MES-Funktion · Andon & Shopfloor Management

Andon und Shopfloor Management: Störungen sichtbar machen

Andon-Systeme sind eine Kernfunktion moderner Manufacturing Execution Systeme (MES) für Fertigungsunternehmen im DACH-Raum: Sie melden Störungen am Arbeitsplatz sofort visuell und akustisch, lösen eine Eskalationskette aus und messen die Reaktionszeit bis zur Behebung. Sectorlens hat diese Anforderung seit 2022 in über 50 MES-Auswahlprojekten regelmäßig im Lastenheft gesehen (Sectorlens-Erhebung, Stand 2026). Dieser Beitrag ordnet Andon in den Funktionsumfang eines MES ein, erklärt Eskalationsketten und Reaktionszeitmessung und zeigt den Bezug zu OEE-Verlustzeiten und Predictive Maintenance.

22400
ISO-Norm für Verfügbarkeit, Leistung und Qualität als OEE-Grundlage (Quelle: ISO 22400)
50+
MES-Auswahlprojekte von Sectorlens seit 2022 mit Andon-Anforderung im Lastenheft (Sectorlens-Erhebung, Stand 2026)
530
Mitarbeitende bei MPDV Mikrolab GmbH, Hersteller von HYDRA X (Herstellerangabe, Stand 2026)
150
Mitarbeitende bei FORCAM ENISCO GmbH, Hersteller von E-MES (Herstellerangabe, Stand August 2024)
Eskalationsketten Reaktionszeitmessung OEE-Verlustzeiten Predictive Maintenance Shopfloor-Dashboards
Grundlagen

Andon: Störungen sofort sichtbar machen

Der Begriff stammt aus dem Toyota-Produktionssystem und bezeichnet dort eine Signalleuchte am Band, die Vorgesetzte auf eine Störung aufmerksam macht, ohne dass der Werker die Linie verlassen muss.

Andon ist Teil des Jidoka-Grundsatzes des Toyota-Produktionssystems: Jede Maschine und jeder Mitarbeitende darf und soll eine Störung sofort anzeigen, notfalls durch Stoppen der Linie. Aus dieser Idee wurde in der modernen Fertigung eine feste MES-Funktion. Löst eine Anlage, ein Sensor oder ein Werker eine Andon-Meldung aus, verknüpft das Manufacturing Execution System diese sofort mit einem Zeitstempel, einem hinterlegten Stillstandsgrund und einer passenden Eskalationsstufe.

Damit unterscheidet sich die MES-gestützte Andon-Funktion von einer einfachen Werksampel: Die Meldung verschwindet nicht mit dem Ende der Störung, sondern bleibt als Datenpunkt erhalten. Diese Datenpunkte fließen in die Verfügbarkeitskomponente der Gesamtanlageneffektivität (OEE) ein, wie sie die Norm ISO 22400 seit ihrer Veröffentlichung 2014 einheitlich definiert, und liefern die Grundlage für Kennzahlen wie MTBF (mittlere Zeit zwischen Störungen) und MTTR (mittlere Reparaturzeit). Wie erfasste Maschinen- und Betriebsdaten technisch zustande kommen, beschreibt der Beitrag MDE und BDE im MES.

Typische Auslöser einer Andon-Meldung sind ungeplante Maschinenstillstände, Qualitätsabweichungen außerhalb definierter Grenzwerte, Materialengpässe, fehlendes Personal und Sicherheitsvorfälle. Viele MES erlauben zusätzlich eine manuelle Andon-Anfrage durch den Werker selbst, etwa bei einer unklaren Arbeitsanweisung. Grundbegriffe rund um MES klärt bei Bedarf das MES-Wissen auf find-your-mes.de.

Prozess

Eskalationsketten und Reaktionszeit als Kennzahl

Eine Eskalationskette legt fest, wer nach welcher Zeit informiert wird, wenn eine Störung nicht behoben ist. Üblich ist ein dreistufiges Modell.

Ebene 1

Werker oder Team am Arbeitsplatz

Die Störung wird zuerst am Ort ihrer Entstehung angezeigt und, wenn möglich, direkt vom Team behoben. Das MES startet mit der Andon-Meldung den Reaktionszeit-Timer.

