Nutzwertanalyse MES.
Anbieter objektiv gewichten und vergleichen.
Die Nutzwertanalyse ist ein Bewertungsverfahren, das mehrere Kriterien gewichtet, jeden Anbieter je Kriterium mit Punkten bewertet und daraus einen einzigen Gesamtwert bildet: Nutzwert gleich Summe aus Gewicht mal Punkte. Für die Auswahl eines Manufacturing Execution Systems (MES, Software zur Steuerung und Erfassung der Produktion) ist sie das Werkzeug, mit dem Fertigungsunternehmen im DACH-Raum drei bis fünf Anbieter auf der Shortlist nachvollziehbar vergleichen, statt nach Demo-Eindruck zu entscheiden. Diese Seite zeigt die Methode, einen Kriterienkatalog für MES, die Gewichtung per paarweisem Vergleich, ein vollständig durchgerechnetes Beispiel mit drei fiktiven Anbietern, die Sensitivitätsanalyse und die Verbindung mit den Gesamtkosten über fünf Jahre.
Demo-Eindruck oder Methode:
was über zehn Jahre trägt.
Eine MES-Entscheidung wirkt nach unseren Erfahrungswerten 10 bis 15 Jahre, so beschrieben im Leitfaden MES auswählen: Vorgehen, Kriterien und typische Fehler. Die Nutzwertanalyse ersetzt die Diskussion nicht, sie macht sie prüfbar: Jede Zahl lässt sich auf ein Gewicht, eine Skala und einen Beleg zurückführen.
Ohne Nutzwertanalyse
- Die beste Demo gewinnt, nicht das passendste System
- Jede Abteilung argumentiert mit ihrem Lieblingskriterium
- Funktionslisten der Anbieter werden 1 zu 1 verglichen, obwohl sie unterschiedlich definiert sind
- Kosten und Nutzen werden vermischt, der günstigste Einstiegspreis dominiert
- Die Entscheidung lässt sich gegenüber Geschäftsführung und Betriebsrat schwer begründen
Mit Nutzwertanalyse
- Kriterien und Gewichte stehen fest, bevor das erste Angebot gelesen wird
- Muss-Kriterien schließen aus, statt Punkte zu sammeln
- Jeder Erfüllungsgrad ist an eine beschriebene Skalenstufe und einen Demo-Beleg gebunden
- Die Sensitivitätsanalyse zeigt, ob das Ergebnis stabil ist oder kippt
- Nutzwert und TCO über fünf Jahre werden getrennt ermittelt und bewusst zusammengeführt
Quellen: MES auswählen, Nutzwertanalyse, Wikipedia, Stand Oktober 2026.
Die Nutzwertanalyse
in sechs Schritten.
Im deutschsprachigen Raum geht die Methode auf Christof Zangemeister zurück (Nutzwertanalyse in der Systemtechnik, Wittemann, München, 4. Auflage 1976). Das Prinzip ist einfach: Jedes Kriterium erhält ein Gewicht, jeder Anbieter je Kriterium einen Erfüllungsgrad, der Teilnutzwert ist das Produkt aus beidem, der Nutzwert die Summe aller Teilnutzwerte. Die Qualität des Ergebnisses entsteht in den Schritten davor.
Muss-Kriterien abgrenzen
Ausschlusskriterien wie Offline-Fähigkeit am Terminal oder eine bestimmte ERP-Anbindung werden vorab geprüft. Wer sie nicht erfüllt, scheidet aus. Muss-Kriterien erzeugen keine Punkte, sonst gewinnt ein Anbieter trotz fehlender Kernfunktion.
Kriterienbaum aufbauen
Fünf bis sechs Hauptkriterien, darunter die Unterkriterien aus dem Lastenheft. Die Kriterien müssen überschneidungsfrei sein, damit kein Aspekt doppelt zählt.
Gewichte festlegen
Gewichte per paarweisem Vergleich ermitteln, auf 100 Prozent normieren, mit Datum dokumentieren und vom Entscheidungsgremium freigeben lassen. Das geschieht vor der Angebotssichtung.
Skala verankern
Für jede Stufe der Punkteskala, etwa 0 bis 10, wird vorab beschrieben, was sie bedeutet und welcher Beleg dafür nötig ist. Ohne Anker bewertet jedes Teammitglied nach eigenem Maßstab.
Bewerten und rechnen
Mehrere Bewertende vergeben unabhängig Erfüllungsgrade auf Basis von Demo an eigenen Testfällen, RFI-Antworten und Referenzgesprächen. Teilnutzwert gleich Gewicht mal Erfüllungsgrad, Nutzwert gleich Summe.
