MES Ratgeber · Datenerfassung

MDE und BDE im MES.
Maschinen- und Betriebsdaten erfassen.

MDE (Maschinendatenerfassung) erfasst Zustände und Zählwerte automatisch von Maschine, Steuerung oder Sensor. BDE (Betriebsdatenerfassung) nimmt auftrags- und personenbezogene Meldungen wie Gutmenge, Ausschuss und Störgrund am Terminal auf. Im MES laufen beide Datenströme zusammen: MDE zeigt, was die Maschine tut, BDE erklärt, für welchen Auftrag und aus welchem Grund, und erst gemeinsam ergeben sie Auftragsfortschritt, OEE und Rückverfolgbarkeit.

OPC UAMQTTRetrofitIIoT-GatewayOEEStand Oktober 2026
5 bis 10
Kernsignale je Maschine genügen für den Start der OEE-Berechnung (Erfahrungswert)
2 bis 6 W
typische Dauer einer ersten Pilotanbindung (Erfahrungswert)
ab 500 EUR
Gateway-Hardware für Retrofit je Maschine (Erfahrungswert)
über 110
MES Systeme im Katalog von Find-Your-MES

Quelle: Find-Your-MES, Sectorlens GmbH, Stand Oktober 2026. Zeit- und Kostenangaben sind Erfahrungswerte aus Projekten, keine Herstellerpreise.

MDE vs. BDE

Maschinendaten vs. Betriebsdaten.
Was erfasst was?

MDE und BDE ergänzen sich zur Basis der OEE-Berechnung aus Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate. Wie daraus eine belastbare Kennzahl wird, zeigen OEE messen und steigern und OEE berechnen nach ISO 22400. Beide Datenströme werden benötigt: Ohne MDE fehlt die Maschinenzeit, ohne BDE fehlen Menge, Grund und Auftragsbezug.

01, Automatisch

MDE: Maschinendatenerfassung

Direkte Anbindung an Maschinensteuerung oder Sensor. Kein Mitarbeitereingriff erforderlich. Liefert kontinuierliche, hochfrequente Echtzeit-Daten.

  • Maschinenstatus: Läuft / Störung / Rüsten
  • Taktzeit und Zyklusanzahl
  • Störmeldungen mit Störgrundcode
  • Energieverbrauch (kWh)
  • Temperatur, Druck, Vibration (optional)
  • OPC-UA Companion Spec-Daten (CNC, Robotik)
02, Manuell

BDE: Betriebsdatenerfassung

Eingabe durch Mitarbeiter am Shopfloor-Terminal oder MES-Klient. Erfasst auftrags- und personenbezogene Kontext-Daten.

  • Gutstück- und Ausschussmengen
  • Störgrund (aus vordefiniertem Katalog)
  • Rüst- und Wartungszeiten
  • Auftragsstart und -ende
  • Losnummer und Chargenid
  • Prüfergebnis und Qualitätsmerkmale
Kriterium MDE BDE
DatenquelleMaschine / SPS / SensorMitarbeiter am Terminal
ErfassungsartAutomatischManuell
LatenzEchtzeit (ms bis s)Manuell (Minuten bis Schicht)
OEE-BeitragVerfügbarkeit + LeistungsgradQualitätsrate
BetriebsvereinbarungOft nicht nötigMeist erforderlich (BetrVG 87)
Typisches ProtokollOPC-UA, PROFINET, MQTTREST-API, TCP/IP
Tabelle

MDE gegen BDE
gegen MES.

Die drei Begriffe liegen auf unterschiedlichen Ebenen. MDE und BDE sind Arten der Erfassung, das MES ist das System, das beide Datenströme zusammenführt und für die Fertigungssteuerung nutzt.

AspektMDEBDEMES
ZweckZustand und Leistung der Maschine messenAuftrag, Menge und Grund dokumentierenFertigung steuern, überwachen und auswerten
DatenquelleSteuerung (SPS), Sensor, GatewayMitarbeiter, Terminal, Scanner, WaageMDE, BDE, ERP und Qualitätsdaten
Zeitbezuglaufend, Sekunden bis Minutenereignisbezogen, beim BuchenEchtzeit bis Schicht und Auftrag
Eingriff am Shopfloorkeiner, automatischEingabe oder Scan nötigPflege von Stammdaten und Konfiguration
Typische ErgebnisseLaufzeit, Stillstand, Taktzeit, StörmeldungGutmenge, Ausschuss, Störgrund, RüstzeitAuftragsfortschritt, OEE, Feinplanung, Rückverfolgbarkeit
Mitbestimmungmeist geringer, wenn ohne Personenbezugoft Betriebsvereinbarung nötigim Einzelfall prüfen, siehe Betriebsvereinbarung MES
Rolle beim Einstiegoft erster Schrittmeist ergänzend dazubaut auf beiden Datenströmen auf

Quelle: Find-Your-MES, Sectorlens GmbH, Stand Oktober 2026

MDE System

MDE System:
Funktionen und Anbindung.

