Cloud-MES oder On-Premise: Latenz, Datenhoheit und Kosten im Vergleich
Ein Manufacturing Execution System (MES) steuert und dokumentiert die Fertigung zwischen ERP und Maschine. Ob es im eigenen Rechenzentrum, beim Hosting-Partner oder als Cloud-Dienst läuft, entscheidet über die Antwortzeit am Werkerterminal, darüber wer administrativen Zugriff auf Ihre Produktionsdaten hat, und über die Kostenkurve der nächsten fünf Jahre. Diese Seite trennt vier Betriebsmodelle, die im DACH-Markt alle als Cloud vermarktet werden, benennt die Funktionen mit harter Latenzanforderung und liefert einen kumulierten Fünf-Jahres-Vergleich auf Basis von Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022.
Die Frage lautet nicht Cloud oder nicht.
Sie lautet: welches der vier Modelle?
„Cloud oder On-Premise“ ist eine Vereinfachung, die im Angebotsvergleich regelmäßig zu Missverständnissen führt. Im DACH-Markt existieren vier klar unterscheidbare Betriebsmodelle. Sie unterscheiden sich darin, wer die Infrastruktur betreibt, wer über den Update-Termin entscheidet, wo die Daten physisch liegen und wie abgerechnet wird. Zwei davon werden häufig als Cloud vermarktet, obwohl sie technisch eine dedizierte Installation an fremdem Ort sind.
| Modell | Wer betreibt | Wer aktualisiert | Datenort | Typisches Kostenmodell |
|---|---|---|---|---|
| On-Premise im eigenen Rechenzentrum On-Premise |
Ihre IT. Server, Virtualisierung, Betriebssystem, Datenbank, Backup und Monitoring liegen vollständig in Ihrer Verantwortung. | Sie. Release-Wechsel werden mit dem Hersteller terminiert und in Ihrem Wartungsfenster eingespielt. Ein Release-Stand kann bewusst übersprungen werden. | Im eigenen Haus oder im eigenen angemieteten Rack. Physischer Zugriff ausschließlich durch Ihr Personal. | Einmalige Lizenz plus jährliche Softwarepflege, üblich sind 16 bis 22 Prozent der Lizenzsumme pro Jahr. Hardware und Datenbanklizenzen kommen getrennt hinzu. |
| Gehostetes On-Premise beim Dienstleister Hosting |
Ein Hosting-Partner oder der MES-Hersteller selbst, auf gemieteter Infrastruktur. Die Anwendungsinstanz ist dediziert und gehört Ihnen allein. | Meist Sie in Abstimmung mit dem Betreiber. Der Release-Stand bleibt frei wählbar, das Einspielen übernimmt der Partner. | Im Rechenzentrum des Partners. Der Ort ist vertraglich festzulegen, sonst bleibt er offen. | Monatliche Betriebspauschale nach Servern, virtuellen Maschinen und Speicher, dazu weiterhin Lizenz und Softwarepflege. Häufig als „Cloud“ ausgewiesen. |
| Echte Cloud als Single-Tenant Cloud |
Der Hersteller in seiner eigenen Cloud-Umgebung, üblicherweise auf einer Hyperscaler-Plattform. Je Kunde eine eigene Anwendungsinstanz. | Der Hersteller, innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters. Sie wählen in der Regel den Termin innerhalb dieses Fensters, nicht aber den Release-Stand. | In der vom Hersteller gewählten Cloud-Region. Eine Region in Deutschland oder der EU ist meist wählbar, aber nicht automatisch gesetzt. | Subskription nach Nutzern, Maschinen oder Modulen. Betrieb, Backup und Update sind eingeschlossen, Implementierung nicht. |
| Echte Cloud als Multi-Tenant-SaaS SaaS |
Der Hersteller. Mehrere Kunden teilen sich dieselbe Anwendungsinstanz, getrennt wird logisch über Mandanten. | Der Hersteller, für alle Mandanten gleichzeitig. Ein Update lässt sich nicht verschieben und nicht überspringen. | In der Cloud-Region des Herstellers. Kundendaten liegen in gemeinsamen Datenbankstrukturen mit logischer Trennung. | Subskription nach Nutzern, Maschinen oder Transaktionen. Niedrigster Einstiegspreis, geringste Eingriffstiefe bei Anpassungen. |
Woran Sie gehostetes On-Premise von echter Cloud unterscheiden. Der Begriff „Cloud“ ist nicht geschützt, und viele Anbieter verwenden ihn für eine gemietete Einzelinstanz. Vier Prüfungen trennen die Modelle zuverlässig, ohne dass Sie Architekturunterlagen lesen müssen.
1. Die Preisliste. Steht dort weiterhin eine Lizenzsumme plus Softwarepflege und daneben eine Betriebspauschale, ist es gehostetes On-Premise. Echte Cloud wird als eine Subskription abgerechnet, in der Nutzungsrecht und Betrieb nicht getrennt sind.
2. Der Update-Prozess. Wenn Sie einen Release-Stand überspringen dürfen, betreiben Sie eine Einzelinstanz. In einer Multi-Tenant-Umgebung ist das technisch ausgeschlossen.
3. Die Skalierung. Fragen Sie, was passiert, wenn Sie in drei Monaten 40 zusätzliche Maschinen anbinden. Muss dafür eine virtuelle Maschine bestellt und ein Wartungsfenster geplant werden, ist es Hosting. Wird lediglich die Abrechnung angepasst, ist es Cloud.
4. Die Vertragsstruktur. Ein gehostetes Modell hat meist zwei Verträge, einen Softwareüberlassungsvertrag und einen Betriebsvertrag, oft mit unterschiedlichen Laufzeiten und Kündigungsfristen. Prüfen Sie beide gemeinsam, sonst kündigen Sie den Betrieb und behalten die Pflegekosten.
Keines der vier Modelle ist grundsätzlich das bessere. Gehostetes On-Premise ist die sinnvolle Wahl für Betriebe, die volle Kontrolle über den Release-Stand behalten wollen, aber keine eigene Serverlandschaft betreiben möchten. Multi-Tenant-SaaS ist der schnellste und günstigste Einstieg, kostet aber Gestaltungsspielraum bei Anpassungen und Update-Terminen. Wie sich die Modelle in eine bestehende Systemlandschaft aus ERP, SCADA und MOM einfügen und welche Begriffe dabei häufig vermischt werden, ist im MES-Glossar nachgeschlagen.
Nicht das MES braucht kurze Wege.
Nur ein Teil seiner Funktionen.
Latenz ist das Argument, mit dem Cloud-Modelle am häufigsten abgelehnt werden, meist pauschal und ohne Funktionsbezug. Tatsächlich hat ein MES zwei sehr unterschiedliche Klassen von Funktionen: solche, die im Takt der Maschine oder der Handbewegung antworten müssen, und solche, bei denen zwei Sekunden niemandem auffallen. Wer beide Klassen sauber trennt, kann den größten Teil des Systems in die Cloud legen und trotzdem am Terminal reaktionsschnell bleiben.
Funktionen, die unter einer Sekunde antworten müssen
Diese Funktionen stehen im direkten Takt von Mensch oder Maschine. Wird die Antwort spürbar langsamer, weichen die Werker aus, quittieren im Block am Schichtende oder führen wieder Zettel. Die Datenqualität bricht dann nicht durch einen technischen Fehler ein, sondern durch Umgehung.
- Werkerrückmeldung am Terminal. Auftrag starten, unterbrechen, Gutmenge und Ausschuss buchen. Jede Buchung ist eine Interaktion im Sekundenbereich, oft mit Handschuhen an einem Touchpanel.
- Sperrlogik bei Prüfergebnis. Fällt eine Messung aus der Toleranz, muss die Charge gesperrt sein, bevor das nächste Teil den Arbeitsplatz verlässt. Verzögerung bedeutet hier ausgeschleuste Ware.
- Maschinendatenerfassung im Sekundentakt. Zykluszeiten, Stückzähler und Störgründe fallen kontinuierlich an. Die Erfassung selbst darf keine Lücke haben, auch wenn die Auswertung später erfolgt.
- Werkzeug- und Rezeptfreigabe. Das Rüsten wartet auf die Freigabe. Jede Sekunde Wartezeit fällt direkt in die Rüstzeit.
Funktionen, denen zwei Sekunden nichts ausmachen
Hier ist der Nutzer nicht im Takt gebunden. Er ruft eine Information ab, plant, dokumentiert oder wertet aus. Ein Seitenaufbau in ein bis zwei Sekunden gilt in diesen Fällen als normal und wird nicht als Störung wahrgenommen.
- Auswertung und Reporting. OEE-Berichte, Schichtauswertungen, Ausschussanalysen. Diese Abfragen laufen ohnehin gegen aggregierte Daten und dauern selbst auf lokalen Servern länger als eine Sekunde.
- Feinplanung und Umplanung. Ein Planungslauf über mehrere Tausend Vorgänge braucht Rechenzeit, nicht kurze Wege. In der Cloud steht dafür meist mehr Rechenleistung bereit als im eigenen Rack.
- Stammdatenpflege. Arbeitspläne, Prüfpläne, Materialstämme. Zugriff durch wenige Anwender im Büro, keine Taktbindung.
- Dashboards und Andon-Anzeigen. Eine Aktualisierung im Intervall von 10 bis 60 Sekunden ist üblich und ausreichend.
Wie Edge-Komponenten die Lücke schließen
Moderne Cloud-MES-Architekturen lösen den Konflikt nicht durch schnellere Leitungen, sondern durch Verlagerung. Ein lokaler Edge-Dienst am Standort übernimmt genau die Funktionen aus Spalte 1 und synchronisiert asynchron mit der Cloud. Damit wird die Netzstrecke aus dem kritischen Pfad genommen.
Der Edge-Knoten spricht maschinenseitig meist OPC UA nach IEC 62541, puffert die Rohdaten lokal und hält die Terminaloberfläche auch dann bedienbar, wenn die Verbindung zur Cloud abreißt. Nach dem Wiederaufbau werden die gepufferten Ereignisse mit ihrem ursprünglichen Zeitstempel nachgeliefert.
- Prüfen Sie, welche Funktionen der Edge-Dienst tatsächlich offline beherrscht. „Puffert Daten“ heißt nicht „Terminal bleibt bedienbar“.
- Prüfen Sie die Pufferdauer in Stunden und die Ereignismenge, ab der der Puffer überläuft.
- Prüfen Sie, ob Zeitstempel bei der Nachlieferung erhalten bleiben. Andernfalls sind Schichtauswertung und Rückverfolgbarkeit nach jedem Verbindungsabriss verfälscht.
- Prüfen Sie, wer den Edge-Knoten patcht. Er steht im OT-Netz und fällt damit in den Geltungsbereich von IEC 62443.
