MDE und BDE im MES.
Maschinendaten erfassen,
verstehen, nutzen.
Maschinen- und Betriebsdatenerfassung (MDE/BDE) ist das Fundament jedes Manufacturing Execution Systems. Fertigungsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die OPC-UA-fähige Maschinen vollständig anbinden, erreichen laut Gartner eine OEE-Steigerung von 8 bis 15 Prozent (Gartner Manufacturing Report 2024). Dieser Leitfaden erklärt alle Schnittstellen, Datenquellen und den erprobten 6-Schritt-Implementierungspfad fuer DACH-Fertigungsbetriebe.
Quellen: Gartner Manufacturing Insights 2024 · VDMA Digitalisierungsstudie 2024
Maschinendaten vs. Betriebsdaten.
Was erfasst was?
MDE und BDE ergaenzen sich zum vollstaendigen OEE-Bild. Beide Datenstroeme sind fuer die VDMA-konforme OEE-Berechnung (Verfuegbarkeit × Leistungsgrad × Qualitaetsrate) zwingend erforderlich.
MDE: Maschinendatenerfassung
Direkte Anbindung an Maschinensteuerung oder Sensor. Kein Mitarbeitereingriff erforderlich. Liefert kontinuierliche, hochfrequente Echtzeit-Daten.
- Maschinenstatus: Laeuft / Störung / Ruesten
- Taktzeit und Zyklusanzahl
- Störmeldungen mit Stoergrundcode
- Energieverbrauch (kWh)
- Temperatur, Druck, Vibration (optional)
- OPC-UA Companion Spec-Daten (CNC, Robotik)
BDE: Betriebsdatenerfassung
Eingabe durch Mitarbeiter am Shopfloor-Terminal oder MES-Klient. Erfasst auftrags- und personenbezogene Kontext-Daten.
- Gutstueck- und Ausschussmengen
- Stoergrund (aus vordefiniertem Katalog)
- Ruest- und Wartungszeiten
- Auftragsstart und -ende
- Losnummer und Chargenid
- Pruefergebnis und Qualitaetsmerkmale
| Kriterium | MDE | BDE |
|---|---|---|
| Datenquelle | Maschine / SPS / Sensor | Mitarbeiter am Terminal |
| Erfassungsart | Automatisch | Manuell |
| Latenz | Echtzeit (ms bis s) | Manuell (Minuten bis Schicht) |
| OEE-Beitrag | Verfuegbarkeit + Leistungsgrad | Qualitaetsrate |
| Betriebsvereinbarung | Oft nicht noetig | Meist erforderlich (BetrVG 87) |
| Typisches Protokoll | OPC-UA, PROFINET, MQTT | REST-API, TCP/IP |
Sechs Wege, wie Maschinen
Daten in das MES liefern.
Die Wahl des richtigen Protokolls haengt vom Baujahr der Maschine, der Steuerungsgeneration und dem verfuegbaren IT/OT-Budget ab. OPC-UA ist der heutige Standard, hat aber nicht fuer jede Maschine eine fertige Loesung.
OPC-UA nativ
Der Standard fuer neue Maschinen ab ca. 2015. Integrierte Verschluesselung, semantische Datenmodelle, herstellerunabhaengig. Port 4840 TCP. Companion Specs definieren maschinenspezifische Datenpunkte.
- 70% neue DACH-Maschinen (VDMA 2024)
- Keine zusaetzliche Hardware
- Siemens S7-1500, Beckhoff TwinCAT, B&R nativ
SPS-Link (Siemens, Allen-Bradley)
Direktzugriff auf Variablenlisten der SPS via proprietaere Protokolle. Kepware KEPServerEX oder Softing dataFEED als OPC-UA-Bridge. Fuer Maschinen ab ca. 2000 ohne native OPC-UA.
- S7-300/400: S7-Protokoll via RFC 1006
- Allen-Bradley: CIP/EtherNet/IP
- Konfigurationsaufwand: 1–3 Tage
Retrofit-Gateway fuer alte Maschinen
Hardware-Gateway (Softing, Hilscher, Moxa, Red Lion) liest analoge Signale (0–10V, 4–20mA) und Digitalkontakte und uebersetzt sie in OPC-UA. Ab ca. 500 Euro je Maschine.
- Maschinen ohne digitale Schnittstelle
- Baujahr vor 2000 typisch
- Inbetriebnahme 1–2 Tage
MTConnect fuer CNC-Maschinen
Offener US-Standard (ANSI/MTC1.4) fuer CNC-Werkzeugmaschinen. Mazak, Okuma, Haas und DMG Mori unterstuetzen MTConnect nativ. Daten via HTTP-GET auf Port 5000, XML-Ausgabe.