Ein MDE System ist die Kombination aus Hardware und Software, die Maschinenzustände und Zählwerte automatisch erfasst, prüft und an ein MES oder eine Auswertung weitergibt. Es kann eigenständig laufen oder als Modul eines MES.

01, Signale

Was ein MDE System liest

Ausgangspunkt sind wenige Kernsignale je Maschine. Alles Weitere lässt sich später ergänzen.

  • Betriebszustand: produziert, steht, rüstet, gestört
  • Stückzähler und Zykluszeit
  • Störmeldungen und Alarmcodes der Steuerung
  • Auftrags- oder Programmnummer, wenn die Steuerung sie liefert
  • Energie, Temperatur oder Druck als optionale Ergänzung
02, Stillstandsgründe

Stillstandsgründe erfassen

Die Maschine meldet, dass sie steht. Den Grund kennt oft nur der Bediener. Bewährt hat sich eine Mischform.

  • Störcodes der Steuerung werden automatisch einem Grund zugeordnet
  • Bei unbekanntem Stillstand fragt das Terminal nach einer frei einstellbaren Mindestdauer nach
  • Ein Katalog mit 15 bis 25 Gründen, gemeinsam mit Schichtführern erarbeitet, hat sich bewährt (Erfahrungswert)
  • Kurzstopps werden gesammelt statt einzeln abgefragt
03, Anbindung

Wege zur Maschine

Das Protokoll richtet sich nach Baujahr und Steuerung.

Worauf es bei den Funktionen ankommt

Ein brauchbares MDE System setzt den Zeitstempel an der Quelle, damit Verzögerungen im Netz die Auswertung nicht verfälschen. Es puffert Daten bei Netzausfall (Store and Forward), prüft Signale auf Plausibilität und bildet sie auf einheitliche Felder ab. Entscheidend ist die Zuordnung der Zustände zum Fertigungsauftrag: Ohne diesen Bezug bleibt ein MDE System ein Zustandsmonitor, mit ihm wird es Teil der Fertigungssteuerung.

SignalTypische QuelleVerwendung
BetriebszustandSPS-Signal, Signalleuchte oder OPC-UA-StatusVerfügbarkeit
StückzählerZählerbaustein der Steuerung, Lichtschranke oder InitiatorLeistungsgrad (mit Soll-Taktzeit)
ZykluszeitSteuerung oder ZählerflankenLeistungsgrad, Taktzeitabweichung
StörcodeAlarmpuffer der SteuerungStillstandsgründe, Ursachenanalyse
Gut und SchlechtBDE-Terminal oder MessmittelQualitätsrate

Quelle: Find-Your-MES, Sectorlens GmbH, Stand Oktober 2026

Schnittstellen und Protokolle

Sechs Wege, wie Maschinen
Daten in das MES liefern.

Die Wahl des richtigen Protokolls hängt vom Baujahr der Maschine, der Steuerungsgeneration und dem verfügbaren IT/OT-Budget ab. OPC-UA ist der heutige Standard, hat aber nicht für jede Maschine eine fertige Lösung. Vertiefung: OPC UA im MES, MQTT und Sparkplug im MES und Maschinenanbindung per Retrofit.

OPC-UA, IEC 62541

OPC-UA nativ

Der Standard für neue Maschinen ab ca. 2015. Integrierte Verschlüsselung, semantische Datenmodelle, herstellerunabhängig. Port 4840 TCP. Companion Specs definieren maschinenspezifische Datenpunkte.

  • Verbreitet bei neueren Maschinen
  • Keine zusätzliche Hardware
  • Siemens S7-1500, Beckhoff TwinCAT, B&R nativ
SPS-Direktzugriff

SPS-Link (Siemens, Allen-Bradley)

Direktzugriff auf Variablenlisten der SPS via proprietäre Protokolle. Kepware KEPServerEX oder Softing dataFEED als OPC-UA-Bridge. Für Maschinen ab ca. 2000 ohne native OPC-UA.