Der praktische Test vor der Entscheidung. Lassen Sie sich die Latenz nicht zusichern, sondern messen Sie sie. Setzen Sie ein Terminal an den lautesten Ort der Halle, dort wo die WLAN-Ausleuchtung am schlechtesten ist, und lassen Sie eine Werkerin 50 reale Buchungen in Folge durchführen. Gemessen wird nicht der Ping zum Rechenzentrum, sondern die Zeit vom Fingertipp bis zur sichtbaren Bestätigung. Diese Zeit enthält Netz, Anwendung, Datenbank und Oberflächenaufbau, und nur sie entscheidet über die Akzeptanz.
In der Praxis ist die letzte Strecke der Engpass, nicht die Cloud-Anbindung. Ein schlecht ausgeleuchtetes Hallen-WLAN, eine überlastete Switch-Kaskade oder ein Terminal mit schwacher Hardware kosten regelmäßig mehr Zeit als die gesamte Wegstrecke zu einem Rechenzentrum in Frankfurt. Wer SCADA-Funktionen in ein MES überführt, sollte die Netzinfrastruktur der Halle im selben Projekt betrachten.
Edge vor Ort, Auswertung in der Cloud.
Wer übernimmt welche Funktion?
Die Architektur, für die sich Fertigungsunternehmen im DACH-Raum in Auswahlprojekten am häufigsten entscheiden, ist weder reine Cloud noch reines On-Premise. Ein lokaler Edge-Knoten übernimmt die taktgebundenen Funktionen, die Cloud übernimmt Speicherung, Auswertung und Planung. Dieser Abschnitt teilt die MES-Funktionen konkret auf beide Seiten auf, beschreibt Schritt für Schritt, was bei einem Verbindungsverlust geschieht, und rechnet vor, wie viel Datenmenge lokal gepuffert werden muss.
| MES-Funktion | Auf dem Edge-Knoten vor Ort | In der Cloud | Bei Verbindungsverlust |
|---|---|---|---|
| Werkerrückmeldung und BDE | Vollständig. Auftragsstart, Unterbrechung, Gut- und Ausschussmenge, Personalzeiten. | Ablage, Verdichtung und Auswertung der Buchungen. | Läuft weiter Buchen bleibt möglich, die Buchungen gehen in den lokalen Puffer. |
| Maschinendatenerfassung, MDE | Signalerfassung über OPC UA nach IEC 62541, Vorverdichtung, Zuordnung von Störgründen. | Langzeitarchiv, Trendanalyse, Kennzahlenberechnung. | Läuft weiter Lückenlose Erfassung, Werte werden gepuffert. |
| Sperrlogik bei Prüfergebnis | Regelauswertung und Setzen des Sperrkennzeichens am Arbeitsplatz. | Pflege der Regeln, Auswertung der Sperrfälle, Freigabeworkflow. | Bedingt Greift nur, wenn die Regel lokal repliziert ist. Genau das ist zu prüfen. |
| Auftragsvorrat und Reihenfolge | Der freigegebene Vorrat der laufenden und der nächsten Schicht liegt lokal vor. | Planung, Freigabe, Umplanung, Priorisierung. | Zeitlich begrenzt Läuft, bis der lokale Vorrat abgearbeitet ist. Die Vorhaltezeit in Stunden ist die entscheidende Kennzahl. |
| Werkzeug- und Rezeptfreigabe | Freigabekennzeichen und gültige Parametersätze werden lokal vorgehalten. | Pflege der Rezepte, Versionsstände, Freigabehistorie. | Zeitlich begrenzt Rüsten läuft mit den lokal gültigen Sätzen. Neue Versionen kommen nicht durch. |
| Qualitätsprüfung und Messwerterfassung | Prüfauftrag, Messwerteingabe, Bindung an das Prüfmittel. | SPC-Auswertung, Regelkarten, Audit-Trail-Archiv. | Teilweise Erfassen läuft, die statistische Auswertung nicht. |
| Traceability und Chargenverfolgung | Verknüpfung von Charge, Material und Arbeitsgang im Moment der Buchung. | Abfrage über Standorte und Zeiträume, Rückrufauskunft, Archiv. | Teilweise Die Aufzeichnung läuft, die Auskunft steht still. |
| Feinplanung und APS | Nicht sinnvoll. Rechenintensiv und nicht taktgebunden. | Vollständig, inklusive Simulation und Szenarienvergleich. | Steht still Ohne unmittelbare Betriebsfolge, solange Vorrat da ist. |
| Auswertung, OEE, Reporting | Höchstens eine Andon-Anzeige der laufenden Schicht aus lokalen Daten. | Vollständig, über Schichten, Linien und Standorte hinweg. | Steht still Ohne unmittelbare Betriebsfolge. |
| Stammdaten, Benutzer, Rollen | Lesender Zwischenspeicher der aktiven Konten und Berechtigungen. | Pflege und Verteilung, Anbindung an das Verzeichnis des Unternehmens. | Bedingt Anmeldung mit zwischengespeicherten Konten möglich, neue Benutzer nicht anlegbar. |
| Schnittstelle zum ERP | Ausgangswarteschlange für Rückmeldungen und Verbrauchsbuchungen. | Übergabe, Quittierung, Fehlerbehandlung. | Läuft weiter Rückmeldungen stauen sich in der Warteschlange, gehen aber nicht verloren. |
Sechs Schritte vom Verbindungsabriss bis zum abgeglichenen Datenstand
Der Abriss wird erkannt
Der Edge-Dienst stellt fest, dass die Cloud-Gegenstelle nicht mehr antwortet. Wie lange das dauert, hängt vom Keepalive-Intervall und der Zahl der Wiederholungsversuche ab. Lassen Sie sich beide Parameter nennen, denn in dieser Zeitspanne kann die Oberfläche bereits hängen.
Parameter: Keepalive und WiederholungenUmschaltung in den Inselbetrieb
Die Terminals werden auf den lokalen Dienst gelenkt. Sauber umgesetzt geschieht das ohne Neuanmeldung und ohne Verlust der offenen Eingabe. Prüfen Sie genau das, denn viele Umsetzungen werfen den Werker in den Anmeldedialog zurück und die halb erfasste Buchung ist verloren.
Unterbrechungsfrei oder gar nichtWeiterbetrieb aus dem lokalen Vorrat
Gebucht, erfasst und gesperrt wird weiter. Was fehlt, ist alles, was neue Freigaben, Planungsergebnisse oder Stammdatenänderungen braucht. Die Fertigung läuft damit so lange, wie der freigegebene Auftragsvorrat reicht.
Grenze: Vorhaltezeit in StundenPufferung mit Originalzeitstempel
Jedes Ereignis wird lokal mit dem Zeitpunkt seines Entstehens abgelegt, nicht mit dem Zeitpunkt der späteren Übertragung. Die Warteschlange ist in vielen Systemen auf eine feste Zahl von Datensätzen konfiguriert und nicht auf Gigabyte. Lassen Sie sich diese Zahl nennen.
Grenze in Datensätzen, nicht in GigabyteWiederverbindung und Nachlieferung
Der Edge-Dienst überträgt in Ereignisreihenfolge nach. Entscheidend ist die Idempotenz: Eine doppelt übertragene Buchung darf nicht zu doppelter Menge führen. Fragen Sie, über welches Merkmal das System eine Wiederholung erkennt.
Idempotenz schriftlich zusichern lassenAbgleich und Nachbearbeitung
Konflikte entstehen, wenn in der Ausfallzeit auf der Cloud-Seite disponiert oder korrigiert wurde. Klären Sie vor der Einführung, welche Seite in welchem Fall gewinnt und wer die verbleibenden Fälle sichtet. Ohne benannte Rolle bleibt diese Liste liegen.
Verantwortliche Rolle benennenWie viel lokal gepuffert werden muss, nachgerechnet. Angenommen 60 angebundene Maschinen mit je 12 erfassten Signalen und einer Abtastung von einem Wert pro Sekunde. Das ergibt 720 Werte pro Sekunde und 2,59 Millionen Werte pro Stunde. Bei 40 Byte je Rohsatz aus Signalkennung, Zeitstempel, Wert und Qualitätskennzeichen sind das rund 104 Megabyte pro Stunde oder 2,5 Gigabyte pro Tag. Mit der bei Zeitreihen üblichen Kompression um den Faktor vier bis acht bleiben 300 bis 620 Megabyte pro Tag. Die Werkerbuchungen fallen daneben kaum ins Gewicht: 85 Terminals mit je 40 Buchungen in zwei Schichten ergeben 6.800 Buchungen, bei einem Kilobyte je Buchung sind das 7 Megabyte pro Tag.
Warum der Plattenplatz nie der Engpass ist. Ein Edge-Knoten mit 128 Gigabyte nutzbarem Speicher puffert diese Datenmenge rechnerisch rund 50 Tage unkomprimiert. Begrenzend sind drei andere Größen. Erstens die Warteschlange der Anwendung, die häufig auf eine feste Zahl von Datensätzen begrenzt ist und lange vor der Platte überläuft. Zweitens die Vorhaltezeit des freigegebenen Auftragsvorrats, denn ohne neue Freigaben steht die Fertigung, auch wenn der Puffer noch fast leer ist. Drittens die Nachlieferung selbst: 2,5 Gigabyte Rückstand entsprechen bei 50 Mbit/s Upload rund sieben Minuten reiner Übertragungszeit, in der Praxis begrenzt aber die Aufnahmerate der Cloud-Seite und nicht die Leitung. Fragen Sie deshalb nach der Nachliefergeschwindigkeit in Datensätzen pro Sekunde, nicht nach der Bandbreite.
Wo diese Architektur nicht passt. Wenn die Fertigung ohne laufende Umplanung nicht auskommt, etwa bei Auftragsfertigung mit stündlich wechselnden Prioritäten, hilft ein Edge-Knoten wenig: Der lokale Vorrat ist dann nach kurzer Zeit wertlos. Ebenso wenig hilft er, wenn jede Halle einen eigenen Knoten braucht und die Zahl der zu patchenden Geräte damit über der Zahl der eingesparten Server liegt. In beiden Fällen ist ein lokal betriebenes System oder gehostetes On-Premise die ehrlichere Antwort.
Die Rechnung ist ein Modell mit offengelegten Annahmen, kein Herstellerwert. Setzen Sie Ihre eigene Maschinenzahl, Signalzahl und Abtastrate ein, die Struktur bleibt gleich. Wie die maschinenseitige Anbindung technisch aufgebaut wird, beschreibt OPC UA für MES; welche Aufgabe auf welcher Systemebene liegt, ordnet MES, ERP, SCADA und MOM ein; die Erfassungsseite selbst beschreibt MDE und BDE im MES.