Ebene 2

Schichtführung

Bleibt die Störung nach einem definierten Zeitfenster offen, eskaliert das MES automatisch an die Schichtführung, meist per Signal am Shopfloor-Dashboard und Mobile-Alert.

Ebene 3

Instandhaltung oder Produktionsleitung

Bei anhaltender Störung folgt die Meldung an Instandhaltung oder Produktionsleitung, häufig als Ticket im Instandhaltungssystem verknüpft mit der Anlagenhistorie.

Jede Eskalationsstufe wird mit Zeitpunkt protokolliert. Daraus ergeben sich zwei getrennte Kennzahlen: die Reaktionszeit bis zum ersten Eingreifen vor Ort und die Wiederherstellungszeit (MTTR) bis zur vollständigen Behebung. Beide Werte lassen sich je Anlage, Schicht und Störungsart auswerten und zusammen mit MTBF für die Personalplanung und die OEE-Berechnung nach ISO 22400 (veröffentlicht 2014) nutzen. Wie diese Daten technisch erfasst werden, erklärt MDE und BDE im MES.

Anbieterbeispiele

Wie reale MES-Systeme Andon und Shopfloor-Dashboards umsetzen

Neutral beschrieben, ohne Rangfolge: drei Beispiele, wie Anbieter mit eigenem Profil auf find-your-mes.de Alarmierung, Reaktionszeit und Shopfloor-Sichtbarkeit dokumentieren.

MPDV Mikrolab GmbH

HYDRA X

MES-Hersteller mit Sitz in Mosbach, über 45 Jahre Projekterfahrung, 530 Mitarbeitende (Herstellerangabe, Stand 2026). HYDRA X macht laut Hersteller Kennzahlen wie OEE in Echtzeit auf dem Shopfloor sichtbar und verknüpft sie mit der Integrationsplattform MIP.

  • Echtzeit-Sichtbarkeit von OEE und Produktionskennzahlen
  • Anbindung von 135.000 Maschinen laut Hersteller

MPDV HYDRA X im Profil ansehen

FORCAM ENISCO GmbH

E-MES

MES-Hersteller mit Sitz in Böblingen, gegründet 2001, rund 150 Mitarbeitende (Herstellerangabe, Stand August 2024). E-MES führt laut den Produktseiten forcam-enisco.net ein eigenes Alarming-Modul, ergänzt um die App Solve4SF als Ticketsystem gegen Stillstände.

  • Alarming als benanntes Feature innerhalb E-MES
  • Solve4SF als Ticketsystem für Stillstandsbearbeitung

FORCAM ENISCO im Profil ansehen

FASTEC GmbH

smartOEE & pvaPRO

MES-Hersteller mit Sitz in Paderborn, gegründet 1995, rund 80 Mitarbeitende (Herstellerangabe, Stand 2026). smartOEE misst laut Hersteller die OEE einzelner Maschinen, die seit 2024 verfügbare Cloud-Ebene pvaPRO spiegelt Maschinen- und Betriebsdaten standortübergreifend in konfigurierbare Dashboards.

  • smartOEE als schlanke Einstiegslösung je Maschine
  • pvaPRO als Cloud-Dashboard über mehrere Standorte

FASTEC im Profil ansehen

Stand August 2026, Herstellerangaben. Sectorlens erhält keine Provision von Anbietern. Wie diese und weitere Systeme insgesamt einzuordnen sind, zeigt der Anbietervergleich DACH 2026/2027.

Verlustzeiten & Vorhersage

Wie Andon-Daten OEE-Verluste sichtbar machen

Die Norm ISO 22400, veröffentlicht 2014, definiert die Gesamtanlageneffektivität (OEE) als Produkt aus Verfügbarkeit, Leistung und Qualität. Andon-Zeitstempel liefern genau die Rohdaten für die Verfügbarkeitskomponente.

Verfügbarkeit

Verlustzeit je Andon-Ereignis

Jede Andon-Meldung mit Start- und Endzeit wird automatisch der Verfügbarkeitskomponente der OEE nach ISO 22400 zugeordnet, inklusive Stillstandsgrund. Manuelles Nachtragen entfällt.