Prüfen und zusammenführen
Sensitivitätsanalyse rechnen, Kipppunkte benennen und den Nutzwert mit der TCO über fünf Jahre verbinden. Erst dann entsteht die Entscheidungsvorlage.
Quellen: Nutzwertanalyse, Wikipedia mit Literaturangabe Zangemeister 1976, Spektrum Lexikon der Geographie: Nutzwertanalyse, Regel zu Muss-Kriterien und Freigabe wie im MES-Lastenheft, Stand Oktober 2026.
Hinter dem Matching steht ein ganzes Portal
Eine Nutzwertanalyse braucht gewichtete Anforderungen. Der Anforderungsmanager führt sie, das Ranking rechnet sie gegen die Anbieter.
Anforderungsmanager
Anforderungen anlegen, priorisieren und Ausschlusskriterien markieren. Der Einstieg, wenn Ihre Anforderungen noch unscharf sind.
Mehr zum Anforderungsmanager →Vorlagen und Anforderungsassistent
Vorformulierte Anforderungen einzeln oder als Paket übernehmen, statt mit einer leeren Liste zu starten.
Mehr zu den Vorlagen →Requirement Intelligence und Deep Check
Die KI schlägt Anforderungen für Ihr Unternehmen vor und deckt Lücken in Ihrer Auswahl auf.
Mehr zu Requirement Intelligence →Ranking
Anbieter anhand Ihrer Anforderungen vergleichen, bewerten und Notizen festhalten.
Mehr zum Ranking →Szenarien und Präsentationen
Praxisnahe Anwendungsfälle definieren, Anbieterpräsentationen planen und live bewerten.
Mehr zu Szenarien →IT Systemlandschaft
Vorhandene Systeme und Schnittstellen erfassen, damit die Integration von Anfang an mitgedacht ist.
Mehr zur IT Systemlandschaft →Vertragsphase
Angebote und Verträge prüfen, mit Checkliste und KI Vertragsanalyse.
Mehr zur Vertragsphase →Amatus, der KI Assistent
Fragen im Auswahlprojekt direkt im Portal klären, mit klaren Hinweisen zu den Grenzen der KI.
Mehr zu Amatus →Die Matching Engine liefert die erste Orientierung, das Selection Portal begleitet Sie danach durch das gesamte Auswahlprojekt. Bei Unsicherheit über Ihre Anforderungen starten Sie mit dem Anforderungsmanager und den Vorlagen. Find-Your-MES erhält keine Zahlung für Platzierungen, Matching und Ranking sind rein inhaltlich.
Sechs Hauptkriterien
für die Bewertung eines MES.
Der Katalog bündelt die Unterkriterien, die in MES-Auswahlprojekten regelmäßig entscheiden. Er lässt sich auf die acht Kriteriengruppen der Bewertungsmatrix im MES-Lastenheft abbilden, die dort auch Gewichtsspannen für eine Matrix mit Kostenanteil nennt. Fertigungsart-Passung steckt hier in der Funktion, Referenzen und Implementierungspartner beim Anbieter, Risiko verteilt auf Architektur und Anbieter.
Funktionale Abdeckung und Fertigungsart
Wie gut deckt das System Ihre Soll-Anforderungen ab, gezeigt an eigenen Testfällen? VDI 5600 Blatt 1 (Oktober 2016) beschreibt die MES-Aufgaben, an denen sich der Katalog orientieren kann.
- BDE, MDE und Auftragsrückmeldung
- Feinplanung und Reihenfolgebildung
- Qualität, Rückverfolgbarkeit, Chargen oder Seriennummern
- Passung zu Einzel-, Varianten-, Serien- oder Prozessfertigung
- Referenzkunden mit vergleichbarer Fertigungsart
ERP, Maschinen und Datenzugriff
Integration entscheidet über Projektdauer und Folgekosten. Bewertet wird, was produktiv im Einsatz ist, nicht was technisch denkbar wäre.
- Standardschnittstelle zu Ihrem ERP-Release
- Maschinenanbindung über OPC UA (IEC 62541) oder vorhandene Treiber
- Verantwortung für die Schnittstellenpflege bei Updates
- Offene API und vollständiger Datenexport, siehe MES-API, Exit und Datenhoheit
Bedienbarkeit am Shopfloor
Ein MES, das Werker umgehen, liefert keine Daten. Die Interaktionsprinzipien aus DIN EN ISO 9241-110:2020, etwa Aufgabenangemessenheit, Erwartungskonformität und Robustheit gegen Benutzungsfehler, geben die Prüfpunkte vor.