Die Leitung ins Rechenzentrum ist selten das Problem.
Die Leitung in die Halle schon.
Cloud-Entscheidungen scheitern in der Praxis fast nie an zu wenig Bandbreite. Sie scheitern an einer einzigen Anbindung ohne Rückfallweg, an einem Hallen-WLAN, das nie für dauerhaft angemeldete Terminals ausgelegt wurde, und an einer Ausfallstatistik, die niemand angesehen hat. Dieser Abschnitt nennt die Werte, die ein Fertigungsstandort erfüllen muss, sagt wie Sie jeden davon ohne Projekt messen, und beziffert die drei Redundanzstufen.
| Anforderung | Zielwert für die Beispielkonstellation | Wie Sie das ohne Projekt prüfen |
|---|---|---|
| Upload zum Rechenzentrum | < 1 Mbit/s 60 Maschinen mit 720 Werten pro Sekunde erzeugen bei 40 Byte je Satz rund 0,23 Mbit/s netto. Mit Protokoll- und Verschlüsselungsaufwand bleibt es unter einem Megabit. |
Rechnen Sie mit Ihrer eigenen Signalzahl nach. Bandbreite ist bei Maschinendaten fast nie der Engpass, deshalb ist eine hohe Zusage kein Qualitätsmerkmal. |
| Download für Terminaloberflächen | 2 – 6 Mbit/s 85 gleichzeitige Terminalsitzungen mit Buchungsmasken. Der Ausschlag entsteht beim Schichtwechsel, wenn alle Terminals zugleich laden. |
Testen Sie in der Minute des Schichtwechsels, nicht mittags. Der Spitzenwert entscheidet, nicht der Durchschnitt. |
| Roundtrip-Laufzeit zum Rechenzentrum | < 30 ms Aus dem deutschen Festnetz zu einem Rechenzentrum in Deutschland liegt die Laufzeit typischerweise deutlich darunter. Über einen Mobilfunk-Rückfallweg steigt sie spürbar. |
Messen Sie vom Hallennetz aus, nicht aus dem Büro. Wiederholen Sie die Messung im Rückfallbetrieb, sonst kennen Sie nur den guten Fall. |
| Paketverlust auf der Strecke | < 0,1 % Verlorene Pakete werden erneut gesendet. Schon geringe Verlustraten machen aus einer Antwortzeit unter einer Sekunde eine über zwei. |
Dauermessung über eine volle Woche statt Stichprobe. Verlust tritt lastabhängig auf und ist mittags um zwölf unsichtbar. |
| Verfügbarkeit der Standortanbindung | Belegt statt zugesagt Entscheidend ist nicht die Prozentzahl im Vertrag, sondern die tatsächliche Ausfallhistorie und die Dauer des längsten Einzelausfalls. |
Fordern Sie von Ihrer IT die Ausfallstatistik der letzten 24 Monate an, mit Zahl und Dauer der Ereignisse. Diese Liste existiert fast immer und wird fast nie gelesen. |
| Wiederherstellzeit des Providers | Vertraglich fixiert Eine Entstörung innerhalb von acht Stunden an Werktagen ist bei Standard-Geschäftsanschlüssen üblich. Für eine Fertigung im Zwei-Schicht-Betrieb ist das eine ganze Schicht. |
Lesen Sie im Providervertrag die Entstörzeit und die Servicezeiten. Beide Werte zusammen ergeben den realen Worst Case, nicht die Verfügbarkeitszusage. |
| WLAN-Ausleuchtung in der Halle | Lückenlos im Fahrweg Ein Wechsel zwischen zwei Access Points liegt mit Fast Transition nach IEEE 802.11r im Bereich weniger Zehntelsekunden. Ohne sie und mit vollständiger Neuanmeldung nach IEEE 802.1X kann er mehrere Sekunden dauern. |
Lassen Sie eine Ausleuchtungsmessung im Betriebszustand machen, mit laufenden Maschinen und beladenen Regalen. Eine leere Halle misst ein anderes Netz. |
| Trennung von OT- und IT-Netz | Zonen und Übergänge Der Edge-Knoten steht am Übergang zwischen Maschinennetz und Internet und ist damit ein sicherheitsrelevantes Element im Sinne der IEC 62443. |
Lassen Sie sich den Netzplan mit Zonen und Übergängen zeigen. Existiert er nicht, ist das der erste Arbeitspunkt, unabhängig vom Betriebsmodell. |
Drei Redundanzstufen, und was sie über fünf Jahre kosten
Eine Leitung, ein Provider
Der Normalzustand an vielen Industriestandorten. Ohne lokale Edge-Komponente steht bei einem Leitungsausfall die gesamte Fertigungssteuerung, nicht nur die Auswertung.
- Zusätzliche Kosten über fünf Jahre: keine
- Risiko: ein Baggerschaden im Gewerbegebiet legt die Schicht still
- Vertretbar nur bei überwiegend planender Nutzung ohne taktkritische Terminals
Zweiter Provider oder Mobilfunk
Ein zweiter Anschluss bei einem anderen Anbieter, oder ein Mobilfunk-Rückfallweg mit automatischer Umschaltung. Wichtig ist die physische Trennung: Zwei Verträge auf demselben Kabel im selben Graben sind ein Weg, nicht zwei.
- 12.000 bis 30.000 Euro über fünf Jahre, siehe Kostentabelle weiter unten
- Fragen Sie den Provider nach der Trassenführung, nicht nach dem Produktnamen
- Die Umschaltung ist regelmäßig zu testen, sonst ist sie eine Annahme
Edge-Knoten statt Leitungsredundanz
Statt die Leitung zu verdoppeln, wird die Abhängigkeit von ihr aufgehoben. Ein Ausfall stoppt dann nicht die Produktion, sondern verzögert nur die Synchronisation mit der Cloud.
- 8.000 bis 25.000 Euro über fünf Jahre für Hardware und Lizenz je Halle oder Linie
- Löst zusätzlich das Latenzproblem, das eine zweite Leitung nicht löst
- Erzeugt eigenen Aufwand: Der Knoten muss gepatcht und überwacht werden
Was ein Ausfall wirklich kostet, in zwei Zeilen gerechnet. Ein Zwei-Schicht-Betrieb mit 85 Shopfloor-Terminals verliert bei einem vierstündigen Ausfall ohne lokale Komponente zweierlei, und beides ist getrennt zu rechnen. Erstens den Produktionsausfall, sofern ohne Auftragspapiere nicht weitergearbeitet werden kann: Setzen Sie hier Ihren eigenen Deckungsbeitrag je Stunde an, nicht den Umsatz. Zweitens den Nacherfassungsaufwand für die Buchungen, die auf Papier entstanden sind: Rechnen Sie mit 5 bis 15 Minuten je betroffenem Werker und Schicht, bei 85 Werkern also mit sieben bis 21 Stunden Nacherfassung. Der zweite Posten wird regelmäßig unterschätzt, weil er nicht als Ausfall gebucht wird, sondern als Überstunden.
Wann Cloud am Netz scheitert, ohne dass es an der Cloud liegt. Drei Konstellationen sprechen belastbar gegen ein Cloud-MES ohne lokale Komponente: ein Standort mit nur einem Anbieter und ohne belastbaren Mobilfunkempfang, eine Ausfallhistorie mit mehreren mehrstündigen Ereignissen in 24 Monaten, und eine durchlaufende Fertigung, in der auch nachts und am Wochenende gebucht wird, während der Providervertrag nur Servicezeiten an Werktagen kennt. In allen drei Fällen ist die Antwort nicht zwingend On-Premise, sondern zuerst ein Edge-Knoten, und erst wenn auch das nicht trägt, ein lokal betriebenes System.
Die Kostenspannen dieses Abschnitts stammen aus denselben Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022 wie der Fünf-Jahres-Vergleich weiter unten. Wie sich schlechte Netzverhältnisse auf ein Umbauprojekt auswirken, ist unter SCADA durch MES ersetzen beschrieben; die Anforderungen an kleinere Standorte stehen unter MES für den Mittelstand.
Sechs Fragen zur Datenhoheit
Bevor Sie sich für ein MES entscheiden, sollten diese sechs Fragen geklärt sein – unabhängig vom gewählten Betriebsmodell.
Wem gehören die Rohdaten?
Klären Sie vertraglich, ob Maschinen- und Prozessdaten im Eigentum des Betreibers verbleiben oder ob der Anbieter Nutzungsrechte beansprucht. Bei Cloud-Lösungen ist dies oft in den AGB versteckt.
Wo werden Daten physisch gespeichert?
Serverstandort entscheidet über anwendbares Recht. EU-Standort (idealerweise Deutschland) reduziert Risiken bei Cloud Act oder vergleichbaren Zugriffsregelungen aus Drittstaaten.
Wie erfolgt der Export im Exit-Fall?
Fordern Sie eine vertragliche Exit-Klausel mit definierten Formaten (CSV, SQL-Dump, API-Export), Fristen und ohne Zusatzkosten. Ohne diese Klausel drohen Lock-in-Situationen.
Wer hat administrativen Zugriff?
Prüfen Sie, ob der Anbieter Remote-Zugriff auf Produktivsysteme benötigt und wie dieser protokolliert wird. Zugriffsprotokolle sollten für Audits einsehbar sein.
Wie werden Backups gehandhabt?
Klären Sie Backup-Frequenz, Aufbewahrungsfristen und ob Sie eigene Kopien der Backups erhalten können – unabhängig vom laufenden Vertrag.
Gibt es Sub-Processing durch Dritte?
Cloud-Anbieter nutzen oft Sub-Processor (z. B. Hyperscaler wie AWS, Azure). Diese müssen im Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) namentlich gelistet und DSGVO-konform sein.
Praxistipp: Lassen Sie sich die Exit-Klausel und den Datenexport-Prozess vor Vertragsunterschrift schriftlich und im Detail bestätigen – mündliche Zusagen zählen im Streitfall nicht.
Weiterführend: MES wechseln – Migration und MES-Lastenheft erstellen.
Datenhoheit ist kein Gefühl.
Sie steht in vier Dokumenten.
Ein Manufacturing Execution System verarbeitet Beschäftigtendaten, sobald eine Rückmeldung einem Werkerausweis zugeordnet wird. Damit gilt die Datenschutz-Grundverordnung, und zwar unabhängig davon, ob das System im eigenen Serverraum oder bei einem Betreiber läuft. Was sich zwischen den Betriebsmodellen unterscheidet, ist nicht die Rechtslage, sondern die Zahl der Dokumente, die Sie brauchen, und die Frage, wen Sie kontrollieren müssen. Die folgenden vier Dokumente entscheiden über die Datenhoheit; die Tabelle darunter trennt, was sich zwischen Cloud und On-Premise tatsächlich unterscheidet und was nicht.
Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO
Sobald ein Betreiber personenbezogene Daten für Sie verarbeitet, brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Artikel 28 Absatz 3 zählt seinen Pflichtinhalt auf: Gegenstand, Dauer, Art und Zweck der Verarbeitung, Art der Daten, Kategorien betroffener Personen, Weisungsbindung, Vertraulichkeitsverpflichtung des Personals, technische und organisatorische Maßnahmen nach Artikel 32, Regeln für Unterauftragsverarbeiter, Unterstützung bei Betroffenenrechten, Löschung oder Rückgabe nach Vertragsende sowie Nachweis- und Kontrollrechte. Ein Standardformular des Anbieters erfüllt das meist formal. Prüfen Sie drei Punkte inhaltlich: die Anlage mit den Unterauftragsverarbeitern, die Frist für die Information bei deren Wechsel, und ob Ihr Widerspruchsrecht ein echtes Kündigungsrecht auslöst oder ins Leere läuft.
Nachweis für Übermittlungen in Drittländer, Kapitel V DSGVO
Verlässt ein Datum den Europäischen Wirtschaftsraum, greifen die Artikel 44 bis 50. Zulässig ist die Übermittlung entweder auf Grundlage eines Angemessenheitsbeschlusses nach Artikel 45 oder mit geeigneten Garantien nach Artikel 46, in der Praxis über die EU-Standardvertragsklauseln aus dem Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914 der Europäischen Kommission vom 4. Juni 2021, ergänzt um eine Bewertung der Rechtslage im Empfängerland. Für Empfänger in den Vereinigten Staaten besteht seit dem Angemessenheitsbeschluss der Kommission vom 10. Juli 2023 das EU-US Data Privacy Framework; es gilt nur für Empfänger, die in der Liste des US-Handelsministeriums zertifiziert geführt werden. Lassen Sie sich die Zertifizierung des konkreten Vertragspartners nachweisen, nicht die eines Konzernbereichs. Der praktisch häufigste Übermittlungsfall ist übrigens nicht der Speicherort, sondern ein Second-Level-Support, der zur Fehleranalyse auf Produktivdaten zugreift.
Rechtsgrundlage für die Beschäftigtendaten
Artikel 88 DSGVO erlaubt den Mitgliedstaaten spezifischere Regeln für die Verarbeitung im Beschäftigungskontext; in Deutschland ist das § 26 Bundesdatenschutzgesetz. Der Europäische Gerichtshof hat mit Urteil vom 30. März 2023 in der Rechtssache C-34/21 entschieden, dass eine nationale Vorschrift diesen Rang nur beanspruchen kann, wenn sie die in Artikel 88 Absatz 2 verlangten Schutzmaßnahmen enthält, und nicht bloß die ohnehin geltende Erforderlichkeitsprüfung wiederholt. Praktische Folge für ein MES-Projekt: Stützen Sie die Verarbeitung nicht allein auf eine Norm, sondern auf eine Betriebsvereinbarung, die selbst als Kollektivvereinbarung im Sinne von Artikel 88 dienen kann, wenn sie Zweckbindung, Auswertungsgrenzen, Aufbewahrungsfristen und Transparenz konkret regelt. Zu prüfen sind außerdem der Eintrag im Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten nach Artikel 30 und die Frage, ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Artikel 35 erforderlich ist.
Betriebsvereinbarung nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG
Der Betriebsrat hat mitzubestimmen bei Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts genügt dafür die objektive Eignung zur Überwachung; eine Überwachungsabsicht ist nicht erforderlich. Ein MES mit personenbezogener Rückmeldung erfüllt das regelmäßig. Dieser Punkt unterscheidet sich zwischen Cloud und On-Premise gerade nicht, wohl aber sein Inhalt: In der Cloud gehören die Liste der Unterauftragsverarbeiter, die Speicherorte und der vereinbarte Exportumfang als Anlagen in die Vereinbarung, weil der Betriebsrat sonst über etwas mitbestimmt, dessen Verarbeitungskette er nicht kennt. Das Vorgehen und die typischen Streitpunkte sind unter Betriebsrat und MES-Einführung beschrieben.
Was sich rechtlich tatsächlich unterscheidet, und was nicht
| Pflicht oder Risiko | On-Premise im eigenen Rechenzentrum | Cloud oder gehostetes On-Premise |
|---|---|---|
| Auftragsverarbeitungsvertrag | Bei reiner Softwareüberlassung ohne Datenzugriff nicht erforderlich. Sobald der Hersteller Fernwartung mit Zugriff auf Produktivdaten leistet, ist er erforderlich. | Immer erforderlich, mit vollständiger Anlage der Unterauftragsverarbeiter und Regelung für deren Wechsel. |
| Speicherort | Ergibt sich aus dem eigenen Standort. Keine gesonderte Vereinbarung nötig. | Ergibt sich aus nichts. Muss als Ort des Primärsystems, der Replikate und der Backups getrennt vereinbart werden. |
| Drittstaatentransfer | Nur relevant, wenn Support aus einem Drittland zugreift. | Relevant über Speicherort, Unterauftragsverarbeiter und Support. Nachweis über Angemessenheitsbeschluss oder Standardvertragsklauseln. |
| Technische Maßnahmen nach Artikel 32 | Sie setzen sie um und dokumentieren sie selbst. Sie tragen auch das Risiko, wenn sie fehlen. | Der Betreiber setzt sie um, Sie bleiben verantwortlich. Nachweis über Zertifikate mit einsehbarem Geltungsbereich und Prüfberichte. |
| Meldung von Datenschutzverletzungen | Sie erkennen den Vorfall selbst und melden ihn nach Artikel 33 innerhalb von 72 Stunden ab Kenntnis. | Sie sind auf die Meldung des Betreibers angewiesen. Artikel 33 Absatz 2 verpflichtet ihn zur unverzüglichen Meldung an Sie. Vereinbaren Sie eine konkrete Stundenfrist. |
| Löschung und Rückgabe | Technisch in Ihrer Hand. Die Datenbank steht im Haus. | Vertragspflicht nach Artikel 28 Absatz 3 Buchstabe g. Zusätzlich zu klären: Verfall der Sicherungsstände und schriftliche Löschbestätigung. |
| Kontroll- und Auditrecht | Uneingeschränkt, weil es Ihr eigenes System ist. | Nach Artikel 28 Absatz 3 Buchstabe h vertraglich. In der Praxis wird es über Zertifikate und Prüfberichte erfüllt, ein Vor-Ort-Audit im Rechenzentrum ist die Ausnahme. |
| Mitbestimmung des Betriebsrats | Identisch Voll mitbestimmungspflichtig nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG. |
Identisch Voll mitbestimmungspflichtig. Zusätzlich gehören Speicherorte und Subunternehmerliste in die Anlagen der Vereinbarung. |
| Rechtsgrundlage für Beschäftigtendaten | Identisch Unabhängig vom Betriebsmodell zu klären, in der Praxis über eine Betriebsvereinbarung nach Artikel 88 DSGVO. |
Identisch Unverändert. Das Betriebsmodell ändert die Rechtsgrundlage nicht, nur die Zahl der Beteiligten. |
Die Kurzfassung für die Projektleitung. Die Cloud macht ein MES-Projekt datenschutzrechtlich nicht schwieriger, sie macht es dokumentationsintensiver. Zwei Punkte, die On-Premise gar nicht stellt, müssen bei Cloud aktiv beantwortet werden: wo die Daten liegen und wer sonst noch an ihnen arbeitet. Zwei weitere Punkte, die häufig der Cloud zugeschrieben werden, gelten in beiden Modellen gleichermaßen: die Mitbestimmung des Betriebsrats und die Rechtsgrundlage für die Verarbeitung von Beschäftigtendaten. Wer diese Trennung im Projekt sauber zieht, spart sich die Diskussion, ob die Cloud erlaubt ist, und führt stattdessen die Diskussion, die geführt werden muss: welche Klauseln in den Vertrag gehören.
Rechtsstand August 2026. Für die Auslegung im konkreten Fall ziehen Sie Ihre Rechtsabteilung hinzu.
Exit und Datenrückgabe
Ein durchdachter Exit-Prozess gehört in jeden MES-Vertrag – unabhängig davon, wie zufrieden Sie mit dem Anbieter aktuell sind.
| Datenart | Export-Format | Typische Frist | Vollständigkeit |
|---|---|---|---|
| Stammdaten (Artikel, Arbeitspläne) | CSV / Excel | Sofort bis 5 Werktage | Vollständig |
| Bewegungsdaten (Fertigungsaufträge) | CSV / SQL-Dump | 5–10 Werktage | Vollständig |
| Maschinendaten (Sensorwerte, Zeitreihen) | CSV / API-Export | 10–20 Werktage | Teilweise |
| Qualitätsdaten (Prüfprotokolle) | PDF / CSV | 5–10 Werktage | Vollständig |
| Konfigurationen (Workflows, Regeln) | JSON / proprietär | 10–30 Werktage | Teilweise |
| Audit-Logs | CSV / TXT | 10–20 Werktage | Teilweise |
| Dokumente (Zeichnungen, Anhänge) | Originalformat | 5–15 Werktage | Vollständig |
| Benutzerkonten und Rechte | CSV | Sofort bis 5 Werktage | Vollständig |
| Reports und Dashboards | PDF / proprietär | 10–20 Werktage | Teilweise |
| Integrationen (Schnittstellenkonfiguration) | Dokumentation | 10–20 Werktage | Teilweise |
| Historische Alarme und Meldungen | CSV | 10–20 Werktage | Teilweise |
On-Premise
Daten liegen physisch im eigenen Rechenzentrum. Export ist technisch jederzeit ohne Anbieter-Beteiligung möglich, sofern Datenbankzugriff besteht.
Single-Tenant-Cloud
Eigene Instanz beim Anbieter gehostet. Export erfordert Kooperation des Anbieters, ist aber durch klare Systemgrenzen meist gut standardisierbar.
Multi-Tenant-SaaS
Gemeinsame Infrastruktur mit anderen Kunden. Export erfolgt ausschließlich über bereitgestellte Schnittstellen – volle Abhängigkeit vom Anbieter-Tooling.
Vertragstipp: Verhandeln Sie feste Export-Fristen und -Formate bereits bei Vertragsabschluss – nicht erst im Kündigungsfall, wenn die Verhandlungsposition ungünstiger ist.
Weiterführend: MES wechseln – Migration und MES-Lastenheft erstellen.
Der Preisvergleich kippt selten an der Lizenz.
Er kippt an sechs vergessenen Posten.