  • S7-300/400: S7-Protokoll via RFC 1006
  • Allen-Bradley: CIP/EtherNet/IP
  • Konfigurationsaufwand: 1 bis 3 Tage
IIoT-Gateway

Retrofit-Gateway für alte Maschinen

Hardware-Gateway (Softing, Hilscher, Moxa, Red Lion) liest analoge Signale (0 bis 10V, 4 bis 20mA) und Digitalkontakte und übersetzt sie in OPC-UA. Ab ca. 500 Euro je Maschine.

  • Maschinen ohne digitale Schnittstelle
  • Baujahr vor 2000 typisch
  • Inbetriebnahme 1 bis 2 Tage
MTConnect, XML/HTTP

MTConnect für CNC-Maschinen

Offener US-Standard (ANSI/MTC1.4) für CNC-Werkzeugmaschinen. Mazak, Okuma, Haas und DMG Mori unterstützen MTConnect nativ. Daten via HTTP-GET auf Port 5000, XML-Ausgabe.

  • Mazak Smooth, Okuma OSP, Haas NGC
  • Kein proprietäres Protokoll nötig
  • OPC-UA-Adapter verfügbar
MQTT, Publish/Subscribe

MQTT für Sensoren und Edge

Leichtgewichtiges Publish/Subscribe-Protokoll für IoT-Sensoren und Edge-Computing-Knoten. Broker (z.B. HiveMQ, EMQX) vermittelt zwischen Sensor und MES. Ideal für hochfrequente Messdaten.

  • Vibrations-, Temperatur-, Drucksensoren
  • Sparkplug B als Standard-Payload
  • Latenz unter 10 ms erreichbar
REST-API, HTTP/JSON

REST-API für Software-Maschinen

Prüfstände, Laserscanner, Messtechnik und softwarebasierte Maschinen bieten oft eine REST-API oder Datenbankanbindung. MES fragt zyklisch ab (Polling) oder empfängt Webhooks (Event-driven).

  • Koordinatenmessmaschinen (CMM)
  • Optische Prufsysteme (Keyence, Cognex)
  • Anbindung in 1 bis 2 Tagen konfigurierbar
OPC-UA Companion Spec OPC-Nr. Maschinen-Typ Hersteller-Beispiele
CNC / Werkzeugmaschinen40501-1 (Machine Tools), 40502 (CNC Systems)CNC-Fräsen, Drehen, SchleifenSiemens SINUMERIK, Fanuc, Heidenhain
Robotik40010-1Industrie-RoboterKUKA, ABB, FANUC, Universal Robots
Schweissensiehe OPC FoundationLichtbogen- und LaserschweissenFronius, EWM, Lincoln Electric
Kunststoffverarbeitung40077 (EUROMAP 77)SpritzgiessmaschinenEngel, Arburg, Krauss-Maffei
Holzbearbeitung40550-1Holzbearbeitung und MöbelproduktionBiesse, Homag, Weinig

Quelle: OPC Foundation, reference.opcfoundation.org (OPC 40501-1, 40502, 40010-1, 40550-1, 40077), abgerufen am 13.10.2026. Für Schweißen ließ sich keine eigene Companion Specification belegen, daher der Verweis auf die OPC Foundation. Nummern vor Verwendung gegen die aktuelle Liste prüfen.

Implementierungsplan

MDE/BDE in 6 Schritten
produktiv schalten.

Ein realistischer Zeitplan für Fertigungsunternehmen mit 10 bis 50 Maschinen. Schritt 1 bis 4 laufen einmalig für die Pilotmaschine, Schritt 5 und 6 skalieren auf den Maschinenpark.

01

Datenpunkte definieren

OEE-relevante Signale je Maschine identifizieren: Maschinenstatus, Stückzähler, Störalarme, Energie. Priorisierung nach wirtschaftlicher Bedeutung der Maschine (Engpass zuerst).

1 bis 2 Tage
02

Protokoll und Schnittstelle wählen

OPC-UA für neue Maschinen, SPS-Link oder IIoT-Gateway für ältere. IT/OT-Netzwerk klären: VLAN-Segmentierung, Firewall-Freigaben für OPC-UA Port 4840 beantragen.

1 bis 4 Wochen
03

Pilotanbindung und Signalmapping

Erste Maschine anbinden. OPC-UA Namespace-Adressen auf MES-Standardfelder mappen. Skalierung und Einheiten prüfen (z.B. rpm vs. 1/min). Testlauf mit Live-Daten und Plausibilitätsprüfung.