Grundlage für MTBF und MTTR
Frühindikator

Reaktionszeit als Warnsignal

Steigt die Reaktionszeit oder die Häufigkeit von Andon-Meldungen an einer Anlage kontinuierlich an, ist das ein früher Hinweis auf ein sich anbahnendes Problem, oft bevor die OEE spürbar sinkt.

Muster über mehrere Schichten
Predictive Maintenance

Von reaktiv zu vorausschauend

Predictive-Maintenance-Module werten die strukturierte Andon-Historie zusammen mit Maschinen- und Sensordaten aus, um eine Ausfallursache vorherzusagen, bevor der nächste Alarm ausgelöst wird.

Details im MES

Ohne lückenlose Andon-Historie fehlt vielen Predictive-Maintenance-Ansätzen die Grundlage für belastbare Trainingsdaten. Die konkrete Funktionsweise und die Voraussetzungen für den Einstieg beschreibt der Beitrag Predictive Maintenance im MES. Wie sich die OEE-Formel im Detail berechnet, zeigt OEE berechnen nach ISO 22400.

Visualisierung

Shopfloor-Dashboards: vom Andon-Signal zum Kennzahlenboard

Die physische Signalleuchte an der Maschine und das digitale Shopfloor-Dashboard schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich in der Praxis.

01

Ampelstatus je Anlage

Grün, gelb, rot je Arbeitsplatz oder Linie, meist auf einen Blick von jedem Punkt der Halle sichtbar, ergänzt um den Namen der aktiven Störung.

02

Offene Störungen mit Timer

Laufende Andon-Meldungen mit Reaktionszeit-Timer, damit sichtbar wird, welche Störung die zulässige Reaktionszeit bereits überschritten hat.

03

OEE-Tageswert

Aggregierte Verfügbarkeit, Leistung und Qualität je Linie und Schicht, meist im Vergleich zum Vortag oder zum Zielwert dargestellt.

04

Top-Stillstandsgründe

Rangliste der häufigsten Stillstandsursachen der laufenden Schicht, oft als Pareto-Darstellung, um Prioritäten für die nächste Schichtübergabe zu setzen.

05

Auftragsfortschritt

Stückzahl gegen Plan sowie anstehende Rüstvorgänge, damit Schichtführung und Produktionsplanung denselben Stand sehen wie das MES.

06

Mobile Sicht

Dieselben Kennzahlen auf dem Smartphone oder Tablet der Schichtführung und Instandhaltung, auch außerhalb der Sichtweite des Hallenbildschirms.

Datenbasis für all diese Elemente ist eine funktionierende Maschinen- und Betriebsdatenerfassung (MDE/BDE). Ohne verlässliche Signalquelle bleibt ein Shopfloor-Dashboard nur eine Oberfläche ohne belastbare Zahlen dahinter. Sectorlens sieht ein digitales Shopfloor-Dashboard seit 2022 in den meisten eigenen Auswahlprojekten als festen Bestandteil des Lastenhefts, unabhängig von Losgröße oder Branche (Sectorlens-Erhebung, Stand 2026). Einen Überblick über weitere MES-Funktionen bietet die Seite MES-Funktionen und Module.

Praxis

Welcher Eskalationsweg zu welcher Störungsart passt

Eine Wenn-dann-Matrix für die Konfiguration im MES, so konkret, dass ein Produktionsleiter sie am Montag als Vorlage für die eigenen Eskalationsregeln nutzen kann. Die genannten Zeitschwellen sind Erfahrungswerte aus Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022, keine Norm-Vorgabe, und müssen für die eigene Fertigung kalibriert werden.

01

Kurzstillstand unter 5 Minuten, Ursache bekannt

Wenn die Ursache dem Werker vertraut ist, zum Beispiel eine Verstopfung: Werker behebt selbst, keine Eskalation, das Andon-Signal löscht sich automatisch und die Zeit fließt nur in die MTBF-Auswertung ein.

02

Stillstand über 5 Minuten ohne bekannte Ursache

Wenn die Störung nach 5 Minuten nicht behoben ist: automatische Eskalation an die Schichtführung, Reaktionszeit-Timer läuft sichtbar auf dem Shopfloor-Dashboard mit, Zielwert nach Sectorlens-Erfahrung oft 3 Minuten bis zur Vor-Ort-Reaktion.