- Klicks bis zur Auftragsrückmeldung am Terminal
- Bedienung mit Handschuhen, Touch und Scanner
- Mehrsprachigkeit für die Belegschaft
- Einarbeitungszeit, gemessen mit Testpersonen aus der Schicht
Betriebsmodell, Sicherheit, Skalierung
Hier zählt, wie das System im Alltag läuft und mit Ihrer Fertigung wächst. Grundlagen zum Betriebsmodell stehen unter Cloud-MES oder On-Premise.
- Cloud, Private Cloud oder On-Premise
- Verhalten bei Ausfall der Internetverbindung
- Wartungsfenster relativ zu Ihren Schichtzeiten
- Updatefähigkeit trotz Anpassungen, etwa über Low-Code im MES
- Mehrwerkfähigkeit und Mandanten
Stabilität, Support, Umsetzungsteam
Ein MES kaufen Sie für ein Jahrzehnt. Bewertet werden Anbieter und das Team, das tatsächlich umsetzt.
- Eigentümerstruktur, Finanzierung, Roadmap
- Support mit Reaktionszeiten je Störungsklasse im Schichtbetrieb
- Hersteller, zertifizierter Partner oder Subunternehmer
- Zwei Referenzkunden mit vergleichbarem Mengengerüst
TCO über fünf Jahre
Kosten lassen sich als gewichtetes Kriterium führen oder getrennt über die TCO bewerten. Entscheiden Sie sich vorab für einen Weg, beide zugleich zählen die Kosten doppelt.
- Lizenz oder Subskription und Wartung
- Implementierung, Schnittstellen, Maschinenanbindung
- Hardware, Terminals, Schulung, interne Personentage
- Preisanpassungsklausel und Zusatzpreise, siehe versteckte MES-Kosten
Quellen: VDI 5600 Blatt 1, VDI, DIN EN ISO 9241-110:2020-10, DIN Media, Kriteriengruppen laut MES-Lastenheft, Stand Oktober 2026.
Gewichte per paarweisem Vergleich:
zehn Entscheidungen statt einer Schätzung.
Statt Prozentwerte frei zu schätzen, vergleicht das Team jedes Kriterium mit jedem anderen: 2 Punkte, wenn das Kriterium der Zeile wichtiger ist als das der Spalte, 1 Punkt bei gleicher Wichtigkeit, 0 Punkte, wenn es weniger wichtig ist. Bei fünf Kriterien sind das n mal (n minus 1) geteilt durch 2, also 10 Vergleiche mit zusammen 20 Punkten. Das Gewicht ist die Zeilensumme geteilt durch 20. Rechenbeispiel von Find-Your-MES für einen Variantenfertiger mit rund 300 Mitarbeitenden, zwei Standorten, heterogenem Maschinenpark und SAP als ERP. Die Kosten bleiben bewusst außen vor und werden später über die TCO verbunden.
| Kriterium (Zeile gegen Spalte) | F | I | U | B | A | Punkte | Gewicht |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Funktion (F) | – | 1 | 2 | 2 | 2 | 7 | 35 % |
| Integration (I) | 1 | – | 2 | 1 | 1 | 5 | 25 % |
| Usability (U) | 0 | 0 | – | 1 | 2 | 3 | 15 % |
| Architektur und Betrieb (B) | 0 | 1 | 1 | – | 1 | 3 | 15 % |
| Anbieter und Partner (A) | 0 | 1 | 0 | 1 | – | 2 | 10 % |
| Summe10 Vergleiche zu je 2 Punkten | 20 | 100 % |
Integration liegt im Beispiel höher als die Spanne, die das MES-Lastenheft als Ausgangspunkt nennt, weil zwei Standorte und ein gemischter Maschinenpark angebunden werden müssen. Genau dafür ist der paarweise Vergleich da: Er übersetzt die eigene Ausgangslage in Gewichte. Erhält ein Kriterium 0 Punkte, streichen Sie es bewusst oder prüfen, ob es überhaupt ein Auswahlkriterium ist. Wer feinere Abstufungen braucht, nutzt den Analytic Hierarchy Process nach Saaty, dort gilt ein Konsistenzverhältnis bis 0,1 als akzeptabel. Quellen: Nutzwertanalyse, Wikipedia, Esri: Konsistenzverhältnis nach Saaty, Stand Oktober 2026.
Punkte brauchen Anker:
so wird aus Eindruck ein Erfüllungsgrad.