Angebotsvergleiche stellen üblicherweise die Einmallizenz der Subskription gegenüber und übersehen dabei, dass beide Modelle Kosten erzeugen, die in keinem MES-Angebot stehen. Auf der On-Premise-Seite sind das Serverhardware samt Ersatzbeschaffung, Betriebssystem- und Datenbanklizenzen, der Serverraum selbst und der interne Administrationsaufwand. Auf der Cloud-Seite sind es die redundante Netzanbindung und die Kosten der Datenrückgabe am Vertragsende. Die folgende Rechnung legt alle sechs offen, kumuliert über fünf Jahre und nennt darunter auch, was sie bewusst nicht enthält.
Offengelegte Annahmen des Rechenbeispiels. Ein Fertigungsunternehmen im DACH-Raum, ein Standort, 120 MES-Nutzer davon 85 am Shopfloor-Terminal, 60 angebundene Maschinen, Zwei-Schicht-Betrieb. Funktionsumfang: BDE, MDE, Feinplanung, Qualitätsbasismodul, ERP-Anbindung. Interner Personalkostensatz 78.000 Euro Vollkosten pro Jahr und Vollzeitäquivalent. Alle Beträge netto in Euro, kumuliert über 60 Monate, nominal addiert und ohne Preisgleitung. Die untere Spaltensumme addiert durchgehend die unteren Werte, die obere durchgehend die oberen; sie beschreiben damit den günstigsten und den ungünstigsten Fall, nicht den wahrscheinlichen.
Erfahrungswerte aus Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022, keine Listenpreise.
| Kostenposition über 5 Jahre | On-Premise, eigenes Rechenzentrum | Cloud, Subskription | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|---|
| Softwarenutzung | 90.000 – 180.000 Einmalige Lizenz, abhängig von Nutzerzahl und Modulumfang. |
150.000 – 330.000 2.500 bis 5.500 Euro monatlich über 60 Monate, Betrieb und Update eingeschlossen. |
Prüfen Sie, ob Maschinenlizenzen getrennt gezählt werden. 60 Maschinen können den Subskriptionspreis mehr treiben als 120 Nutzer. |
| Softwarepflege | 72.000 – 198.000 16 Prozent auf die untere und 22 Prozent auf die obere Lizenzsumme, jeweils pro Jahr über fünf Jahre. |
enthalten Teil der Subskription. |
Die Pflege steigt in vielen Verträgen jährlich indexiert. Lassen Sie sich die Anpassungsklausel zeigen, bevor Sie fünf Jahre hochrechnen. |
| Serverhardware und Ersatzbeschaffung | 18.000 – 40.000 Zwei Hosts für Ausfallsicherheit, Speicher, USV, anteiliger Ersatz im Jahr vier oder fünf. |
0 Beim Betreiber. |
Der Ersatz nach vier bis fünf Jahren fällt genau in den Betrachtungszeitraum und wird fast immer vergessen. Rechnen Sie ihn anteilig ein. |
| Betriebssystem- und Datenbanklizenzen | 12.000 – 45.000 Server-Betriebssystem, Datenbank, Virtualisierung, Backup-Software. |
0 Beim Betreiber. |
Die Spanne ist deshalb so weit, weil manche MES Funktionen voraussetzen, die eine höherwertige Datenbankedition erfordern. Fragen Sie die geforderte Edition schriftlich ab. |
| Serverraum: Strom, Kühlung, Fläche | 6.000 – 16.000 Zwei Hosts mit 600 bis 1.500 Watt Dauerlast ergeben 5.000 bis 13.000 Kilowattstunden im Jahr, dazu Kühlung, USV-Verluste und anteilige Fläche. |
0 Im Betriebspreis enthalten. |
Taucht in Vergleichsrechnungen fast nie auf, weil die Stromrechnung nicht im MES-Projekt landet, sondern im Gebäudebudget. Rechnen Sie mit Ihrem eigenen Arbeitspreis nach. |
| Interner Administrationsaufwand | 78.000 – 156.000 0,2 bis 0,4 Vollzeitäquivalente für Patches, Monitoring, Backup-Kontrolle, Störungsbehebung. |
19.500 – 58.500 0,05 bis 0,15 Vollzeitäquivalente für Benutzerverwaltung, Schnittstellen, Edge-Knoten. |
Der Posten, der Vergleichsrechnungen am häufigsten kippt. Er taucht nicht im Angebot auf, weil er nicht bezahlt, sondern durch vorhandenes Personal getragen wird. |
| Netzwerkanbindung mit Redundanz | 3.000 – 9.000 Nur Hallennetz und interne Verkabelung, keine redundante Außenanbindung nötig. |
12.000 – 30.000 Zweiter Provider oder Mobilfunk-Rückfallweg, Router mit automatischem Umschalten. |
Ohne zweiten Weg hängt bei Cloud-Betrieb die gesamte Fertigungssteuerung an einer einzigen Leitung. Diesen Posten streichen Anbieter aus Kostengründen gern heraus. |
| Backup, Notfallwiederherstellung, Test | 10.000 – 25.000 Sicherungsmedien, Auslagerung, jährlicher Wiederherstellungstest. |
3.000 – 8.000 Im Abo enthalten, Aufwand nur für den eigenen Wiederherstellungstest. |
Auch im Cloud-Modell bleibt der Test Ihre Aufgabe. Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist eine Annahme, kein Backup. |
| Edge-Komponenten am Shopfloor | 0 – 6.000 Meist entbehrlich, weil der Server ohnehin lokal steht. |
8.000 – 25.000 Edge-Knoten je Halle oder Linie, Hardware plus Lizenz. |
Wird in Cloud-Angeboten oft erst in der Feinplanung ergänzt. Fragen Sie die Edge-Position explizit im Erstangebot ab. |
| Release-Wechsel und Updates | 20.000 – 60.000 Zwei größere Release-Wechsel in fünf Jahren, inklusive Test und Nacharbeit an Anpassungen. |
6.000 – 20.000 Nur Regressionstest der eigenen Prozesse nach den Herstellerupdates. |
Bei Cloud entfällt der Aufwand nicht, er verschiebt sich. Sie testen häufiger und in kleineren Schritten, dafür ohne eigene Migrationsprojekte. |
| Datenrückgabe am Vertragsende | 0 Die Datenbank steht im eigenen Haus und bleibt lesbar, auch nach Ende des Pflegevertrags. |
0 – 15.000 Exportläufe, Bereitstellung in einem dokumentierten Format, gegebenenfalls verlängerter Lesezugriff im Parallelbetrieb. |
Steht hier eine Null, weil Sie einen kostenfreien Export samt Testexport vereinbart haben, ist das ein echter Verhandlungserfolg. Ungeregelt ist dieser Posten der teuerste im Vergleich, weil er im Zeitdruck anfällt. |
| Implementierung, Customizing, Schulung | 60.000 – 160.000 Weitgehend modellunabhängig. |
60.000 – 160.000 Weitgehend modellunabhängig. |
Dieser Posten unterscheidet die Modelle kaum. Wer ihn im Cloud-Angebot deutlich niedriger ausgewiesen sieht, sollte den Anpassungsumfang gegenprüfen. |
| Kumuliert über 5 Jahre | 369.000 – 895.000 | 258.500 – 646.500 | Die Spannen überlappen deutlich. Die Modellwahl allein entscheidet nicht über die Kosten, der Funktionsumfang und die Anpassungstiefe tun es. |
Was diese Rechnung bewusst nicht enthält, und in welche Richtung das wirkt. Eine Vergleichsrechnung ohne offengelegte Methode ist ein Werbemittel. Vier Effekte sind hier weggelassen, und zwar nicht zufällig.
Erstens die Abzinsung. Die Tabelle addiert nominal, ein Euro im fünften Jahr zählt so viel wie ein Euro heute. Bei einem Kalkulationszins von 5 Prozent hat eine gleichmäßige Zahlungsreihe über 60 Monate einen Barwertfaktor von rund 0,88, eine Zahlung im Jahr null dagegen 1,00. Weil bei On-Premise im unteren Fall rund 46 Prozent der Summe im ersten Jahr anfallen und bei Cloud im Wesentlichen nur die Implementierung, verschiebt eine Barwertrechnung das Verhältnis um etwa zwei Prozentpunkte zugunsten der Cloud. Die nominale Darstellung ist also die für On-Premise günstigere.
Zweitens die Preisgleitung. Eine übliche Anpassungsklausel von 3 Prozent pro Jahr erhöht die Subskription über fünf Jahre um rund 6 Prozent, also um 9.000 bis 20.000 Euro. Dieselben 3 Prozent auf die On-Premise-Softwarepflege ergeben 4.000 bis 12.000 Euro. Netto verliert Cloud dadurch gut einen Prozentpunkt seines Vorsprungs. Abzinsung und Preisgleitung heben sich damit weitgehend auf, was die nominale Rechnung rechtfertigt, aber nur weil beide weggelassen sind.
Drittens die Bilanzwirkung. Lizenz und Hardware werden aktiviert und über Jahre abgeschrieben, die Subskription ist sofort Aufwand. Das ändert Liquiditätsverlauf und Ergebnis erheblich, die Summe der Auszahlungen aber nicht. Diesen Punkt rechnen Sie mit Ihrer Finanzabteilung, nicht mit dem Anbieter.
Viertens die Kosten eines Stillstands. Sie stehen in keiner der beiden Spalten. Bei On-Premise entstehen sie durch Hardware- und Datenbankausfälle, bei Cloud zusätzlich durch Leitungsausfälle. Genau deshalb steht die Netzredundanz oben als eigene Zeile und nicht in einer Fußnote.
Wie diese Zahlen zu lesen sind. Im Fünf-Jahres-Fenster liegt Cloud in dieser Konstellation meist niedriger, weil die Investition in Hardware, Datenbanklizenzen, Serverraum und Administration entfällt. Das kehrt sich mit zwei Bedingungen um: Wenn Sie eine IT-Mannschaft haben, die das MES ohne zusätzliche Stelle mitbetreibt, sinkt der teuerste On-Premise-Posten deutlich. Und wenn Sie über sieben bis zehn Jahre rechnen statt über fünf, läuft die Subskription weiter, während Lizenz und Hardware bereits bezahlt sind. Beachten Sie zugleich, dass die Spannen überlappen: Eine schlank konfigurierte On-Premise-Lösung ist günstiger als eine breit ausgebaute Cloud-Lösung, und umgekehrt.
Der Rechenschritt, den Sie selbst machen sollten. Nehmen Sie Ihr eigenes Angebot, tragen Sie die zwölf Zeilen oben ein und setzen Sie überall dort eine Null ein, wo der Anbieter keine Zahl liefert. Die Zeilen, die dann leer bleiben, sind Ihre offenen Punkte für das nächste Gespräch. Erfahrungsgemäß bleiben genau die sechs vergessenen Posten leer. Eine vollständige Aufschlüsselung der MES-Kostenblöcke unabhängig vom Betriebsmodell finden Sie unter MES-Kosten und TCO, die Größenabhängigkeit der Spannen ist unter MES für den Mittelstand und für kleinere Betriebe unter MES für KMU unter 50 Mitarbeitende aufgeschlüsselt.