03

Maschinenstörung mit Verdacht auf Defekt

Wenn ein technischer Defekt vermutet wird: Eskalation an Instandhaltung mit automatischem Ticket, Verknüpfung zur Anlagenhistorie und bei steigender Frequenz Anstoss eines Predictive-Maintenance-Reviews.

04

Qualitätsabweichung außerhalb der SPC-Grenzwerte

Wenn ein Prüfwert eine Regelkarte verletzt: parallele Eskalation an Qualitätssicherung, betroffene Charge wird bis zur Freigabe gesperrt, Verknüpfung zum CAQ-Modul.

05

Materialengpass oder Bereitstellungsfehler

Wenn Material fehlt, aber ein Puffer vorhanden ist: Eskalation an Logistik oder Staplerfahrer, kein sofortiger Stopp der gesamten Linie, Reaktionszeit-Zielwert abhängig von der Pufferreichweite.

06

Sicherheitsvorfall oder Not-Halt

Wenn ein Sicherheitsvorfall vorliegt: sofortige Parallel-Eskalation an Sicherheitsbeauftragten und Produktionsleitung ohne Wartezeit auf einen Timer, das Andon-Signal bleibt bis zur ausdrücklichen Freigabe aktiv.

07

Wiederkehrende Störung an derselben Anlage

Wenn dieselbe Anlage mehr als dreimal je Schicht meldet: automatische Eskalation an die Produktionsleitung zusätzlich zur normalen Kette, plus Anstoss einer gezielten Ursachenanalyse statt weiterer Einzelbehebungen.

08

Störung außerhalb der Kernarbeitszeit

Wenn keine Instandhaltung vor Ort ist, etwa in der Nachtschicht: Eskalation an einen Bereitschaftsdienst per Mobile-Alert, mit vertraglich hinterlegtem, meist längerem Reaktionszeit-Zielwert.

Häufige Fragen

Andon und Shopfloor Management: die häufigsten Fragen

Jede Antwort ist für sich verständlich und mit Quelle belegt.

Was ist ein Andon-System im MES?

Ein Andon-System ist eine MES-Funktion, die Störungen an einem Arbeitsplatz oder einer Anlage sofort visuell und akustisch meldet, meist über eine Signalleuchte, ein Terminal oder ein Shopfloor-Dashboard. Der Begriff stammt aus dem Toyota-Produktionssystem und bedeutet im Japanischen sinngemäß Laterne oder Signal. Im MES löst eine Andon-Meldung heute automatisch eine Eskalationskette aus, startet einen Reaktionszeit-Timer und schreibt den Vorfall in die Datenbasis für Verfügbarkeitskennzahlen wie OEE. Anders als eine einfache Werksampel ist das MES-gestützte Andon damit direkt mit Produktionsplanung, Instandhaltung und Qualitätsmanagement verknüpft.

Woher kommt das Andon-Prinzip?

Das Andon-Prinzip entstand im Toyota-Produktionssystem als Teil des Jidoka-Grundsatzes, wonach jede Maschine und jeder Mitarbeitende eine Störung sofort anzeigen und die Linie bei Bedarf stoppen darf. Ursprünglich handelte es sich um eine Signalleuchte oder Reißleine am Band, die Vorgesetzte auf ein Problem aufmerksam macht, ohne dass der Werker die Fertigungslinie verlassen muss. Das Prinzip verbreitete sich von der Automobilindustrie in nahezu alle Fertigungsbranchen und wurde mit der Einführung von MES-Software digitalisiert. Heute ersetzt in vielen Werken ein digitales Shopfloor-Dashboard die klassische Leuchtsäule, ohne den ursprünglichen Zweck zu verändern: Störungen sofort sichtbar zu machen.

Welche Störungsarten lösen typischerweise ein Andon-Signal aus?