2 bis 5 Tage
04

Daten plausibilisieren

Grenzwerte definieren: max. Taktzeiten, Stillstandslimits, Ausschuss-Schwellwerte. Anomalie-Alarme für Schichtführer konfigurieren. Störgrundkatalog gemeinsam mit Shopfloor finalisieren.

1 bis 2 Wochen
05

Live schalten und schulen

Produktivstart an Pilotmaschine (idealerweise Engpassmaschine). Shopfloor-Team schulen (2 Stunden). OEE-Dashboard einrichten. Rollout auf weitere Maschinen 2 bis 5 Tage pro Gruppe.

2 bis 5 Tage/Masch.
06

Rollout und kontinuierliche Optimierung

Schrittweiser Rollout auf alle Maschinen mit Konfigurationsvorlagen. OEE-Reporting und Schicht-Reviews einrichten. Wöchentliche Störungsanalyse etablieren. ROI nach 12 bis 24 Monaten messen.

3 bis 6 Monate (20 Maschinen)
Typische Fehler

Sechs Fehler, die MDE-Projekte
scheitern lassen.

Erfahrungen aus DACH-Projekten mit 10 bis 200 Maschinen zeigen wiederkehrende Muster. Diese Fehler kosten Zeit, Geld und Akzeptanz auf dem Shopfloor.

Fehler 01

IT/OT-Netzwerk nicht geplant

Firewall zwischen Office- und Produktionsnetz blockiert OPC-UA Port 4840. Das Projekt steht 4 bis 6 Wochen still, während IT und OT den Zugriffsweg klären.

Lösung: IT/OT-Netzwerk-Workshop vor der ersten Maschinen-Anbindung. VLAN-Konzept und Freigabeliste vorab erstellen.
Fehler 02

Zu viele Datenpunkte auf einmal

Teams versuchen, alle 500 OPC-UA-Variablen sofort zu mappen. Das erzeugt Datenmüll im MES und überfordert die Konfiguration. OEE braucht nur 5 bis 10 Kernvariablen.

Lösung: Minimum Viable MDE. Erst Maschinenstatus, Taktzeit und eine Störmeldegruppe, dann schrittweise erweitern.
Fehler 03

Störgrundkatalog zu generisch

Ein Katalog mit 3 Einträgen (Maschine, Mensch, Material) ist nutzlos für die Ursachenanalyse. Shopfloor-Teams lernen schnell, immer “Maschine” zu klicken.

Lösung: Störgrundkatalog gemeinsam mit Meistern und Schichtführern in einem Workshop erstellen. 15 bis 25 Gründe sind optimal.
Fehler 04

Betriebsrat zu spät eingebunden

BDE-Daten ermöglichen individuelle Leistungsmessung. Ohne Betriebsvereinbarung nach BetrVG 87 Abs. 1 Nr. 6 kann das Projekt rechtlich gestoppt werden.

Lösung: Betriebsrat von Anfang an in die Konzeption einbinden. Gemeinsam Datenschutzkonzept und Nutzungsregeln definieren.
Fehler 05

Kein Pilot, direkt Rollout

Ohne Pilotmaschine als Lernfeld werden Fehler in der Konfiguration auf alle Maschinen gleichzeitig repliziert. Das erzeugt eine Supportwelle, die das Team überfordert.

Lösung: Engpassmaschine als Pilot wählen, 4 Wochen stabilisieren, Vorlagen erstellen, dann Rollout mit 3 bis 5 Maschinen pro Woche.
Fehler 06

OEE-Daten ohne Review-Prozess

Dashboards werden gebaut, aber kein Prozess etabliert, der OEE-Daten regelmässig analysiert und Massnahmen ableitet. Nach 3 Monaten schauen Schichtführer nicht mehr hin.

Lösung: Wöchentliches 15-Minuten-OEE-Review fest im Schichtplan verankern. Störungsanalyse als Standard-Tagesordnungspunkt in der Schichtübergabe.
Kosten und ROI

Was MDE kostet, und
wann es sich rechnet.

Kosten und Amortisationsdauer hängen stark von Maschinenalter und vorhandenen Schnittstellen ab. Moderne OPC-UA-Maschinen verursachen fast keine Hardware-Kosten, der Aufwand liegt in Konfiguration und Inbetriebnahme. Alle Werte sind Erfahrungswerte (Stand Oktober 2026), keine Herstellerpreise. Die Einordnung der Gesamtkosten finden Sie unter MES Kosten.