Zehn Kriterien, und wohin
sie jeweils zeigen
Kein einzelnes Kriterium entscheidet die Frage. Gehen Sie die zehn Punkte der Reihe nach durch und notieren Sie je Punkt die Richtung. Wenn sieben oder mehr in dieselbe Richtung zeigen, ist die Entscheidung getroffen. Bei einem gemischten Bild ist gehostetes On-Premise oder Single-Tenant-Cloud der Kompromiss, der beide Seiten bedient.
Anzahl der Standorte
Ein Standort spricht für On-Premise, weil ein lokaler Server alle Nutzer ohne Umweg bedient. Ab drei Standorten spricht alles für Cloud, weil sonst je Werk eine Installation, ein Backup-Konzept und ein Update-Termin gepflegt werden müssen. Der Aufwand wächst dabei nicht linear, sondern mit der Zahl der Standortkombinationen, die konsistent bleiben sollen.
Vorhandene IT-Mannschaft
Eine eingespielte IT mit Datenbank- und Virtualisierungserfahrung spricht für On-Premise, weil der teuerste Kostenposten dann bereits vorhanden ist. Eine IT unter drei Personen oder eine ohne Datenbankkompetenz spricht klar für Cloud. Prüfen Sie ehrlich, wer nachts um zwei erreichbar ist, wenn die Frühschicht in vier Stunden anfängt und die Datenbank nicht startet.
Latenzanforderung am Shopfloor
Taktgebundene Rückmeldung, Sperrlogik und Sekundentakt-Erfassung sprechen für On-Premise oder für Cloud mit Edge-Komponente. Überwiegend planende und auswertende Nutzung spricht für Cloud ohne Zusatzaufwand. Entscheidend ist nicht, ob es taktkritische Funktionen gibt, sondern wie viele Nutzer täglich davon abhängen.
Regulatorische Auflagen
Auflagen zur Datenhaltung im Inland, Kundenverträge mit Standortklausel oder Anforderungen aus der Lieferkette sprechen für On-Premise oder Single-Tenant mit vertraglich fixierter Region. Ohne solche Auflagen ist Multi-Tenant-SaaS uneingeschränkt möglich. Prüfen Sie zuerst Ihre Kundenverträge, dort stehen die härteren Klauseln häufiger als im Gesetz.
Investitionsbudget gegenüber Betriebskosten
Vorhandenes Investitionsbudget und der Wunsch nach Aktivierung sprechen für On-Premise, weil Lizenz und Hardware abgeschrieben werden können. Knappe Liquidität und der Wunsch nach planbarer monatlicher Belastung sprechen für Cloud. Klären Sie das mit der Finanzabteilung vor dem ersten Anbietergespräch, nicht danach.
Netzwerkzuverlässigkeit am Standort
Ein Standort mit nur einer Anbindung, im Gewerbegebiet ohne zweiten Provider, spricht für On-Premise. Zwei unabhängige Wege oder ein belastbarer Mobilfunk-Rückfallweg machen Cloud unproblematisch. Prüfbar ist das ohne Aufwand: Fragen Sie Ihre IT nach der Ausfallstatistik der Standortanbindung der letzten 24 Monate.
Wachstumserwartung
Stabile Struktur ohne geplante Zukäufe spricht für On-Premise, weil die Kapazität einmal dimensioniert wird und trägt. Geplante Zukäufe, neue Werke oder stark schwankende Nutzerzahlen sprechen für Cloud, weil dort Kapazität ohne Beschaffungsvorgang wächst. Ein zugekauftes Werk lässt sich in einer Cloud-Instanz in Wochen anbinden, in einer gewachsenen On-Premise-Landschaft selten.
Exit-Anforderung
Wer den Anbieterwechsel als reales Szenario einplant, ist mit On-Premise im Vorteil, weil die Datenbank im eigenen Haus steht und jederzeit lesbar bleibt. Bei Cloud ersetzt der Vertrag diese Sicherheit, mit dokumentiertem Exportformat, Frist und einem Testexport im ersten Betriebsjahr. Wie ein Wechsel praktisch abläuft, zeigt MES wechseln und migrieren.
Integrationstiefe zu ERP und Maschinen
Viele bidirektionale Schnittstellen und ein ERP im eigenen Rechenzentrum sprechen für On-Premise, weil beide Systeme dann im selben Netz stehen. Ein ERP, das ohnehin als Cloud-Dienst läuft, spricht für Cloud, sonst pendeln die Daten unnötig. Die Szenarien und ihren Aufwand beschreibt MES-SAP-Integration.
Betrachtungshorizont
Ein Horizont von sieben bis zehn Jahren spricht für On-Premise, weil Lizenz und Hardware nach der Abschreibung nur noch Pflege kosten. Ein Horizont von drei bis fünf Jahren, etwa vor einem geplanten ERP-Wechsel, spricht für Cloud. Legen Sie den Horizont fest, bevor Sie Angebote vergleichen, sonst vergleichen Sie zwei verschiedene Fragen.
Wenn das Bild gemischt bleibt. Das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Zwei Konstellationen kommen in Auswahlprojekten regelmäßig vor. Erstens: Latenz und Datenhoheit zeigen auf On-Premise, IT-Kapazität und Standortzahl auf Cloud. Dann ist gehostetes On-Premise beim Dienstleister die passende Antwort, Sie behalten Release-Hoheit und dedizierte Instanz, geben aber den Serverbetrieb ab. Zweitens: Alles zeigt auf Cloud, nur eine Halle hat taktkritische Terminals. Dann ist Cloud mit Edge-Knoten in genau dieser Halle die Antwort, nicht ein On-Premise-Projekt für das gesamte Unternehmen.
Wie Sie diese Kriterien in ein prüfbares Anforderungsdokument überführen, beschreibt MES-Lastenheft erstellen. Das Vorgehen für die gesamte Auswahl steht unter MES auswählen: Vorgehen, Kriterien und typische Fehler.
Zwölf Fragen an den Anbieter
zum Betriebsmodell
Diese zwölf Fragen gehören in die Einladung zum Anbietertermin, nicht erst in die Vertragsverhandlung. Jede ist so formuliert, dass eine ausweichende Antwort auffällt. Zu jeder Frage steht, warum sie gestellt wird und woran Sie eine belastbare Antwort erkennen. Notieren Sie die Antworten schriftlich und lassen Sie sie gegenzeichnen, das ist später Ihre Vergleichsgrundlage.
Ist Ihr Cloud-Angebot echte Mandantenfähigkeit oder eine gehostete Einzelinstanz?
Beides ist legitim, aber es sind unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Folgen für Update-Hoheit, Preis und Anpassbarkeit. Eine belastbare Antwort benennt das Modell klar und erklärt die Konsequenz für Ihren Release-Stand. Eine ausweichende Antwort spricht von „Cloud-fähig“ oder „Cloud-ready“, was in der Regel bedeutet, dass die Anwendung lediglich auf einer virtuellen Maschine läuft.
An welchem Ort steht das primäre Rechenzentrum, und welche Zertifizierungen liegen dafür vor?
Verlangen Sie den Ort und den Nachweis, nicht die Aussage. Zertifizierungen wie ISO/IEC 27001 werden für einen konkreten Geltungsbereich erteilt, und dieser Geltungsbereich steht im Zertifikat. Prüfen Sie, ob er das Rechenzentrum, den Betrieb Ihrer Anwendung oder nur die Unternehmenszentrale des Anbieters umfasst. Ein Zertifikat ohne einsehbaren Geltungsbereich ist keine Auskunft.
Welche Verfügbarkeit sagen Sie zu, wie wird sie gemessen, und was passiert bei Unterschreitung?
Eine Prozentzahl allein sagt nichts. Entscheidend sind drei Angaben: der Messzeitraum, die Behandlung geplanter Wartung, und die Rechtsfolge. Wird geplante Wartung aus der Berechnung herausgerechnet, kann eine hohe Zusage mit langen Ausfällen vereinbar sein. Fragen Sie außerdem, ob die Rechtsfolge eine Gutschrift auf die Monatsgebühr ist. Eine Gutschrift ersetzt keine stehende Fertigung, deshalb ist die relevante Frage die nach der Wiederherstellungszeit.
Wann liegen die Wartungsfenster, wie lange dauern sie, und wie früh kündigen Sie an?
Ein Wartungsfenster sonntags um drei Uhr morgens ist für einen Zwei-Schicht-Betrieb harmlos und für eine durchlaufende Fertigung ein Produktionsstopp. Klären Sie die Lage in Ihrer Zeitzone, die typische Dauer, die Ankündigungsfrist und ob es ein Verfahren für die Verschiebung eines einzelnen Fensters gibt, etwa während eines Jahresabschlusses oder eines Kundenaudits.
Kann ich ein Update ablehnen oder verschieben, oder werde ich mitgezogen?
Das ist der praktisch wichtigste Unterschied zwischen den Betriebsmodellen. Bei Multi-Tenant-SaaS lautet die ehrliche Antwort nein, und das ist in Ordnung, solange Sie es vorher wissen. Fragen Sie dann nach, wie lange vorher Sie eine Testumgebung mit dem neuen Stand erhalten und ob es ein Rückfallverfahren gibt, wenn ein Update einen Ihrer Prozesse bricht.
Wie sieht der Datenexport bei Kündigung aus: Format, Umfang, Frist, Kosten?
Verlangen Sie ein dokumentiertes Format mit Feldbeschreibung, nicht einen Datenbankauszug. Klären Sie ausdrücklich, ob Bewegungsdaten, Stammdaten, Prüfergebnisse, Audit-Trail und Dateianhänge enthalten sind. Vereinbaren Sie zusätzlich einen kostenfreien Testexport im ersten Betriebsjahr. Wer das ablehnt, hat den Export vermutlich nie durchgeführt.
Was funktioniert am Terminal weiter, wenn die Verbindung zur Cloud abreißt?
Lassen Sie sich das nicht beschreiben, sondern zeigen. Ein aussagekräftiger Test dauert zehn Minuten: Netzwerkkabel des Standort-Routers ziehen und am Terminal weiterbuchen. Erwarten Sie eine Liste von Funktionen, die offline laufen, und eine Liste derer, die es nicht tun. Ein Anbieter, der pauschal „das läuft weiter“ sagt, hat den Fall nicht getestet.
Wie werden Daten nach einem Verbindungsabriss nachgeliefert?