Typische Auslöser sind ungeplante Maschinenstillstände, Qualitätsabweichungen außerhalb definierter SPC-Grenzwerte, Materialengpässe an der Linie, fehlendes Personal sowie Sicherheitsvorfälle und Not-Halt-Ereignisse. Manche MES lassen zusätzlich manuelle Andon-Anfragen durch den Werker zu, etwa bei einer unklaren Arbeitsanweisung oder einem Werkzeugproblem. Jede Störungsart kann im MES mit einem eigenen Eskalationsweg und einem eigenen Reaktionszeit-Zielwert hinterlegt werden. Diese Differenzierung verhindert, dass ein kurzer Materialnachschub-Hinweis dieselbe Alarmierungsstufe auslöst wie ein Sicherheitsvorfall.

Wie funktioniert eine Eskalationskette bei Andon-Meldungen?

Eine Eskalationskette definiert, wer nach welcher Zeit informiert wird, wenn eine Störung nicht behoben ist. Üblich ist ein dreistufiges Modell: Der Werker oder das Team versucht zunächst die Behebung selbst, nach einem definierten Zeitfenster eskaliert das MES automatisch an die Schichtführung, und bei fortbestehender Störung folgt die Meldung an Instandhaltung oder Produktionsleitung. Jede Stufe kann im MES an unterschiedliche Kanäle gekoppelt werden, etwa Signalleuchte, Shopfloor-Dashboard, Mobile-Alert oder ein Ticket im Instandhaltungssystem. Die Zeitpunkte jeder Eskalationsstufe werden protokolliert und fließen in die Reaktionszeit-Auswertung ein.

Was ist der Unterschied zwischen Reaktionszeit und Wiederherstellungszeit?

Die Reaktionszeit misst die Zeitspanne von der Andon-Meldung bis zum ersten Eingreifen einer zuständigen Person vor Ort, während die Wiederherstellungszeit, oft als MTTR (Mean Time To Repair) bezeichnet, die gesamte Dauer bis zur vollständigen Behebung der Störung umfasst. Beide Kennzahlen werden im MES getrennt erfasst, weil eine schnelle Reaktion nicht automatisch eine schnelle Behebung bedeutet, etwa wenn ein Ersatzteil fehlt. Zusammen mit der mittleren Zeit zwischen Störungen, MTBF (Mean Time Between Failures), bilden sie die Grundlage für die Verfügbarkeitskomponente der OEE-Berechnung nach ISO 22400. Produktionsleitungen nutzen beide Werte, um Eskalationsstufen und Personalbesetzung realistisch zu planen.

Wie hängen Andon-Daten und OEE-Verlustzeiten zusammen?

Jede Andon-Meldung erzeugt einen Zeitstempel für Beginn und Ende einer Störung, den das MES direkt der Verfügbarkeitskomponente der Gesamtanlageneffektivität nach ISO 22400 zuordnet. Ohne diese lückenlose Erfassung müssten Stillstandszeiten manuell nachgetragen werden, was in der Praxis zu ungenauen OEE-Werten führt. Durch die Verknüpfung von Andon-Ereignis und Stillstandsgrund lassen sich die größten Verlustursachen je Anlage und Schicht auswerten, statt nur eine aggregierte Verfügbarkeitszahl zu sehen. Wie sich Verfügbarkeit, Leistung und Qualität konkret zur OEE verrechnen, erklärt der Beitrag OEE berechnen nach ISO 22400 auf find-your-mes.de.

Was zeigt ein Shopfloor-Dashboard typischerweise an?

Ein Shopfloor-Dashboard bündelt in der Regel den aktuellen Ampelstatus je Anlage, offene Störungen mit laufendem Reaktionszeit-Timer, den Tageswert der OEE sowie die häufigsten Stillstandsgründe der laufenden Schicht. Viele MES ergänzen Stückzahlen gegen Plan, den Fortschritt laufender Aufträge und anstehende Rüstvorgänge. Die Darstellung erfolgt meist auf großformatigen Bildschirmen an der Linie sowie parallel auf mobilen Endgeräten der Schichtführung und Instandhaltung. Ziel ist, dass jede Person am Shopfloor den Produktionsstatus ohne Nachfrage in Sekunden erfassen kann.

Wie unterscheiden sich physische Andon-Boards von digitalen Shopfloor-Dashboards?