- Mazak Smooth, Okuma OSP, Haas NGC
- Kein proprietaeres Protokoll noetig
- OPC-UA-Adapter verfuegbar
MQTT fuer Sensoren und Edge
Leichtgewichtiges Publish/Subscribe-Protokoll fuer IoT-Sensoren und Edge-Computing-Knoten. Broker (z.B. HiveMQ, EMQX) vermittelt zwischen Sensor und MES. Ideal fuer hochfrequente Messdaten.
- Vibrations-, Temperatur-, Drucksensoren
- Sparkplug B als Standard-Payload
- Latenz unter 10 ms erreichbar
REST-API fuer Software-Maschinen
Pruefstaende, Laserscanner, Messtechnik und softwarebasierte Maschinen bieten oft eine REST-API oder Datenbankanbindung. MES fragt zyklisch ab (Polling) oder empfaengt Webhooks (Event-driven).
- Koordinatenmessmaschinen (CMM)
- Optische Prufsysteme (Keyence, Cognex)
- Anbindung in 1–2 Tagen konfigurierbar
| OPC-UA Companion Spec | Norm-Nr. | Maschinen-Typ | Hersteller-Beispiele |
|---|---|---|---|
| CNC / Werkzeugmaschinen | 40501 | CNC-Fraesen, Drehen, Schleifen | Siemens SINUMERIK, Fanuc, Heidenhain |
| Robotik | 40010 | Industrie-Roboter | KUKA, ABB, FANUC, Universal Robots |
| Schweissen | 40077 | Lichtbogen- und Laserschweissen | Fronius, EWM, Lincoln Electric |
| Kunststoffverarbeitung | 40082 | Spritzgiessmaschinen | Engel, Arburg, Krauss-Maffei |
| Holzbearbeitung | 40301 | Holzbearbeitung und Moebelproduktion | Biesse, Homag, Weinig |
MDE/BDE in 6 Schritten
produktiv schalten.
Ein realistischer Zeitplan fuer Fertigungsunternehmen mit 10 bis 50 Maschinen. Schritt 1 bis 4 laufen einmalig fuer die Pilotmaschine, Schritt 5 und 6 skalieren auf den Maschinenpark.
Datenpunkte definieren
OEE-relevante Signale je Maschine identifizieren: Maschinenstatus, Stueckzaehler, Stoeralarme, Energie. Priorisierung nach wirtschaftlicher Bedeutung der Maschine (Engpass zuerst).
1–2 TageProtokoll und Schnittstelle waehlen
OPC-UA fuer neue Maschinen, SPS-Link oder IIoT-Gateway fuer aeltere. IT/OT-Netzwerk klaeren: VLAN-Segmentierung, Firewall-Freigaben fuer OPC-UA Port 4840 beantragen.
1–4 WochenPilotanbindung und Signalmapping
Erste Maschine anbinden. OPC-UA Namespace-Adressen auf MES-Standardfelder mappen. Skalierung und Einheiten pruefen (z.B. rpm vs. 1/min). Testlauf mit Live-Daten und Plausibilitaetspruefung.
2–5 TageDaten plausibilisieren
Grenzwerte definieren: max. Taktzeiten, Stillstandslimits, Ausschuss-Schwellwerte. Anomalie-Alarme fuer Schichtfuehrer konfigurieren. Stoergrundkatalog gemeinsam mit Shopfloor finalisieren.
1–2 WochenLive schalten und schulen
Produktivstart an Pilotmaschine (idealerweise Engpassmaschine). Shopfloor-Team schulen (2 Stunden). OEE-Dashboard einrichten. Rollout auf weitere Maschinen 2–5 Tage pro Gruppe.
2–5 Tage/Masch.Rollout und kontinuierliche Optimierung
Schrittweiser Rollout auf alle Maschinen mit Konfigurationsvorlagen. OEE-Reporting und Schicht-Reviews einrichten. Woechentliche Stoerungsanalyse etablieren. ROI nach 12–24 Monaten messen.
3–6 Monate (20 Maschinen)Sechs Fehler, die MDE-Projekte
scheitern lassen.
Erfahrungen aus DACH-Projekten mit 10 bis 200 Maschinen zeigen wiederkehrende Muster. Diese Fehler kosten Zeit, Geld und Akzeptanz auf dem Shopfloor.
IT/OT-Netzwerk nicht geplant
Firewall zwischen Office- und Produktionsnetz blockiert OPC-UA Port 4840. Das Projekt steht 4 bis 6 Wochen still, waehrend IT und OT den Zugriffsweg klaeren.
Zu viele Datenpunkte auf einmal
Teams versuchen, alle 500 OPC-UA-Variablen sofort zu mappen. Das erzeugt Datenmüll im MES und ueberfordert die Konfiguration. OEE braucht nur 5 bis 10 Kernvariablen.
Stoergrundkatalog zu generisch
Ein Katalog mit 3 Eintraegen (Maschine, Mensch, Material) ist nutzlos fuer die Ursachenanalyse. Shopfloor-Teams lernen schnell, immer “Maschine” zu klicken.