Szenario Maschinen-Typ Hardware Inbetriebnahme Gesamt je Maschine Amortisation
Neue Maschine
Baujahr ab 2015, OPC-UA nativ
CNC, Spritzgiess, Roboter 0 EUR 1.000 bis 3.000 EUR 1.000 bis 3.000 EUR 6 bis 12 Monate
SPS-Retrofit
Siemens S7-300/400, Allen-Bradley
Ältere CNC, Pressen, Montagelinien 500 bis 1.500 EUR 2.000 bis 4.000 EUR 2.500 bis 5.500 EUR 12 bis 18 Monate
Analoge Maschine
Kein digitaler Ausgang, vor 2000
Konventionelle Drehen, Fräsen, Stanzen 1.500 bis 3.000 EUR 2.000 bis 5.000 EUR 3.500 bis 8.000 EUR 18 bis 36 Monate
MES-Lizenz (separat)
Nicht pro Maschine, sondern pro Anlage
Alle Maschinentypen 10.000 bis 80.000 EUR Gesamtlizenz nicht je Maschine In Gesamtprojekt einkalkulieren
ROI-Beispiel

20 Maschinen, aktueller OEE 68 Prozent, Investition 80.000 EUR (Lizenz plus Anbindung).

Illustratives Rechenbeispiel, keine Messwerte: 20 Maschinen laufen 4.000 Stunden pro Jahr, eine zusätzlich nutzbare Maschinenstunde bringt 60 EUR Deckungsbeitrag. Steigt der OEE um 4 Prozentpunkte auf 72 Prozent, entstehen rechnerisch 3.200 Produktivstunden und rund 192.000 EUR pro Jahr. Das gilt nur, wenn sich die gewonnene Kapazität verkaufen oder sinnvoll einsetzen lässt. Mit eigenen Werten rechnen Sie im ROI-Rechner MES.

Einstieg

MDE als Einstieg
ins MES.

MDE ist für viele Fertigungen der leichteste Start, weil Maschinendaten ohne Umstellung der Arbeitsabläufe entstehen und Stillstände sofort sichtbar werden. Das lohnt sich, wenn die Anbindung später im MES weiterverwendet wird. Dann wächst das System in drei Stufen, statt dass eine Insellösung ersetzt werden muss.

Stufe 1

MDE: Transparenz

Engpassmaschinen anbinden, Zustände und Stillstände sichtbar machen, einen ersten OEE-Wert bilden.

  • Wenige Kernsignale je Maschine
  • Sichtbar nach Wochen statt Monaten (Erfahrungswert)
Stufe 2

BDE: Auftragsbezug

Terminals oder Scanner ergänzen, Menge, Ausschuss und Störgründe je Auftrag erfassen.

  • Störgrundkatalog mit dem Shopfloor erarbeiten
  • Betriebsrat früh einbinden
Stufe 3

MES: Steuerung

Feinplanung, Qualität, Material und Rückverfolgbarkeit auf derselben Datenbasis aufbauen.

StufeKostenrahmen (Erfahrungswert)Wichtigste Treiber
1, MDE1.000 bis 8.000 EUR je Maschine, je nach Alter und SchnittstelleGateway-Hardware, Netzwerk-Freigaben, Signalmapping
2, BDETerminals und Erfassungsplätze je Arbeitsplatz, Preis nach AngebotZahl der Arbeitsplätze, Hardware, Anpassung des Störgrundkatalogs
3, MESLizenz 10.000 bis 80.000 EUR wie in der Kostentabelle oben, Wartung 16 bis 22 Prozent der Lizenz pro JahrFunktionsumfang, Zahl der Standorte, ERP-Integration

Erfahrungswerte, keine Herstellerpreise. Quelle: Find-Your-MES, Sectorlens GmbH, Stand Oktober 2026. Belastbare Zahlen liefert erst ein Angebot.

Damit MDE keine Insellösung bleibt

Setzen Sie auf offene Schnittstellen wie OPC UA statt auf einen proprietären Konnektor, planen Sie den Auftragsbezug von Beginn an ein und klären Sie die Betriebsvereinbarung vor dem Start. Fragen Sie jeden Anbieter aus der Anbieterübersicht, ob und wie er eine bestehende MDE-Anbindung übernimmt. So lässt sich die Erfassung später in ein vollständiges MES überführen.