Ein physisches Andon-Board, oft eine Ampel- oder Leuchtsäule direkt an der Anlage, zeigt nur den aktuellen Status einer einzelnen Station und erfordert, dass jemand die Meldung persönlich sieht. Ein digitales Shopfloor-Dashboard im MES aggregiert dagegen die Signale mehrerer Anlagen, ergänzt sie um Kennzahlen wie OEE und Reaktionszeit und macht sie auch außerhalb der Halle über Mobilgeräte sichtbar. In der Praxis werden beide Ebenen kombiniert: Die Signalleuchte bleibt als schneller Blickfang direkt an der Maschine bestehen, während das Dashboard die Auswertung über Schichten und Linien hinweg übernimmt. Diese Kombination ist heute Standard in MES-Implementierungen mit Andon-Funktion.

Wie trägt Andon zu Predictive Maintenance bei?

Jede Andon-Meldung mit Stillstandsgrund, Zeitstempel und betroffener Anlage liefert einen Datenpunkt, der über die Zeit ein Muster erkennen lässt, etwa eine steigende Störungsfrequenz an einer bestimmten Komponente. MES-Module für Predictive Maintenance werten diese Historie zusammen mit Maschinen- und Sensordaten aus, um eine wahrscheinliche Ausfallursache vorherzusagen, bevor ein weiterer Andon-Alarm ausgelöst wird. Ohne die strukturierte Andon-Historie fehlt vielen Predictive-Maintenance-Ansätzen die Grundlage für belastbare Trainingsdaten. Mehr zur konkreten Funktionsweise und den Voraussetzungen liefert der Beitrag Predictive Maintenance im MES auf find-your-mes.de.

Welche MES-Anbieter bieten Andon- oder Alarmierungsfunktionen?

Mehrere am deutschen Markt aktive MES-Anbieter dokumentieren eigene Alarmierungs- und Shopfloor-Dashboard-Funktionen. FORCAM ENISCO nennt auf den eigenen Produktseiten ein Alarming-Modul innerhalb der E-MES-Lösung sowie die App Solve4SF als Ticketsystem gegen Stillstände. MPDV beschreibt für HYDRA X die Echtzeit-Sichtbarkeit von Kennzahlen wie OEE auf dem Shopfloor, FASTEC bietet mit smartOEE und der Cloud-Dashboard-Ebene pvaPRO eine Auswertung von Maschinendaten über mehrere Standorte hinweg an. Die genannten Funktionen unterscheiden sich im Detail, ein Funktionsabgleich im konkreten Anbietergespräch bleibt notwendig.

Braucht jedes Unternehmen ein vollwertiges Andon-System oder reicht eine einfache Ampel?

Das hängt vom Digitalisierungsgrad und der Liniengröße ab. Ein Einzelplatz oder eine kleine Werkstatt kommt oft mit einer einfachen Signalleuchte ohne MES-Anbindung aus, weil die Störung ohnehin sofort sichtbar ist. Sobald mehrere Linien, Schichten oder Standorte ausgewertet werden sollen oder Reaktionszeiten und Eskalationsstufen nachweisbar sein müssen, etwa für ein Qualitätsaudit, wird eine MES-gestützte Andon-Funktion mit Protokollierung sinnvoll. Sectorlens sieht diesen Übergang in eigenen Auswahlprojekten seit 2022 typischerweise ab einer zwei- bis dreistelligen Zahl angebundener Arbeitsplätze.

Wie lange dauert die Einführung eines Andon-Systems im MES?

Eine reine Andon-Funktion auf Basis bereits vorhandener Maschinendatenerfassung lässt sich nach Sectorlens-Projekterfahrung oft innerhalb weniger Wochen je Pilotlinie konfigurieren, da Eskalationsregeln und Anzeigelogik meist ohne Programmierung im MES eingestellt werden. Deutlich länger dauert die Einführung, wenn zunächst die Maschinen- und Betriebsdatenerfassung als Datenbasis aufgebaut werden muss, da Andon ohne verlässliche Signalquelle nicht sinnvoll funktioniert. Rollouts über mehrere Linien und Standorte hinweg verlaufen in der Praxis meist stufenweise, beginnend mit einer Pilotlinie, um Eskalationsschwellen realistisch zu kalibrieren. Erfahrungswerte aus Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022, keine Herstellerzusage.

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