24.07.2026) nimmt KI-fähige Maschinenprodukte aus der unmittelbaren Hochrisiko-Regelung des AI Act. Die Kommission soll Anhang III der Maschinenverordnung per delegiertem Rechtsakt ergänzen (Europäisches Parlament, 20.09.2026).
- Neue Termine: 02.12.2027 für eigenständige Hochrisiko-KI (Anhang III), 02.08.2028 für eingebettete Systeme.
Für Humanoide fehlt noch die eigene Norm
- Für Industrieroboter gilt die Normreihe ISO 10218, für Cobots ISO/TS 15066 (Fraunhofer IPA, 27.05.2026).
- Die Norm ISO 25785-1 für Humanoide wird laut Fraunhofer IPA erst 2028 erwartet. Die IFR nennt fehlende Sicherheitsstandards als größte Hürde (Fraunhofer IPA, 06.10.2026).
Zaun oder kein Zaun
- Agility beschreibt für Digit eine Arbeitszelle mit physischen Absperrungen und Sicherheitsverriegelungen (FAQ des Herstellers). Digit 5 soll laut Hersteller für kooperativ sicheres Arbeiten in der Nähe von Menschen ausgelegt sein (26.10.2026).
Vernetzte Roboter sind IT
- Das Fraunhofer IPA fand beim Testroboter eine Bluetooth-Schwachstelle mit Fernübernahme (behoben).
- Der Cyber Resilience Act gilt voll ab 11.12.2027, Meldepflichten seit 11.09.2026, siehe Cyber Resilience Act im MES und NIS2 in der Fertigung.
Wer haftet, wer redet mit?
- Haftung bei Software und Updates: Produkthaftung für Software im MES; Mitbestimmung bei Kameras: Betriebsrat und MES.
Ersetzt keine Rechtsberatung. Quellen: Verordnung (EU) 2023/1230, EUR-Lex, DGUV, EU-OSHA, EU-Kommission, 26.08.2026, Europäisches Parlament, Fraunhofer IPA, 27.05.2026, Fraunhofer IPA, 06.10.2026.
Welche Autonomiestufen gibt es,
und wo stehen Fabriken 2026?
Die Plattform Industrie 4.0 unterscheidet sechs Autonomiestufen für KI in der Produktion (Wegweiser KI in der Industrie 4.0, Mai 2020), immer innerhalb von Menschen gesetzter Systemgrenzen. Das Reifegradmodell für KI-Agenten im MES steht auf KI-Agenten auf dem Shopfloor.
| Stufe | Rolle des Menschen (Wegweiser) | Beispiel aus dem Wegweiser | Stand 2026 (Einordnung) |
|---|---|---|---|
| Stufe 0Keine KI-Automatisierung | Der Mensch hat volle Kontrolle und Verantwortung | Steuerung durch programmierte Wenn-dann-Routinen, meist eine SPS | Standard in den meisten Linien |
| Stufe 1Assistenz | Assistenz bei ausgewählten Funktionen, der Mensch ist verantwortlich und trifft alle Entscheidungen | KI deutet Sprache oder Bilder und unterstützt den Bediener | Wachsend, siehe KI-Assistent für Werker und KI-Qualitätsprüfung |
| Stufe 2Teilautonomie | Zeitweise Autonomie in klar definierten Bereichen, der Mensch gibt Teilziele vor und kontrolliert das Ergebnis | Einfache Aufgaben werden an Automatisierungssysteme delegiert | Typisch für Cobots, AMR und die ersten Humanoiden-Piloten mit enger Aufgabe |
| Stufe 3Bedingte Autonomie | Autonomie in größeren Teilbereichen, das System warnt, der Mensch bestätigt Lösungsvorschläge oder ist Rückfallebene | Die Anlage fährt bei erkannter Überlast selbst in einen abgesicherten Modus | Punktuell: Siemens beschreibt für Erlangen einen KI-Agenten, der Planungsszenarien nach Kennzahlen vergleicht, Planer sehen die Wirkung je Option (19.10.2026) |
| Stufe 4Hohe Autonomie | Das System arbeitet in bestimmten Systemgrenzen autonom und adaptiv, der Mensch überwacht oder greift im Notfall ein | Optimierung der Fertigungsstrategie nach vorgegebenen Kennzahlen, mit fortgesetzten Lernphasen | Für Gesamtfabriken ein Ziel: Siemens und NVIDIA wollen „die weltweit ersten“ voll KI-gesteuerten Standorte aufbauen (16.04.2026), Erlangen dient als Blaupause (19.10.2026) |
| Stufe 5Vollautonomie | Autonomer Betrieb in allen Bereichen, der Mensch kann abwesend sein | Die Anlage regelt sich selbst und fährt im nicht beherrschbaren Notfall in einen sicheren Zustand | In den genannten Quellen ist kein Serienbetrieb belegt, Ankündigungen sind Zielbilder |
Die Spalte Stand 2026 ist eine Einordnung von Find-Your-MES, keine Erhebung. Quellen: Wegweiser KI in der Industrie 4.0, Mai 2020, Siemens, 16.04.2026, Siemens, 19.10.2026. Die von Siemens genannten „bis zu 20 Prozent“ Einsparung nennt der Hersteller ohne Bezugsgröße, Find-Your-MES übernimmt die Zahl nicht. Absicherung neuer Abläufe: Digital Twin im MES.