MES-Anbieter DACH

Welches MES ist stark
bei MDE und BDE?

Sechs Anbieter, die im DACH-Raum je nach Größe und Branche für MDE und BDE in Frage kommen. Die Reihenfolge ist keine Rangfolge, es gibt keine gekauften Positionen. Welche Schnittstellen und Terminals ein System tatsächlich bietet, steht auf den Profilseiten, mehr in der Übersicht MES-Anbieter.

DACH-Mittelstand

MPDV Mikrolab

HYDRA X aus Mosbach, für den deutschen Mittelstand. OPC-UA nativ, eigener IIoT-Konnektor für Retrofit. Starke BDE-Terminals für Shopfloor. OEE-Echtzeit-Dashboard inklusive.

  • OPC-UA, PROFINET, S7-Protokoll
  • Fertigungstyp: Diskret, Job Shop
  • Unternehmensgr.: Klein bis Enterprise (laut Profil)
DACH-Mittelstand

FORCAM ENISCO

FORCE Bridge als universelle MDE-Plattform aus Böblingen. Verbindet Maschinen über standardisierte Anbindung. Starke Echtzeitanalyse und Shopfloor-KPI-Dashboards für globale Fertigungsnetze.

  • Standardisierte Maschinenanbindung (laut Profil)
  • Fertigungstyp: Diskret, Automotive
  • Referenzen (laut Profil): KOSTAL, Volvo, Airbus
DACH-Mittelstand

Proxia Software

MES aus Forstinning, spezialisiert auf diskrete Fertigung im Mittelstand. Breite OPC-UA-Unterstützung, integrierte Instandhaltungsmodule (CMMS) für Predictive-Maintenance-Ansätze.

  • OPC-UA nativ, SPS-Direktanbindung
  • Fertigungstyp: Diskret, Einzelfertigung
  • Unternehmensgr.: Klein bis Enterprise (laut Profil)
SAP-Umgebungen

SAP Manufacturing Execution

SAP ME und SAP Digital Manufacturing Cloud für Unternehmen in der SAP-Landschaft. Native ERP-Integration, S/4HANA-Anbindung ohne Middleware. OPC-UA via SAP Edge Services.

  • OPC-UA via SAP Edge Services
  • Fertigungstyp: Diskret, Prozess
  • Voraussetzung: SAP ERP
Automotive Tier-1

Siemens Opcenter Execution

Opcenter Execution für diskrete und Prozessfertigung. Einsatz laut Profil u. a. in Automotive und Elektronik. Nahtlose Integration mit Siemens PLM (Teamcenter) und SCADA (WinCC).

  • OPC-UA, PROFINET nativ
  • Branchen (laut Profil): Automotive, Elektronik
  • Referenzen (laut Profil): Miba, Gruppo Campari
Prozessindustrie

GE Digital Proficy

Proficy Plant Applications für kontinuierliche und chargenweise Prozessindustrie. Einsatz laut Profil u. a. in Chemie, Life Sciences und Lebensmittel. Starke OEE- und SPC-Module, OPC-UA und MQTT nativ.

  • OPC-UA, MQTT, OPC-DA
  • Fertigungstyp: Prozess, Batch
  • Branchen: Chemie, Life Sciences, Lebensmittel
Häufige Fragen

Was Fertigungsverantwortliche
am meisten fragen.

Zehn typische Fragen zu MDE und BDE. Jede Antwort ist für sich verständlich.

Was ist der Unterschied zwischen MDE und BDE?

MDE (Maschinendatenerfassung) erfasst technische Daten automatisch an der Maschine: Betriebszustand, Zykluszeit, Stückzahl und Störmeldungen. BDE (Betriebsdatenerfassung) erfasst auftrags- und personenbezogene Daten, die Mitarbeiter am Terminal eingeben oder scannen: Gutmenge, Ausschuss, Störgrund sowie Auftragsstart und Auftragsende. Erst beide zusammen liefern die Basis für den OEE-Wert aus Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate, siehe OEE berechnen nach ISO 22400.

Was ist ein MDE System?

Ein MDE System ist die Hard- und Software, die Maschinenzustände und Zählwerte automatisch von Steuerungen, Sensoren oder Gateways liest, mit Zeitstempel versieht, prüft und an ein MES oder eine Auswertung weitergibt. Typische Funktionen sind Zustandserkennung, Stückzählung, Störmeldung, Stillstandsgrund und Pufferung bei Netzausfall. Es kann eigenständig laufen oder als Modul eines MES. Funktionen und Anbindung beschreibt der Abschnitt MDE System.