Drei Punkte entscheiden über die Brauchbarkeit: Bleibt der ursprüngliche Ereigniszeitstempel erhalten oder wird der Zeitpunkt der Nachlieferung gesetzt, wird die Reihenfolge der Ereignisse gewahrt, und wie verhält sich das System bei doppelt übertragenen Buchungen. Geht der Originalzeitstempel verloren, sind Schichtauswertung, OEE und Chargenrückverfolgung nach jedem Ausfall unbrauchbar.
Wie lange puffert die Edge-Komponente, und was passiert danach?
Fragen Sie nach einer Zahl in Stunden, bezogen auf Ihre Maschinenzahl und Ihren Erfassungstakt. 60 Maschinen mit sekündlichen Werten erzeugen ein Vielfaches der Datenmenge von 60 Maschinen mit Minutenwerten. Klären Sie außerdem, was beim Überlauf geschieht: Werden die ältesten Daten verworfen, stoppt die Erfassung, oder wird verdichtet weitergeschrieben.
Wer patcht die Edge-Komponente, und wie ist sie im OT-Netz abgesichert?
Der Edge-Knoten steht zwischen Maschinennetz und Internet und ist damit ein sicherheitsrelevantes Element im Sinne von IEC 62443. Klären Sie, wer Sicherheitsupdates einspielt, in welcher Frist bei kritischen Schwachstellen reagiert wird, ob die Verbindung nach außen ausgehend aufgebaut wird und welche Ports im Maschinennetz geöffnet werden müssen. Die Anbindungsarchitektur beschreibt OPC UA im MES im Detail.
Welche Subunternehmer sind am Betrieb beteiligt, und wo sitzen sie?
Fast jeder Cloud-Betrieb nutzt Vorleistungen, meist eine Hyperscaler-Plattform, oft zusätzlich einen Managed-Service-Partner und ein Support-Team. Verlangen Sie die vollständige Liste als Anlage zum Auftragsverarbeitungsvertrag und eine Informationspflicht bei Änderungen. Fragen Sie insbesondere, aus welchen Ländern der Second-Level-Support auf Produktivdaten zugreift.
Wie ist die Preisanpassung geregelt, und welche Kündigungsfristen gelten?
Bei Subskriptionsmodellen ist die Preisgleitklausel der Posten mit der größten Langzeitwirkung. Klären Sie, ob an einen Index gekoppelt wird, ob es eine Obergrenze pro Jahr gibt und wie lange der Einstiegspreis garantiert ist. Prüfen Sie bei gehostetem On-Premise beide Verträge gemeinsam: Softwarepflege und Betrieb haben oft unterschiedliche Laufzeiten, sodass eine Kündigung des Betriebs die Pflegekosten unberührt lässt.
Ein Hinweis zur Gesprächsführung. Stellen Sie diese Fragen nicht dem Vertrieb allein. Fünf davon, nämlich 05, 07, 08, 09 und 10, kann nur jemand aus der technischen Umsetzung belastbar beantworten. Bitten Sie in der Terminanfrage ausdrücklich um die Teilnahme eines Lösungsarchitekten oder Projektleiters. Ein Anbieter, der dazu nicht bereit ist, wird auch im Projekt schwer erreichbar sein.
Stand August 2026, Herstellerangaben sind im Termin zu erfragen. Sectorlens erhält keine Provision von MES-Anbietern.
Cloud-MES und On-Premise:
18 Fragen, 18 Antworten
Die Fragen, die in Auswahlprojekten regelmäßig gestellt werden, jeweils so beantwortet, dass die Antwort ohne den restlichen Seiteninhalt verständlich bleibt.
Was ist der Unterschied zwischen einem Cloud-MES und gehostetem On-Premise?
Cloud-MES und gehostetes On-Premise unterscheiden sich in vier Punkten: Abrechnung, Update-Hoheit, Skalierung und Vertragsstruktur. Bei gehostetem On-Premise läuft eine dedizierte Installation auf gemieteter Infrastruktur, Sie zahlen weiterhin Lizenz und Softwarepflege plus eine Betriebspauschale und behalten die Wahl des Release-Stands. Bei echter Cloud gibt es eine Subskription, in der Nutzungsrecht und Betrieb nicht getrennt sind, und der Hersteller bestimmt den Update-Rhythmus. Der schnellste Test ist die Frage, ob Sie einen Release-Stand überspringen dürfen: Ist das möglich, betreiben Sie eine Einzelinstanz.
Ist ein Cloud-MES für die Fertigung zu langsam?
Nein, aber die Frage ist zu pauschal gestellt. Ein MES hat Funktionen mit harter Taktbindung, etwa Werkerrückmeldung am Terminal, Sperrlogik bei Prüfergebnissen und Maschinendatenerfassung im Sekundentakt, und Funktionen ohne Taktbindung wie Reporting, Feinplanung und Stammdatenpflege. Für die zweite Gruppe ist die Cloud unkritisch. Für die erste Gruppe verlagern moderne Architekturen die Verarbeitung auf eine lokale Edge-Komponente, sodass die Netzstrecke aus dem kritischen Pfad fällt. In der Praxis ist ohnehin häufiger das Hallen-WLAN der Engpass als die Anbindung an das Rechenzentrum.
Was passiert bei einem Internetausfall mit einem Cloud-MES?
Das hängt vollständig davon ab, ob eine Edge-Komponente vorhanden ist und was sie leistet. Ohne lokale Komponente stehen Terminals und Erfassung still, sobald die Leitung ausfällt. Mit Edge-Komponente bleiben die taktkritischen Funktionen bedienbar, die Daten werden lokal gepuffert und nach dem Verbindungsaufbau nachgeliefert. Entscheidend sind drei Details: wie lange gepuffert wird, ob der ursprüngliche Ereigniszeitstempel erhalten bleibt und was beim Überlauf des Puffers geschieht. Lassen Sie sich diesen Fall im Anbietertermin vorführen statt beschreiben.
Wo liegen meine Produktionsdaten bei einem Cloud-MES?
Das steht nicht automatisch fest, sondern muss vertraglich festgelegt werden. Die Angabe „EU-Rechenzentrum“ ist keine Ortsangabe, und der Standort der Backups und Replikate weicht häufig vom Standort des Primärsystems ab, weil georedundante Auslegung genau das vorsieht. Verlangen Sie deshalb drei getrennte Angaben: Ort des Primärsystems, Ort der Replikate, Ort der Backups. Relevant ist zusätzlich, aus welchen Ländern der Second-Level-Support auf Produktivdaten zugreift, denn auch das ist eine Übermittlung.
Ist ein Cloud-MES günstiger als On-Premise?
Über fünf Jahre gerechnet liegt Cloud bei einem Standort und kleiner IT-Mannschaft meist niedriger, weil Serverhardware, Datenbanklizenzen und ein erheblicher Teil des Administrationsaufwands entfallen. Das kehrt sich unter zwei Bedingungen um: wenn eine vorhandene IT-Mannschaft das System ohne zusätzliche Stelle mitbetreibt, und wenn über sieben bis zehn Jahre gerechnet wird, weil dann Lizenz und Hardware abgeschrieben sind, während die Subskription weiterläuft. Der Posten, der solche Vergleiche am häufigsten kippt, ist der interne Administrationsaufwand, weil er in keinem Angebot steht. Die Spannen dieser Seite beruhen auf Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022.
Was kostet ein Cloud-MES im Monat?
Für ein mittelständisches Fertigungsunternehmen mit rund 120 Nutzern und 60 angebundenen Maschinen liegen die Subskriptionskosten nach Sectorlens-Erfahrungswerten bei 2.500 bis 5.500 Euro netto pro Monat, abhängig von Modulumfang und Zählweise. Nicht enthalten sind Implementierung, Customizing und Schulung, die weitgehend unabhängig vom Betriebsmodell mit 60.000 bis 160.000 Euro zu Buche schlagen. Ebenfalls nicht enthalten sind Edge-Komponenten und eine redundante Netzanbindung. Prüfen Sie insbesondere, ob Maschinen getrennt von Nutzern lizenziert werden, denn bei maschinenintensiver Fertigung treibt das den Preis stärker als die Nutzerzahl.
Welche MES-Funktionen brauchen eine Reaktionszeit unter einer Sekunde?
Vier Funktionsgruppen brauchen in der Praxis eine Antwort unter einer Sekunde. Erstens die Werkerrückmeldung am Terminal, also Auftrag starten, unterbrechen und Mengen buchen, weil jede Verzögerung zu Sammelbuchungen am Schichtende führt. Zweitens die Sperrlogik bei Prüfergebnissen, damit eine Charge gesperrt ist, bevor das nächste Teil den Arbeitsplatz verlässt. Drittens die Maschinendatenerfassung im Sekundentakt, die keine Lücken haben darf. Viertens die Werkzeug- und Rezeptfreigabe, weil Wartezeit hier direkt in die Rüstzeit fällt.
Was ist eine Edge-Komponente im MES?
Eine Edge-Komponente ist ein lokaler Dienst am Fertigungsstandort, der zwischen Maschinennetz und Cloud-Anwendung vermittelt. Er übernimmt die taktkritischen Funktionen, spricht maschinenseitig üblicherweise OPC UA nach IEC 62541, puffert Rohdaten lokal und hält Terminaloberflächen auch bei unterbrochener Verbindung bedienbar. Damit löst er den Latenzkonflikt nicht durch schnellere Leitungen, sondern durch Verlagerung der Verarbeitung. Weil der Knoten im OT-Netz steht, fällt er in den Geltungsbereich von IEC 62443 und braucht ein geklärtes Patch-Verfahren.
Kann ich ein Update bei einem Cloud-MES ablehnen?
Bei Multi-Tenant-SaaS in der Regel nicht, weil alle Mandanten dieselbe Anwendungsinstanz nutzen und ein Update technisch nicht selektiv ausgesetzt werden kann. Bei Single-Tenant-Cloud lässt sich meist der Termin innerhalb eines Herstellerfensters wählen, nicht aber der Release-Stand. Bei gehostetem On-Premise und klassischem On-Premise behalten Sie die volle Wahl und können einen Stand überspringen. Wenn Sie in ein SaaS-Modell gehen, klären Sie stattdessen, wie lange vorher Sie eine Testumgebung mit dem neuen Stand erhalten und ob es ein Rückfallverfahren gibt.
Wie komme ich bei Kündigung an meine MES-Daten?
Über eine Exportklausel, deren Qualität sich an vier Punkten entscheidet. Erstens das Format: Ein Auszug proprietärer Tabellen ohne Datenmodell erfüllt die Vertragspflicht formal und ist trotzdem nicht auswertbar, verlangen Sie ein dokumentiertes offenes Format mit Feldbeschreibung. Zweitens der Umfang: Bewegungsdaten, Stammdaten, Prüfergebnisse, Audit-Trail und Dateianhänge sind fünf verschiedene Dinge, und der Audit-Trail wird am häufigsten vergessen. Drittens Frist und Kosten des Exports. Viertens ein kostenfreier Testexport im ersten Betriebsjahr, denn ein nie durchgeführter Export ist eine Annahme.