Der Erfüllungsgrad beschreibt, wie gut ein Anbieter ein Kriterium erfüllt. Er ist nur so belastbar wie die Skala dahinter. Die vier Regeln gelten für jede Nutzwertanalyse MES, unabhängig von der gewählten Skalenbreite.
0 bis 10 mit beschriebenen Stufen
- 0: nicht vorhanden
- 3: nur über kundenspezifische Entwicklung
- 5: über Konfiguration mit nennenswertem Aufwand
- 7: im Standard, in der Demo gezeigt
- 10: im Standard, an Ihren Testfällen gezeigt und von einer Referenz bestätigt
Von Anforderungen zum Kriterium
- Im Lastenheft je Anforderung 0 bis 3 Punkte vergeben
- Erfüllungsgrad gleich erreichte Punkte geteilt durch Maximum, mal 10
- Gleiches Prinzip wie die technische Wertigkeit in VDI 2225 Blatt 3
- Muss-Anforderungen bleiben außerhalb der Punktzahl
Zahlen per Transformationsfunktion
- Quantitative Werte vorab in Punkte übersetzen
- Beispiel Support-Reaktion: bis 1 Stunde 10, bis 4 Stunden 6, bis 1 Arbeitstag 3, länger 0
- Schwellen vor der Angebotssichtung festlegen
- Gleiche Funktion für alle Anbieter
Mehrere Bewertende, ein Beleg
- Drei bis fünf Personen bewerten unabhängig
- Median statt Mittelwert gegen Ausreißer
- Abweichungen ab 3 Punkten gemeinsam klären
- Jeder Wert verweist auf Demo-Protokoll, RFI-Antwort oder Referenzgespräch, siehe MES-Demos bewerten
VDI 2225 Blatt 3 (Ausgabe November 1998) arbeitet mit einer Skala von 0 bis 5 und bildet die technische Wertigkeit als erreichte Punkte geteilt durch die maximal möglichen Punkte. Die 0-bis-3-Skala je Anforderung stammt aus dem MES-Lastenheft, die Transformationsfunktion aus der klassischen Nutzwertanalyse. Quellen: DIN Media: VDI 2225 Blatt 3, Leitfaden VDI 2225 Blatt 3, Ressource Deutschland, Spektrum Lexikon, Stand Oktober 2026.
Drei Anbieter durchgerechnet:
Gewicht mal Punkte, Zeile für Zeile.
Rechenbeispiel von Find-Your-MES mit den Gewichten aus dem paarweisen Vergleich. Anbieter A, B und C sind erfunden und stehen für keinen realen Hersteller. Alle drei haben die Muss-Kriterien erfüllt. Jede Zelle zeigt Erfüllungsgrad auf der Skala 0 bis 10 und den Teilnutzwert. Der Nutzwert ist die Summe der Teilnutzwerte, das Maximum liegt bei 10,00.
| Kriterium | Gewicht | Anbieter A | Anbieter B | Anbieter C |
|---|---|---|---|---|
| Funktion | 0,35 | 8 Pkt. · 2,80 | 8 Pkt. · 2,80 | 5 Pkt. · 1,75 |
| Integration | 0,25 | 5 Pkt. · 1,25 | 8 Pkt. · 2,00 | 6 Pkt. · 1,50 |
| Usability | 0,15 | 6 Pkt. · 0,90 | 7 Pkt. · 1,05 | 9 Pkt. · 1,35 |
| Architektur und Betrieb | 0,15 | 7 Pkt. · 1,05 | 6 Pkt. · 0,90 | 8 Pkt. · 1,20 |
| Anbieter und Partner | 0,10 | 9 Pkt. · 0,90 | 7 Pkt. · 0,70 | 6 Pkt. · 0,60 |
| NutzwertMaximum 10,00 | 1,00 | 6,90 | 7,45 | 6,40 |
| Rang nach Nutzwert | 2 | 1 | 3 | |
| TCO über 5 Jahrefiktive Angebotswerte | 540.000 € | 600.000 € | 420.000 € | |
| Nutzwert je 100.000 € TCO | 1,28 | 1,24 | 1,52 | |
| Mindestnutzwert 6,50 erreicht | ✓ ja | ✓ ja | – nein |
Lesart: B führt mit 7,45 vor A mit 6,90. Der Abstand von 0,55 entspricht 5,5 Prozent des Maximums und liegt damit knapp über der 5-Prozent-Schwelle, unter der eine Matrix nach unseren Erfahrungswerten nicht entschieden hat. A punktet bei Funktion und Anbieter, B bei Integration, C bei Usability und Betrieb. Die TCO-Werte liegen in der Spanne, die der TCO-Rechner MES für 200 bis 500 Mitarbeitende als Größenordnung nennt. Alle Werte sind Annahmen von Find-Your-MES zur Demonstration der Rechenlogik.