Ist unser Anwendungsfall reif?
Sieben Prüffragen.
Mit diesen Fragen trennen Sie Pilot und Showcase, bevor ein Roboter bestellt wird. Senden Sie sie vor der Demo an Roboterhersteller und MES-Anbieter.
| Prüffrage | Reif, wenn | Noch nicht reif, wenn | Nachweis |
|---|---|---|---|
| 1. Ist die Aufgabe eng umrissen?Zuschnitt | ✓ Ein Griff, ein Ziel, ein Werkstückspektrum, etwa Behälter umsetzen | Der Roboter soll „überall mal helfen“ | Aufgabenbeschreibung mit Takt, Gewicht, Greifpunkten |
| 2. Scheidet eine einfachere Lösung aus?Alternativen | ✓ Cobot, AMR oder Fördertechnik fallen nach Rechnung aus | Der Humanoide ist gewählt, weil er neu ist | Vergleichsrechnung mit offenen Annahmen |
| 3. Ist die Sicherheit geklärt?Maschinenrecht | ✓ Risikobeurteilung liegt vor, Zelle oder Betriebsart sind festgelegt, Normbezug ist genannt | Die Antwort lautet „kommt noch“ | Risikobeurteilung, Konformitätsunterlagen nach Maschinenverordnung |
| 4. Läuft es stabil über Schichten?Dauerbetrieb | ✓ Betriebsstunden, Erfolgsquote, Störgründe und Teleoperationsanteil aus vergleichbarem Einsatz liegen vor | Nur eine Messe-Demo, Akkulaufzeit unter einer Schicht (Fraunhofer-Test: 1 h 49 min) | Pilot über mehrere Wochen mit Protokoll |
| 5. Spricht der Roboter mit dem MES?Schnittstelle | ✓ Auftrag, Freigabe und Rückmeldung laufen über eine dokumentierte Schnittstelle | Nur die eigene Flotten-App, die Übergabe erfolgt per Zettel | Schnittstellenbeschreibung, Testfall in der Demo, siehe OPC UA im MES |
| 6. Sind Daten und Modelle geregelt?Vertrag | ✓ Der Vertrag regelt Trainingsdaten, Updates, Modellstand und Datenort | Der Hersteller darf Aufnahmen frei nutzen | Vertragsklauseln, Versionsprotokoll |
| 7. Rechnet es sich ehrlich?Wirtschaftlichkeit | ✓ Roboter, Zelle, Integration, Wartung, Training und Ausfall sind mit Annahmen offengelegt | Nur der Anschaffungspreis wird verglichen (Hände allein ab 70.000 US-Dollar, Fraunhofer) | Rechnung mit offenen Annahmen, Vorlage im ROI-Rechner für MES |
Einordnung von Find-Your-MES. Als reif gilt ein Fall, wenn mindestens die Fragen 1, 3 und 5 mit „reif“ beantwortet sind.
Sechs typische Fehler
bei Physical-AI-Projekten.
Vom Video auf den Betrieb schließen
Das Fraunhofer IPA warnt davor, Demonstrationen mit Massenadoption zu verwechseln. Die IFR sieht die meisten Anwendungen im Pilotstadium.