Betriebsrat zu spaet eingebunden
BDE-Daten ermöglichen individuelle Leistungsmessung. Ohne Betriebsvereinbarung nach BetrVG 87 Abs. 1 Nr. 6 kann das Projekt rechtlich gestoppt werden.
Kein Pilot, direkt Rollout
Ohne Pilotmaschine als Lernfeld werden Fehler in der Konfiguration auf alle Maschinen gleichzeitig repliziert. Das erzeugt eine Supportwelle, die das Team ueberfordert.
OEE-Daten ohne Review-Prozess
Dashboards werden gebaut, aber kein Prozess etabliert, der OEE-Daten regelmaessig analysiert und Massnahmen ableitet. Nach 3 Monaten schauen Schichtfuehrer nicht mehr hin.
Was MDE kostet, und
wann es sich rechnet.
Kosten und Amortisationsdauer haengen stark von Maschinenalter und vorhandenen Schnittstellen ab. Moderne OPC-UA-Maschinen verursachen fast keine Hardware-Kosten; der Aufwand liegt in Konfiguration und Inbetriebnahme.
| Szenario | Maschinen-Typ | Hardware | Inbetriebnahme | Gesamt je Maschine | Amortisation |
|---|---|---|---|---|---|
| Neue Maschine Baujahr ab 2015, OPC-UA nativ |
CNC, Spritzgiess, Roboter | 0 EUR | 1.000–3.000 EUR | 1.000–3.000 EUR | 6–12 Monate |
| SPS-Retrofit Siemens S7-300/400, Allen-Bradley |
Aeltere CNC, Pressen, Montagelinien | 500–1.500 EUR | 2.000–4.000 EUR | 2.500–5.500 EUR | 12–18 Monate |
| Analoge Maschine Kein digitaler Ausgang, vor 2000 |
Konventionelle Drehen, Fraesen, Stanzen | 1.500–3.000 EUR | 2.000–5.000 EUR | 3.500–8.000 EUR | 18–36 Monate |
| MES-Lizenz (separat) Nicht pro Maschine, sondern pro Anlage |
Alle Maschinentypen | 10.000–80.000 EUR Gesamtlizenz | — | In Gesamtprojekt einkalkulieren | |
20 Maschinen, aktueller OEE 68%, Investition 80.000 EUR (Lizen z + Anbindung).
Bei 8 Prozent OEE-Steigerung auf 76 Prozent und einem Stundensatz von 150 EUR/Maschinenstunde (3-Schicht, 6.000 h/Jahr) erzeugen 20 Maschinen einen Mehrwert von rund 144.000 EUR pro Jahr. Die Investition amortisiert sich in weniger als 7 Monaten. Selbst bei konservativen 4 Prozent OEE-Gewinn betraegt die Payback-Periode unter 14 Monate (eigene Berechnung auf Basis Gartner 2024-Daten).
Welches MES ist stark
bei MDE und BDE?
Sechs relevante Anbieter fuer den DACH-Raum, bewertet nach MDE/BDE-Reife, Protokollunterstuetzung und Marktschwerpunkt. Alle Angaben ohne Sponsored Placement.
MPDV Mikrolab
Hyperion MES aus Mosbach, Marktfuehrer im deutschen Mittelstand. OPC-UA nativ, eigener IIoT-Konnektor fuer Retrofit. Starke BDE-Terminals fuer Shopfloor. OEE-Echtzeit-Dashboard inklusive.
- OPC-UA, PROFINET, S7-Protokoll
- Fertigungstyp: Diskret, Job Shop
- Unternehmensgr.: 50–5.000 MA
Forcam Enisco
FORCE Bridge als universelle MDE-Plattform aus Ravensburg. Verbindet ueber 1.000 Maschinentypen ohne Gateway. Starke Echtzeitanalyse und Shopfloor-KPI-Dashboards fuer globale Fertigungsnetze.
- FORCE Bridge: 1.000+ Maschinentypen
- Fertigungstyp: Diskret, Automotive
- Referenzen: Trumpf, Voith
Proxia Software
MES aus Ebersberg, spezialisiert auf diskrete Fertigung im Mittelstand. Breite OPC-UA-Unterstuetzung, integrierte Instandhaltungsmodule (CMMS) fuer Predictive-Maintenance-Ansaetze.
- OPC-UA nativ, SPS-Direktanbindung
- Fertigungstyp: Diskret, Einzelfertigung
- Unternehmensgr.: 20–500 MA
SAP Manufacturing Execution
SAP ME und SAP Digital Manufacturing Cloud fuer Unternehmen in der SAP-Landschaft. Native ERP-Integration, S/4HANA-Anbindung ohne Middleware. OPC-UA via SAP Edge Services.