Wie stabil ist das Ergebnis?
Gewichte verschieben, Rangfolge prüfen.
Eine Sensitivitätsanalyse misst, wie stark sich das Ergebnis ändert, wenn eine Eingangsgröße variiert. Für die Nutzwertanalyse heißt das: Gewichte und einzelne Erfüllungsgrade gezielt verschieben und beobachten, ob die Rangfolge hält. Die Punktwerte bleiben in den ersten fünf Szenarien unverändert.
| Szenario | Geänderte Gewichte oder Punkte | Anbieter A | Anbieter B | Anbieter C | Rangfolge |
|---|---|---|---|---|---|
| BasisGewichte aus dem Paarvergleich | F 35, I 25, U 15, B 15, A 10 | 6,90 | 7,45 | 6,40 | B, A, C |
| Funktion stärker | F 45, I 15 | 7,20 | 7,45 | 6,30 | B, A, C |
| Usability stärker | U 25, F 25 | 6,70 | 7,35 | 6,80 | B, C, A |
| Anbieter stärker | A 20, I 15 | 7,30 | 7,35 | 6,40 | B, A, C knapp |
| Kipppunkt11 Punkte von Integration zu Anbieter | A 21, I 14 | 7,34 | 7,34 | 6,40 | A und B gleichauf |
| Jenseits des Kipppunkts | A 25, I 10 | 7,50 | 7,30 | 6,40 | A, B, C |
| Ein Erfüllungsgrad ändert sichGewichte wie Basis | B: Integration 6 statt 8, weil die ERP-Anbindung in der Demo nicht gezeigt wurde | 6,90 | 6,95 | 6,40 | B, A, C knapp |
Was das Beispiel zeigt: B bleibt bei Verschiebungen von Funktion und Usability vorn, das Ergebnis hängt aber an der Integrationsstärke. Wer Anbieter und Partner um 11 Prozentpunkte zulasten der Integration aufwertet, erhält ein Patt, darüber gewinnt A. Und ein einziger Erfüllungsgrad, der um 2 Punkte sinkt, schrumpft den Vorsprung auf 0,05. Prüfen Sie deshalb jede Gewichtung testweise um 5 Punkte nach oben und unten, benennen Sie den Kipppunkt in der Entscheidungsvorlage und lassen Sie bei knappen Abständen Referenzgespräche und Demo-Belege entscheiden, wie im MES-Lastenheft beschrieben. Quelle zur Definition: Nutzwertanalyse, Wikipedia, Stand Oktober 2026. Rechenwerte: Rechenbeispiel von Find-Your-MES.
Nutzen und Kosten verbinden:
drei Wege, einer pro Projekt.
Die Nutzwertanalyse beantwortet, welches MES am besten passt. Die TCO beantwortet, was es über fünf Jahre kostet. Zusammengeführt werden beide auf einem von drei Wegen. VDI 2225 Blatt 3 trennt dafür technische und wirtschaftliche Wertigkeit und stellt beide im Stärkediagramm gegenüber, dieselbe Logik eignet sich für die MES-Auswahl.
TCO wird gewichtet mitbewertet
Weg der Bewertungsmatrix im MES-Lastenheft
Die Kosten über fünf Jahre gehen als eigene Kriteriengruppe mit 15 bis 25 Prozent in den Nutzwert ein, die Punkte richten sich nach dem Abstand zum günstigsten Angebot.
- Ein einziger Gesamtwert, leicht zu kommunizieren
- Kostenvorteil kann Funktionslücken überdecken
- Eignet sich, wenn das Budget eine Größe unter mehreren ist
Im Beispiel nicht verwendet
Nutzwert je 100.000 € TCO
Kosten-Nutzen-Verhältnis
Nutzwert ohne Kosten geteilt durch die TCO in 100.000 Euro. Im Beispiel liegt C mit 1,52 vorn, obwohl C den niedrigsten Nutzwert hat.
- Zeigt, wie viel Nutzen jeder Euro kauft
- Bevorzugt günstige Systeme mit Lücken
- Nur sinnvoll zusammen mit einem Mindestnutzwert
Im Beispiel: C vor A vor B
Mindestnutzwert, dann Mehrkosten je Nutzwertpunkt
Empfehlung von Find-Your-MES
Vorab einen Mindestnutzwert festlegen, im Beispiel 6,50. C scheidet aus. Zwischen A und B zählt, was der Mehrnutzen kostet: B kostet 60.000 Euro mehr für 0,55 Nutzwertpunkte, rund 109.000 Euro je Punkt.