- Referenz im eigenen Takt und Umfeld verlangen
Die Sicherheit nach hinten schieben
Fehlende Sicherheitsstandards gelten als größte Hürde. Wer erst beim Aufbau fragt, ob der Roboter neben Menschen arbeiten darf, verliert Monate.
- Risikobeurteilung vor der Bestellung
Das MES als Robotersteuerung missbrauchen
Bewegungsbefehle aus dem MES vermischen Fertigungssteuerung und Sicherheitsfunktion. Das MES gibt Aufträge und liest Zustände.
- Schnittstelle auf Aufträge und Zustände begrenzen
Ohne Messgröße in den Pilot starten
Siemens nennt Behälterbewegungen pro Stunde, Betriebszeit und Erfolgsquote. Ohne solche Größen bleibt der Pilot ein Eindruck.
- Kennzahlen und Abbruchkriterium vor dem Start festlegen
Die Hardware unterschätzen
Die Fraunhofer-Gesellschaft sieht Aktoren, Getriebe, Sensoren und Motorwärme als Engpass. Akku und Wartung entscheiden über den Schichtbetrieb.
- Akku, Ladezeit und Wartung in die Rechnung aufnehmen
Belegschaft und Betriebsrat zu spät einbinden
BMW beschreibt Humanoide als Ergänzung der Automation für monotone, ergonomisch belastende oder sicherheitskritische Aufgaben. So lässt sich Akzeptanz früher gewinnen.
- Daten- und Kameraeinsatz im Betriebsrat klären
Quellen: Fraunhofer IPA, 03.09.2026, IFR, 30.09.2026, Fraunhofer-Gesellschaft, 2026, BMW Group, 27.02.2026.
Was können Fertiger bis 2027
sinnvoll tun?
Zwei Fristen prägen den Zeitplan: die Maschinenverordnung am 20.01.2027 und die Hochrisiko-Termine des AI Act am 02.12.2027 und 02.08.2028. Mehr zur Einordnung: MES Trends 2027 und MES Technologie und Trends.
Anwendungsfälle sammeln
Beginnen Sie bei monotonen, ergonomisch belastenden oder sicherheitskritischen Aufgaben, denn dafür sieht auch BMW das Potenzial. Beschreiben Sie je Fall Takt, Gewicht, Umfeld und Menschen in der Nähe.
Einfachere Lösungen zuerst prüfen
Prüfen Sie Cobots, AMR oder Fördertechnik vor Humanoiden, siehe Cobots und Roboter an das MES anbinden und AMR und FTS an das MES anbinden.
Die MES-Grundlage schaffen
Ohne saubere Stammdaten, Auftragsrückmeldung und Störgründe taugt auch der klügste Roboter nichts. Wer noch mit Papier arbeitet, startet bei papierloser Fertigung.
Rechtsstand klären
Klären Sie vor dem 20.01.2027, wer bei Robotern und Anlagenänderungen Hersteller im Sinn der Maschinenverordnung ist. Ordnen Sie danach Cyber Resilience Act (11.12.2027) und AI Act (02.12.2027, 02.08.2028) ein.
Pilot mit Messgrößen
Starten Sie einen engen Pilot mit Kennzahlen, Abbruchkriterium und Vergleich zur heutigen Lösung. KMUmanoid (Fraunhofer IPA, 21.05.2025) zeigt, wie sich Einsatzfälle per Simulation in der Planung prüfen lassen.
MES-Auswahl und Roboterpläne koppeln
Nehmen Sie Schnittstellen zu Robotern und Flottensoftware ins Lastenheft auf, siehe MES Lastenheft erstellen. Das Selection Portal ist das Werkzeug für die Softwareauswahl: Anforderungen sammeln, begründete Shortlist, Demos, Vertrag, alles nachvollziehbar dokumentiert.
Neutralität: Anbieterneutralität und Methodik. Das Vorgehen allgemein steht unter MES auswählen.
Häufige Fragen
direkt beantwortet.
Was ist Physical AI in der Fertigung?