Was kostet MDE?

Als Erfahrungswert (Stand Oktober 2026) fallen je Maschine rund 1.000 bis 3.000 EUR Inbetriebnahme an, wenn die Maschine OPC UA mitbringt. Bei älteren Steuerungen mit SPS-Anbindung liegt der Rahmen bei etwa 2.500 bis 5.500 EUR, bei Maschinen ohne digitale Schnittstelle bei etwa 3.500 bis 8.000 EUR einschließlich Gateway. Hinzu kommt die MES-Lizenz, die nicht je Maschine, sondern je Anlage anfällt (10.000 bis 80.000 EUR als Erfahrungsrahmen). Verbindliche Zahlen liefert nur ein Angebot. Mehr unter MES Kosten.

Wie lange dauert eine MDE-Pilotanbindung?

Eine Pilotanbindung für eine einzelne Maschine dauert nach Projekterfahrung typischerweise 2 bis 6 Wochen. Die größten Zeitfresser sind die Klärung des IT/OT-Netzwerks (Firewall-Freigaben, VLAN-Konfiguration) und die erste Signalkonfiguration. Nach dem Pilot beschleunigen Konfigurationsvorlagen den Rollout auf 2 bis 5 Tage je Maschine. Den Ablauf zeigt der Abschnitt Umsetzung in 6 Schritten.

Was ist OPC UA und warum ist es der Standard für MDE?

OPC UA (IEC 62541) ist ein herstellerunabhängiges Industrieprotokoll der OPC Foundation für die sichere Datenübertragung zwischen Maschine und MES über TCP/IP, standardmäßig über Port 4840. Es bringt semantische Datenmodelle (Companion Specifications) sowie Verschlüsselung und Authentifizierung mit und ist deshalb der bevorzugte Weg für neuere Maschinen. Daneben kommen MQTT für Sensoren und Edge-Knoten, PROFINET und EtherNet/IP in Steuerungsumgebungen, MTConnect bei CNC-Maschinen und REST-Schnittstellen bei Messtechnik vor. Vertiefung: OPC UA im MES und MQTT und Sparkplug im MES.

Was tun mit alten Maschinen ohne Schnittstelle?

Bei Maschinen ohne digitale Schnittstelle (oft Baujahr vor 2000) gibt es drei Wege. Erstens ein IIoT-Gateway, das digitale Kontakte oder analoge Signale (0 bis 10 V, 4 bis 20 mA) abgreift und in OPC UA übersetzt, ab etwa 500 EUR Hardware je Maschine (Erfahrungswert). Zweitens Energiemessung, aus der sich Betriebszustand und grobe Taktzeiten ableiten lassen. Drittens manuelle BDE-Terminals am Arbeitsplatz. Welcher Weg passt, hängt von der wirtschaftlichen Bedeutung der Maschine ab. Mehr unter Maschinenanbindung per Retrofit.

Welche MES-Anbieter sind bei MDE und BDE stark?

Im DACH-Raum kommen je nach Größe und Branche unter anderem MPDV (HYDRA X), FORCAM ENISCO, Proxia, SAP Digital Manufacturing, Siemens Opcenter Execution und GE Digital Proficy in Frage. Welche Schnittstellen und Terminals ein System bietet, steht auf dem jeweiligen Profil im Katalog. Eine Übersicht bietet MES-Anbieter im DACH-Raum.

MDE im MES oder ein separates OEE-Tool?

Nach unserer Einschätzung aus Auswahlprojekten hat ein in das MES integriertes MDE ab etwa 10 Maschinen klare Vorteile: keine doppelte Datenhaltung, direkte Verknüpfung von Maschinenstatus mit Auftrags- und Qualitätsdaten und weniger Schnittstellen. Separate OEE-Tools sind sinnvoll für schnelle Transparenz ohne vollwertiges MES. Grundlagen: OEE messen und steigern.

Wer sieht die Maschinendaten, und braucht es einen Betriebsrat?

Der Zugriff wird im MES rollenbasiert gesteuert: Schichtführer sehen ihre Maschinengruppe, die Produktionsleitung alle Linien samt Historie, die Instandhaltung die Störungshistorie. In Betrieben mit Betriebsrat ist nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG zu prüfen, ob eine Betriebsvereinbarung nötig ist, sobald Daten Rückschlüsse auf Leistung oder Verhalten einzelner Beschäftigter erlauben. Reine Maschinendaten ohne Personenbezug sind weniger sensibel als BDE-Daten. Das ist keine Rechtsberatung. Hinweise: Betriebsvereinbarung MES und Betriebsrat einbinden.