Ist ein Cloud-MES DSGVO-konform?
Möglich ist das, es ergibt sich aber nicht von selbst aus dem Betriebsmodell. Erforderlich sind ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit vollständiger Liste der Unterauftragsverarbeiter, eine belastbare Angabe der Speicherorte einschließlich Backups, und eine Regelung für Übermittlungen in Drittländer nach Kapitel V der Datenschutz-Grundverordnung. Bei einem MES kommen Beschäftigtendaten hinzu, weil Rückmeldungen personenbezogen erfasst werden, was in Deutschland regelmäßig die Mitbestimmung des Betriebsrats auslöst. Rechtsstand August 2026. Für die Auslegung im konkreten Fall ziehen Sie Ihre Rechtsabteilung hinzu.
Braucht ein Cloud-MES eine redundante Internetanbindung?
Ja, wenn taktkritische Funktionen ohne lokale Edge-Komponente aus der Cloud bedient werden. Ohne zweiten Weg hängt die gesamte Fertigungssteuerung an einer einzigen Leitung, und ein Baggerschaden im Gewerbegebiet legt dann die Schicht still. Üblich ist ein zweiter Anschluss bei einem anderen Provider oder ein Mobilfunk-Rückfallweg mit automatischer Umschaltung, wofür über fünf Jahre nach Sectorlens-Erfahrungswerten 12.000 bis 30.000 Euro anzusetzen sind. Mit einer Edge-Komponente sinkt die Anforderung deutlich, weil ein Ausfall dann die Produktion nicht mehr stoppt, sondern nur die Synchronisation verzögert.
Eignet sich ein Cloud-MES für kleine Fertigungsbetriebe?
Für Betriebe unter etwa 50 Mitarbeitenden ist Cloud in den meisten Fällen die naheliegende Wahl, weil dort selten eine IT-Mannschaft vorhanden ist, die einen Datenbankserver rund um die Uhr betreiben kann. Der Einstiegspreis ist niedriger, die Inbetriebnahme schneller, und Hardwarebeschaffung sowie Datenbanklizenzen entfallen vollständig. Gegen Cloud sprechen in dieser Größenklasse vor allem zwei Dinge: eine schlechte Standortanbindung ohne zweiten Weg und Kundenverträge mit Standortklausel für Fertigungsdaten. Prüfen Sie beides, bevor Sie den Preisvorteil als entschieden ansehen.
Was gilt bei einem Cloud-MES für die OT-Sicherheit nach IEC 62443?
Ein Cloud-MES verschiebt die Angriffsfläche, es verkleinert sie nicht automatisch. Die Edge-Komponente steht zwischen Maschinennetz und Internet und ist damit ein sicherheitsrelevantes Element im Sinne der IEC 62443, der Normenreihe für Cybersicherheit in industriellen Automatisierungssystemen. Klären Sie deshalb vertraglich, wer Sicherheitsupdates für diesen Knoten einspielt, in welcher Frist bei kritischen Schwachstellen reagiert wird, ob die Verbindung nach außen ausgehend aufgebaut wird und welche Ports im Maschinennetz geöffnet werden müssen. Ein professionell betriebenes Rechenzentrum erreicht dabei fast immer ein höheres Grundschutzniveau als ein Serverraum neben der Werkstatt.
Was gehört bei einem Cloud-MES in den Auftragsverarbeitungsvertrag?
Artikel 28 Absatz 3 der Datenschutz-Grundverordnung zählt den Pflichtinhalt auf: Gegenstand, Dauer, Art und Zweck der Verarbeitung, Art der Daten, Kategorien betroffener Personen, Weisungsbindung, Vertraulichkeitsverpflichtung des Personals, technische und organisatorische Maßnahmen nach Artikel 32, Regeln für Unterauftragsverarbeiter, Unterstützung bei Betroffenenrechten, Löschung oder Rückgabe nach Vertragsende sowie Nachweis- und Kontrollrechte. Ein Standardformular des Anbieters erfüllt diese Liste meist formal. Inhaltlich prüfen sollten Sie drei Punkte: die Anlage mit den Unterauftragsverarbeitern samt ihren Sitzstaaten, die Frist für die Information bei einem Wechsel, und ob Ihr Widerspruchsrecht ein echtes Sonderkündigungsrecht auslöst oder ins Leere läuft. Weil ein MES Beschäftigtendaten verarbeitet, gehören Speicherorte und Subunternehmerliste zusätzlich als Anlagen in die Betriebsvereinbarung. Rechtsstand August 2026.
Wie viel Bandbreite braucht ein Cloud-MES am Fertigungsstandort?
Weniger, als die meisten annehmen. 60 angebundene Maschinen mit je 12 Signalen und einem Wert pro Sekunde erzeugen 720 Werte pro Sekunde, bei 40 Byte je Datensatz sind das rund 0,23 Mbit/s netto im Upload; auch mit Protokoll- und Verschlüsselungsaufwand bleibt der Bedarf unter einem Megabit. Für 85 gleichzeitige Terminalsitzungen sind im Download 2 bis 6 Mbit/s realistisch, wobei die Spitze beim Schichtwechsel entsteht und nicht im Tagesdurchschnitt. Kritisch sind deshalb nicht Bandbreite, sondern Paketverlust, Laufzeit und vor allem die Verfügbarkeit der Anbindung. Fordern Sie von Ihrer IT die Ausfallstatistik der Standortanbindung der letzten 24 Monate an, sie sagt mehr über die Cloud-Tauglichkeit aus als jede Bandbreitenzusage.
Welche MES-Funktionen laufen auf dem Edge-Knoten und welche in der Cloud?
Auf den Edge-Knoten gehören die taktgebundenen Funktionen: Werkerrückmeldung und BDE, Maschinendatenerfassung über OPC UA nach IEC 62541, die Sperrlogik bei Prüfergebnissen, der freigegebene Auftragsvorrat der laufenden und der nächsten Schicht sowie die gültigen Werkzeug- und Rezeptparameter. In die Cloud gehören Speicherung, Auswertung und Planung: Langzeitarchiv, Schicht- und OEE-Auswertung, SPC, Feinplanung, Stammdatenpflege und die Übergabe an das ERP. Bei einem Verbindungsverlust läuft damit alles weiter, was der Werker unmittelbar braucht, während Planung und Auswertung stillstehen, ohne die Fertigung zu stoppen. Die Grenze der Autonomie ist nicht der Speicherplatz, sondern die Vorhaltezeit des freigegebenen Auftragsvorrats: Ist er abgearbeitet und kommt keine neue Freigabe durch, steht die Fertigung trotz gefülltem Puffer.
Was passiert mit der MES-Konfiguration beim Wechsel aus einem Cloud-MES?
Sie bekommen Ihre Daten zurück, Ihre Konfiguration in aller Regel nicht. Regeln, Workflows, Terminaldialoge, Berechtigungsstrukturen, Feldzuordnungen der Schnittstellen und Berichtsdefinitionen liegen in herstellerspezifischen Strukturen und sind in kein anderes System übertragbar. Das gilt bei On-Premise genauso, dort behalten Sie allerdings ein laufendes System zum Nachschauen, während ein Cloud-Mandant abgeschaltet wird. Verlangen Sie deshalb schon bei Vertragsschluss eine lesbare Ausleitung dieser Konfiguration als Dokumentation, dazu die Feldzuordnungen der ERP-Schnittstelle und eine Liste der tatsächlich genutzten Berichte. Der Aufwand eines Wechsels liegt selten im Herausholen der Daten, sondern im Nachbau der Konfiguration und im erneuten Anbinden von ERP und Maschinen.
Cloud klingt einfacher.
Unsicher, ob Ihr Shopfloor das mitmacht?
Die Modellfrage lässt sich nicht am Schreibtisch entscheiden. Sie hängt an Ihrer Fertigungsart, an der Zahl taktkritischer Arbeitsplätze, an der Netzsituation Ihrer Hallen und daran, welche Anbieter ihr Cloud-Angebot tatsächlich als Cloud betreiben. Wir bringen diese vier Punkte zusammen und übersetzen sie in eine Anbieterliste, die zu Ihrem Betriebsmodell passt.
MES-Matching mit Betriebsmodell-Filter
URL eingeben, KI analysiert die Fertigung anhand öffentlicher Daten und gleicht sie gegen 64 Kriterien mit dem Anbietermarkt ab.
- Shortlist mit Match-Score, gefiltert nach den Anbietern, die Ihr bevorzugtes Betriebsmodell wirklich anbieten
- Kein Formular, keine Registrierung, keine Weitergabe Ihrer Daten an Anbieter
- Erste Einordnung, ob Ihre Fertigungsart eher taktkritisch oder auswertungslastig ist
Selection Portal mit Latenz- und Exit-Anforderungen
Strukturierte Auswahl von der Anforderungsaufnahme bis zur Entscheidungsvorlage, mit dem Betriebsmodell als eigenständigem Bewertungskriterium statt als Nebensatz.
- Anforderungs-Workshop, in dem taktkritische Arbeitsplätze einzeln erfasst und bewertet werden
- Lastenheft aus über 150 Anforderungen, inklusive Exportformat, Wartungsfenster und Edge-Verhalten als prüfbare Punkte
- Moderierter Anbieter-Dialog und Entscheidungsmatrix, in der die zwölf Betriebsmodell-Fragen dieser Seite gegenübergestellt beantwortet sind
Zweitmeinung zu Ihrem Cloud-Angebot
Sie haben ein Angebot auf dem Tisch, das als Cloud verkauft wird, und wollen wissen, was tatsächlich darin steht. 50+ Projekte seit 2022, herstellerneutral, keine Provision.
- Prüfung, ob es sich um echte Cloud oder um eine gehostete Einzelinstanz handelt, und was das für Preis und Update-Hoheit bedeutet
- Gegenrechnung Ihres Angebots über fünf Jahre inklusive Administrationsaufwand, Datenbanklizenzen und Netzredundanz
- 30 Minuten Erstgespräch kostenlos und unverbindlich
Vier Betriebsmodelle, ein Shopfloor.
Welches passt zu Ihrer Fertigung?
Geben Sie Ihre Unternehmens-URL ein. Die Analyse ordnet Ihre Fertigungsart ein, schätzt die Latenzanforderung Ihrer Arbeitsplätze und liefert eine Shortlist von MES-Anbietern, deren Betriebsmodell dazu passt. Sechs Minuten, kein Formular.