- Trennt Eignung und Preis sauber
- Die Grenze für Mehrkosten je Punkt wird vorab beschlossen
- Ergebnis lässt sich direkt in den Business Case übernehmen
Im Beispiel: B, sofern das Gremium 109.000 € je Punkt trägt
Die Gesamtkosten über fünf Jahre ermitteln Sie mit dem TCO-Rechner MES, den Nutzen in Euro mit dem ROI-Rechner MES. Kostenblöcke und Preismodelle erklärt die Seite MES-Kosten. Quelle VDI 2225 Blatt 3: Leitfaden Ressource Deutschland, Stand Oktober 2026.
Reale Anbieter, reale Prüfpunkte:
worauf die Bewertung achten sollte.
Die Nutzwertanalyse bewertet keine Marken, sondern Belege. Die Tabelle zeigt für sechs im DACH-Raum verbreitete Anbieter, welche Kriterien sich aus ihrer dokumentierten Positionierung als Prüfschwerpunkt ergeben. Das ist keine Bewertung und kein Ranking. Ob ein Anbieter die Punkte erreicht, entscheidet die Demo an Ihren eigenen Testfällen.
| Anbieter | Segment | Preis ab | Positionierung laut Profil | Prüfschwerpunkt in der Nutzwertanalyse | In der Demo belegen lassen | Profil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| MPDV HYDRA XMosbach, gegründet 1977 | Mittelstand | auf Anfrage | Breites MES-Portfolio, Schwerpunkt diskrete Fertigung, über 2.430 Installationen weltweit laut Herstellerangabe | Funktion: welcher Umfang im Standard liegt und welche Module zusätzlich lizenziert werden | Ihre Testfälle im Standard, Modulzuschnitt im Preisblatt | Zum Portal → |
| FORCAM ENISCOHauptsitz Böblingen | Mittelstand | auf Anfrage | Anbindung heterogener Maschinenparks, Weitergabe an SAP und Analyseanwendungen | Integration: Anbindung Ihrer Steuerungsgenerationen und Ihres ERP-Release | Live-Anbindung einer eigenen Maschine, Datenfluss bis ins ERP | Zum Portal → |
| PROXIAPROXIA Software AG, Forstinning bei München | Mittelstand | auf Anfrage | Einzel-, Varianten- und Lohnfertigung, Schnittstellen wie OPC UA und MTConnect | Funktion: Feinplanung bei kleinen Losen und häufigem Rüsten | Umplanung eines Eilauftrags mit Ihren Arbeitsplänen | Zum Portal → |
| Siemens OpcenterMOM-Portfolio der Siemens AG | Enterprise | auf Anfrage | Neun Produktlinien, sechs Branchenvarianten von Opcenter Execution laut Herstellerangabe | Architektur: welche Produktlinien Ihr Umfang tatsächlich braucht | Abgegrenzter Lieferumfang je Produktlinie, Rollout-Konzept für mehrere Werke | Zum Portal → |
| SAP Digital ManufacturingSAP SE, Walldorf | Enterprise | auf Anfrage | Software as a Service auf SAP BTP, dokumentierte Integration zu SAP S/4HANA | Architektur und Betrieb: Verhalten am Terminal bei Verbindungsverlust, Preismetrik | Offline-Szenario am Terminal, schriftliche Preismetrik | Zum Portal → |
| SYMESTICSYMESTIC GmbH, Dossenheim | Mittelstand | auf Anfrage | Cloud-natives MES auf Microsoft Azure, Fokus Mittelstand und schnelle Einführung | Usability und Einführungsdauer, dazu Funktionstiefe jenseits der Transparenzfunktionen | Rückmeldung durch eine Testperson aus der Schicht, Zeitplan bis zum ersten produktiven Werk | Zum Portal → |
Positionierung nach den Anbieterprofilen von Find-Your-MES, Stand August bis Oktober 2026. Keiner der sechs Anbieter veröffentlicht Listenpreise, daher auf Anfrage. Die Prüfschwerpunkte sind Empfehlungen von Find-Your-MES, keine Herstellerangaben und keine Wertung. Weitere Anbieter im MES-Anbietervergleich DACH.
Sechs Fehler,
die jede Nutzwertanalyse entwerten.
Die Methode gilt als übersichtlich und vielseitig, ihre bekannteste Schwäche ist die Scheingenauigkeit. Die folgenden Fehler sehen wir in MES-Auswahlprojekten am häufigsten.