Worin unterscheidet sich BDE von der Zeiterfassung?

Die Zeiterfassung hält Kommen- und Gehenzeiten für die Lohnbuchhaltung fest. BDE im MES erfasst produktionsbezogene Daten: An welchem Auftrag hat ein Mitarbeiter wann gearbeitet, welche Stückzahlen entstanden, welche Störgründe wurden gemeldet. BDE-Daten fließen in Kalkulation, OEE-Berechnung und Kapazitätsplanung ein. Beide Systeme lassen sich verbinden, sind aber konzeptionell getrennt und unterliegen unterschiedlichen Mitbestimmungsregeln.

Vertiefen

Die Datenerfassung steht.
Was liegt darüber und darunter?

MDE und BDE sind selten der einzige Baustein auf dem Shopfloor. Diese acht Seiten ordnen die Erfassung gegen die Leitebene ab, zeigen den Umbauweg, führen von den Rohdaten zur Kennzahl und liefern die Begriffe für die Abstimmung mit der Automatisierungstechnik.

Migration

SCADA durch MES ersetzen oder ergänzen

Wenn die Maschinendaten heute über ein SCADA-System laufen, klärt diese Seite Reihenfolge, Aufwand und Kostenspannen des Umbaus. Enthält eine Wenn-dann-Matrix für Ersetzen, Ergänzen oder Belassen.

Abgrenzung

MES vs. SCADA: Unterschied und Zusammenspiel

Ordnet MDE und BDE sauber gegen die Prozessvisualisierung ab und zeigt, welche Signale auf welcher ISA-95-Ebene ausgewertet werden. Beantwortet die Frage, ob eine vorhandene SCADA-Anbindung die Maschinendatenerfassung bereits abdeckt.

Protokoll

OPC UA für MES: Maschinenanbindung und OT-Sicherheit

Vertieft das Protokoll, über das ein Grossteil der MDE-Anbindung läuft: Informationsmodell, Companion Specifications und die Absicherung der IT/OT-Grenze nach IEC 62443. Klärt, wann ein Edge Gateway nötig bleibt.

Kennzahl

OEE berechnen: Formel und Bezugsbasis nach ISO 22400

Aus MDE- und BDE-Signalen wird erst durch die richtige Bezugsbasis eine belastbare Kennzahl. Zeigt Formel, Benchmarks und die typischen Rechenfehler, die einen OEE-Wert unvergleichbar machen.

Anwendungsfall

Papierlose Fertigung: Laufkarte und Prüfprotokoll digital

BDE-Terminals ersetzen den Laufzettel nur zum Teil. Diese Seite zeigt, welche Papierdokumente in der Fertigung real digital ersetzt werden, welche bleiben und in welcher Reihenfolge der Umstieg gelingt.

Rückverfolgbarkeit

Traceability im MES: Verfolgungstiefe und Rückrufszenarien

Erklärt, welche Verfolgungstiefe die erfassten Maschinen- und Betriebsdaten tragen müssen, damit ein Rückruf auf Charge oder Seriennummer eingegrenzt werden kann. Mit Umsetzungsschritten und Rückrufszenarien.

Nachschlagewerk

MES-Glossar: 90 Fachbegriffe erklärt

Definiert die Erfassungs- und Protokollbegriffe aus diesem Artikel, von OPC UA über MQTT bis Edge Gateway. Nützlich bei der Abstimmung mit Instandhaltung und Automatisierungstechnik.

Ausgangslage

Excel in der Fertigung ablösen

Zeigt, was manuelle Erfassung über Laufzettel und Schichtbuch real kostet, gerechnet in Stunden pro Woche. Der Vergleichsmaßstab, gegen den sich eine automatisierte Maschinenanbindung rechnen muss.

Welches MES passt zu
Ihrem Maschinenpark?

Find-Your-MES gleicht Ihre Fertigungsumgebung gegen über 110 MES Systeme im Katalog ab und zeigt, welche MDE- und BDE-Architektur zu Ihrem Maschinenpark passt, welche Anbieter in Frage kommen und was die nächsten konkreten Schritte sind. Herstellerneutral und ohne gekaufte Positionen.

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