Physical AI ist KI, die in Roboter oder Maschinen integriert ist und Aufgaben in der realen Fabrik ausführt. So beschreibt es das Fraunhofer IPA (03.09.2026). Ein Modell nimmt Umgebung und Werkstück über Sensoren wahr und wählt die Bewegung innerhalb gesetzter Grenzen. Typische Formen sind lernende Greifsysteme, mobile Manipulatoren und Humanoide. Der Begriff ist weder Norm noch Produktklasse. Fragen Sie deshalb bei jedem Angebot, welche Fähigkeit konkret gemeint ist, welche Aufgabe sie löst und welche Nachweise der Hersteller dafür vorlegt.
Was unterscheidet Physical AI von klassischer Industrierobotik?
Der Unterschied liegt darin, wer die Bewegung bestimmt. Klassische Industrieroboter führen programmierte oder eingelernte Abläufe aus, meist in abgesicherten Zellen, ein Variantenwechsel erfordert Umprogrammierung. Bei Physical AI wählt ein trainiertes Modell die Bewegung anhand von Kamera- und Sensordaten selbst. Dafür kann das Verhalten bei gleicher Eingabe abweichen, wie die Plattform Industrie 4.0 für KI allgemein festhält. Das erhöht den Aufwand für Absicherung, Test und Nachweis spürbar, bringt aber Spielraum bei wechselnden Teilen und Umgebungen.
Sind humanoide Roboter 2026 in der Serienfertigung angekommen?
Nein, überwiegend nicht. Die IFR zählt für 2025 rund 7.000 verkaufte Humanoide (über 140 cm) und nennt die meisten Anwendungen spezialisiert, oft mit Teleoperation (30.09.2026). Das Fraunhofer IPA sieht die meisten Anwendungen im Pilotstadium (06.10.2026). Hersteller und Anwender berichten von Tests und Piloten, zum Beispiel BMW in Leipzig und Spartanburg, Siemens in Erlangen oder Agility Robotics bei GXO in der Logistik. In diesen Quellen ist kein belegter Dauerbetrieb in der breiten Fertigung genannt.
Was hat BMW laut eigener Mitteilung mit Humanoiden gemacht?
Laut BMW-Mitteilung vom 27.02.2026 unterstützte der Roboter Figure 02 im Werk Spartanburg in zehn Monaten die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3, bewegte mehr als 90.000 Teile und lief rund 1.250 Betriebsstunden. In Leipzig startet ein Pilot mit dem Roboter AEON von Hexagon Robotics, erste Tests liefen im Dezember 2025, die volle Pilotphase war für den Sommer 2026 vorgesehen. BMW nennt Humanoide eine Ergänzung der bestehenden Automation. Angaben laut Hersteller, ohne Gewähr.
Welche Alternativen zu Humanoiden sind heute produktiv?
Produktiv sind klassische Industrieroboter, Cobots, AMR und fahrerlose Transportsysteme. Die IFR zählt rund 5 Mio. Industrieroboter im Bestand (24.09.2026) und verkaufte 2025 im Segment Transport und Logistik der professionellen Serviceroboter 117.500 Einheiten (30.09.2026). Polyfunktionale Roboter, also mobile Manipulatoren mit Arm auf Rad-Plattform, bilden eine Zwischenstufe. Die Anbindung beschreiben die Seiten zu Cobots und zu AMR und FTS. Eine einfachere Lösung ist meist die erste Wahl, solange die Aufgabe eng umrissen ist.
Braucht eine Physical-AI-Fabrik ein MES?
Ja, denn je mehr Systeme selbst entscheiden, desto wichtiger wird eine Stelle, die Aufträge, Freigaben, Rückmeldungen und Nachverfolgbarkeit verbindlich führt. Das MES vergibt den Auftrag mit Material, Menge und Ziel, gibt frei, nimmt Mengen, Zeiten und Störungen zurück und hält die Genealogie fest. Bewegung und Sicherheitsfunktion bleiben beim Roboter und seiner Steuerung. Sie benötigen also ein MES, das Roboter als Ressource im Auftrag führt, nicht als Sonderfall neben dem Rest der Fertigung.
Wie wird ein Roboter an das MES angebunden?