Gewichte nach der Demo festgelegt
Wer Gewichte erst setzt, nachdem die Demos gesehen sind, passt sie unbewusst dem Favoriten an. Die Matrix begründet dann nur noch eine bereits getroffene Entscheidung.
- Gewichte vor dem RFP beschließen
- Mit Datum und Freigabe dokumentieren
Ausschlusskriterien in der Punktzahl
Ein Anbieter ohne Offline-Fähigkeit kann mit hohen Punkten in anderen Kriterien trotzdem gewinnen.
- Muss-Kriterien vorab als Filter prüfen
- Ausschluss mit Anforderungs-ID belegen
Kosten oder Inhalte doppelt gezählt
Kosten im Nutzwert und zusätzlich die TCO-Kennzahl, oder die SAP-Schnittstelle unter Integration und die SAP-Referenzen erneut beim Anbieter. Korrelierte Kriterien verzerren das Ergebnis.
- Einen Weg für die Kosten wählen
- Unterkriterien auf Überschneidung prüfen
Nachkommastellen als Beweis
Ein Vorsprung von 0,1 Punkten ist kein Ergebnis. Unter 5 Prozent Abstand zum Maximum hat die Matrix nach unseren Erfahrungswerten nicht entschieden.
- Abstände in Prozent des Maximums angeben
- Bei knappen Werten Referenzen und Demo-Belege heranziehen
80 Einzelkriterien flach gewichtet
Bei 80 gleichrangigen Kriterien wiegt jedes rund 1,25 Prozent, entscheidende Punkte gehen unter. Ein Lastenheft mit 80 Anforderungen ist normal, eine flache Gewichtung über alle nicht.
- Fünf bis sechs Hauptkriterien gewichten
- Anforderungen als Unterkriterien aggregieren
Häkchen aus dem Fragebogen gezählt
Anbieter kreuzen im Anforderungskatalog erfüllt an und meinen oft mit Aufwand machbar. Ohne Nachweis an Ihren Testfällen ist der Erfüllungsgrad wertlos.
- Testfälle vorab schriftlich verschicken
- Punkte nur für Gezeigtes vergeben
Quellen: Spektrum Lexikon: Nutzwertanalyse, Nutzwertanalyse, Wikipedia, MES-Lastenheft, MES auswählen, Erfahrungswerte von Find-Your-MES aus über 50 begleiteten MES-Auswahlprojekten, Stand Oktober 2026.
Häufige Fragen
direkt beantwortet.
Was ist eine Nutzwertanalyse für MES?
Eine Nutzwertanalyse für MES ist ein Bewertungsverfahren, das mehrere MES-Anbieter anhand gewichteter Kriterien in einen einzigen Gesamtwert übersetzt. Jedes Kriterium erhält ein Gewicht, jeder Anbieter je Kriterium einen Erfüllungsgrad, und der Nutzwert ist die Summe aus Gewicht mal Erfüllungsgrad. Im deutschsprachigen Raum geht die Methode auf Christof Zangemeister zurück. In der MES-Auswahl wird sie typischerweise für die drei bis fünf Anbieter der Shortlist eingesetzt.
Welche Kriterien gehören in eine Nutzwertanalyse für ein MES?
Bewährt haben sich fünf bis sechs Hauptkriterien: Funktion inklusive Fertigungsart-Passung, Integration, Usability, Architektur und Betrieb, Anbieter und Partner sowie gegebenenfalls Kosten. Darunter hängen die Unterkriterien aus dem Lastenheft. Wichtig ist, dass sich die Kriterien nicht überschneiden, sonst zählt ein Aspekt doppelt. Muss-Kriterien gehören nicht in die Punktzahl, sondern werden vorab als Ausschlussfilter geprüft.
Wie gewichte ich die Kriterien richtig?
Am robustesten ist der paarweise Vergleich, bei dem jedes Kriterium gegen jedes andere antritt. Bei fünf Kriterien sind das zehn Vergleiche, das Gewicht ergibt sich aus der Zeilensumme geteilt durch die Gesamtpunkte. Die Gewichte werden vor der Angebotssichtung festgelegt, mit Datum dokumentiert und vom Entscheidungsgremium freigegeben. Wer feinere Abstufungen braucht, kann den Analytic Hierarchy Process nach Saaty nutzen.
Welche Punkteskala eignet sich für die Erfüllungsgrade?
Eine Skala von 0 bis 10 mit beschriebenen Stufen ist für Hauptkriterien gut handhabbar. Auf Ebene einzelner Anforderungen arbeitet das MES-Lastenheft von Find-Your-MES mit 0 bis 3 Punkten, VDI 2225 Blatt 3 nutzt 0 bis 5. Entscheidend ist nicht die Breite, sondern dass jede Stufe vorab beschrieben ist und einen Beleg verlangt. Ohne solche Anker bewertet jedes Teammitglied nach eigenem Maßstab.
Gehören die Kosten in die Nutzwertanalyse?
Das ist möglich, aber nur auf einem Weg. Entweder gehen die Kosten über fünf Jahre als gewichtetes Kriterium in den Nutzwert ein, oder Sie bewerten den Nutzen ohne Kosten und verbinden ihn anschließend mit der TCO. Find-Your-MES empfiehlt für die Endauswahl den zweiten Weg mit einem vorab festgelegten Mindestnutzwert und den Mehrkosten je Nutzwertpunkt. Beide Wege zugleich zählen die Kosten doppelt.
Wie führe ich eine Sensitivitätsanalyse durch?
Verschieben Sie jedes Gewicht testweise um 5 Prozentpunkte nach oben und unten und prüfen Sie, ob die Rangfolge hält. Ergänzend senken Sie einzelne kritische Erfüllungsgrade, etwa wenn eine Funktion in der Demo nicht gezeigt wurde. Der Punkt, an dem zwei Anbieter gleichauf liegen, heißt Kipppunkt und gehört in die Entscheidungsvorlage. Im Rechenbeispiel dieser Seite liegt er bei 11 Prozentpunkten, die von Integration zu Anbieter wandern.
Was tun, wenn zwei Anbieter fast gleich abschneiden?
Liegen zwei Anbieter weniger als 5 Prozent des Maximums auseinander, hat die Matrix nach unseren Erfahrungswerten nicht entschieden. Dann entscheiden Referenzgespräche mit Kunden vergleichbarer Fertigungsart, die Demo an Ihren eigenen Testfällen und die Frage, wer das Projekt tatsächlich umsetzt. Nachträglich die Gewichte zu ändern, bis ein Sieger feststeht, ist keine Lösung. Dokumentieren Sie stattdessen, welches zusätzliche Kriterium den Ausschlag gegeben hat.
Wie viele Anbieter sollte die Nutzwertanalyse umfassen?
Sinnvoll sind die drei bis fünf Anbieter der Shortlist für eine erste Bewertung und die zwei bis drei Finalisten für die Tiefenbewertung. Für eine Longlist mit 15 bis 25 Kandidaten ist die vollständige Nutzwertanalyse zu aufwendig, dort genügen Muss-Kriterien und ein grobes Raster. Den Übergang beschreiben die Seiten zur MES-Longlist und zur MES-Shortlist mit RFI. Die vollständige Nutzwertanalyse lohnt sich, sobald belastbare Demo-Belege vorliegen.
Wer sollte die Bewertung durchführen?
Bewerten sollte ein Team aus Produktion, IT, Qualität und Einkauf, in der Praxis fünf bis acht Personen. Usability bewerten zusätzlich Testpersonen aus der Schicht, weil sie das System täglich bedienen. Jede Person vergibt Erfüllungsgrade zunächst unabhängig, danach werden Abweichungen ab 3 Punkten gemeinsam geklärt. Der Median aller Bewertungen geht in die Rechnung ein.
Gibt es eine Vorlage für die Nutzwertanalyse MES?
Eine durchgerechnete Bewertungsmatrix mit acht Kriteriengruppen und Gewichtsspannen enthält die Seite MES-Lastenheft erstellen, weitere Rechner bündelt die Übersicht Werkzeuge und Vorlagen. Das MES Selection Portal führt die Bewertung strukturiert durch, mit IT-Systemlandschaft, Anforderungsmanagement und direktem Anbieterkontakt. Bewertungen und Schätzungen von Vergleichsportalen nutzen wir nicht. Gewichte und Punkte entstehen immer aus Ihrer eigenen Ausgangslage.
Erst die passenden Anbieter,
dann die Nutzwertanalyse.
Eine Nutzwertanalyse ist nur so gut wie die Anbieter, die sie bewertet. Find-Your-MES gleicht Ihr Profil auf Basis von über 80 Merkmalen mit über 110 MES-Systemen ab und liefert in rund 6 Minuten eine herstellerneutrale Shortlist. Im MES Selection Portal führen Sie Anforderungsmanagement, IT-Systemlandschaft und direkten Anbieterkontakt bis zur gewichteten Entscheidung zusammen.