Meist über eine Flotten- oder Steuerungsschicht des Roboterherstellers, die Aufträge vom MES annimmt und Fortschritt zurückmeldet. Agility Robotics beschreibt dieses Prinzip für seine Humanoiden und kündigte 2024 Schnittstellen für WMS, WES und MES an (11.03.2024). Siemens nennt für seinen Test den Datenaustausch mit Produktionssystemen in Echtzeit. Wie reif diese Schnittstellen bei einem MES-Anbieter sind, lässt sich nur in der Demo mit einem Testfall prüfen, zum Beispiel Auftrag, Quittung und Störmeldung.
Gilt die Maschinenverordnung für humanoide Roboter?
Ja, ein Humanoider ist rechtlich eine Maschine. Die Verordnung (EU) 2023/1230 gilt ab dem 20.01.2027 verbindlich in allen Mitgliedstaaten und ersetzt die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (DGUV, EU-OSHA). Der Hersteller des Roboters verantwortet Konformität und CE-Kennzeichnung. Betreiber werden zum Hersteller, wenn sie eine Maschine wesentlich verändern (Artikel 18). Fragen Sie den Roboterhersteller deshalb nach den Konformitätsunterlagen. Ersetzt keine Rechtsberatung, Einzelheiten stehen auf der Seite zur Maschinenverordnung im MES-Kontext. Fordern Sie vor der Bestellung die Konformitätsunterlagen und Software-Versionen schriftlich an.
Was ändert der Digital Omnibus am AI Act für Roboter?
Die Verordnung (EU) 2026/1744 wurde am 24.07.2026 im Amtsblatt veröffentlicht. Hochrisiko-Pflichten für eigenständige Systeme nach Anhang III gelten nun ab 02.12.2027, für in Produkte eingebettete Systeme ab 02.08.2028. KI-fähige Maschinenprodukte nimmt der Omnibus aus der unmittelbaren Hochrisiko-Regelung heraus, sie folgen dem Maschinenrecht, das die Kommission per delegiertem Rechtsakt um KI-Anforderungen ergänzen soll (Europäisches Parlament, Stand 20.09.2026). Für KI-Funktionen im MES selbst bleiben diese Termine relevant, etwa bei Aufgabenzuweisung an Beschäftigte. Ersetzt keine Rechtsberatung.
Gibt es Sicherheitsnormen für Humanoide?
Noch nicht als eigene verabschiedete Norm. Für Industrieroboter gilt die Normreihe ISO 10218, für Cobots ISO/TS 15066. Die Norm ISO 25785-1 zu Humanoiden wird nach Angabe des Fraunhofer IPA erst 2028 erwartet (27.05.2026). Die IFR nennt fehlende Sicherheitsstandards als größte Hürde. Beim Beispielroboter des Instituts traten Kollisionskräfte über 500 N auf. Agility setzt für Digit deshalb Absperrungen und Verriegelungen ein, andere Hersteller entwickeln kooperativ sichere Modelle. Verlangen Sie in jedem Fall eine Risikobeurteilung der Zelle.
Welche Autonomiestufen gibt es für Fabriken?
Die Plattform Industrie 4.0 beschreibt sechs Stufen von 0 bis 5. Stufe 0 ist reine Automatisierung ohne KI, bei Stufe 1 assistiert KI, bei Stufe 2 übernimmt sie einfache Aufgaben unter Kontrolle des Menschen. Stufe 3 bis 5 verschieben die Verantwortung schrittweise zum System, bis der Mensch bei Stufe 5 abwesend sein kann. Autonomie gilt dabei immer innerhalb von Menschen gesetzter Systemgrenzen (Wegweiser, Mai 2020). Die meisten Fabriken liegen 2026 zwischen Stufe 0 und 2, Einschätzung von Find-Your-MES.
Was kostet ein humanoider Roboter?
Listenpreise nennen die Hersteller in den genannten Mitteilungen nicht. Die Fraunhofer-Gesellschaft nennt für ein Paar hochwertiger Roboterhände 70.000 US-Dollar oder mehr und schreibt, die technologisch ausgereiftesten Modelle sollten bis zu 300.000 US-Dollar kosten. Hinzu kommen Zelle, Integration, Wartung, Training und Ausfall. Agility Robotics und GXO arbeiten nach einem Robots-as-a-Service-Modell (26.10.2026), Preise nennen sie nicht. Rechnen Sie immer die Gesamtkosten gegen eine einfachere Lösung. Klären Sie außerdem Wartungsvertrag, Ersatzteile und Akkutausch.
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