- OPC-UA via SAP Edge Services
- Fertigungstyp: Diskret, Prozess
- Voraussetzung: SAP ERP
Siemens Opcenter Execution
Opcenter Execution fuer diskrete und Prozessfertigung. Fuehrt bei Automotive Tier-1 und Aerospace. Nahtlose Integration mit Siemens PLM (Teamcenter) und SCADA (WinCC).
- OPC-UA, PROFINET nativ
- Fertigungstyp: Automotive, Aerospace
- Referenzen: VW, BMW, Airbus
GE Digital Proficy
Proficy Plant Applications fuer kontinuierliche und chargenweise Prozessindustrie. Dominiert in Chemie, Pharma und Lebensmittel. Starke OEE- und SPC-Module, OPC-UA und MQTT nativ.
- OPC-UA, MQTT, OPC-DA
- Fertigungstyp: Prozess, Batch
- Branchen: Chemie, Pharma, Food
Was Fertigungsverantwortliche
am meisten fragen.
Antworten auf die 12 haeufigsten Fragen zu MDE und BDE aus Beratungsgespraechen mit DACH-Fertigungsunternehmen. Jede Antwort ist selbststaeendig verstaendlich.
MDE (Maschinendatenerfassung) erfasst automatisch technische Daten direkt von der Maschine: Laufzeiten, Taktzeiten, Stoermeldungen und Energieverbrauch, ohne Mitarbeitereingriff. BDE (Betriebsdatenerfassung) erfasst auftrags- und personalbezogene Daten, die Mitarbeiter aktiv am Terminal eingeben: Gut- und Ausschussstuecke, Stoergruende und Auftragsstatus. Erst beide Datenstroeme zusammen ergeben den vollstaendigen OEE-Wert nach VDMA-Norm (Verfuegbarkeit x Leistungsgrad x Qualitaetsrate).
Eine Pilotanbindung fuer eine einzelne Maschine dauert typischerweise 2 bis 6 Wochen. Die groessten Zeitfresser sind die IT/OT-Netzwerkklaerung (Firewall-Freigaben, VLAN-Konfiguration) und die erste Signalkonfiguration. Mit OPC-UA und einem gut dokumentierten MES geht es schneller. Nach erfolgreichem Pilot beschleunigt sich der Rollout auf 2 bis 5 Tage pro Maschine durch Konfigurationsvorlagen.
OPC-UA (OPC Unified Architecture, IEC 62541) ist ein herstellerunabhaengiges Industrieprotokoll der OPC Foundation. Es ermoeglicht sichere, plattformunabhaengige Datenuebertragung zwischen Maschinen und MES ueber TCP/IP auf Port 4840. OPC-UA ist bevorzugter MDE-Standard, weil es semantische Datenmodelle (Companion Specs), integrierte Verschluesselung und Authentifizierung mitbringt. Laut VDMA nutzen ueber 70 Prozent der neu installierten Industriemaschinen im DACH-Raum OPC-UA (VDMA Digitalisierungsstudie 2024).
Fuer moderne Maschinen mit OPC-UA entstehen nur Konfigurationskosten: 1 bis 3 Tage Dienstleistung (1.000 bis 3.000 Euro). Fuer aeltere Maschinen mit Retrofit-Gateway: Hardware 500 bis 2.000 Euro plus 2.000 bis 5.000 Euro Inbetriebnahme. Insgesamt 1.500 bis 8.000 Euro je Maschine. Bei 20 Maschinen amortisiert sich die Investition durch OEE-Steigerung in 12 bis 24 Monaten (Gartner 2024: 8 bis 15 Prozent OEE-Gewinn im Median).
Im DACH-Raum sind MPDV (Hyperion-Plattform, Mosbach), Forcam Enisco (FORCE Bridge, Ravensburg) und Proxia (Ebersberg) besonders stark fuer den Mittelstand. Fuer SAP-Landschaften ist SAP Manufacturing Execution relevant. Siemens Opcenter Execution fuehrt bei Automotive Tier-1 und Aerospace. GE Digital Proficy dominiert in Prozessindustrie und Chemie. Alle genannten Anbieter unterstuetzen OPC-UA nativ.
Fuer Maschinen ohne digitale Schnittstelle (oft Baujahr vor 2000) gibt es drei Retrofit-Ansaetze: Erstens IIoT-Gateways, die analoge Signale (0–10V, 4–20mA) oder Digitalkontakte erfassen und in OPC-UA uebersetzen, ab ca. 500 Euro. Zweitens Energiemessgeraete, die aus dem Strombezug den Maschinenstatus und grobe Taktzeiten ableiten. Drittens manuelle BDE-Terminals am Maschinenarbeitsplatz. Die Wahl haengt von der wirtschaftlichen Bedeutung der Maschine ab.
MDE legt die Datenbasis, ist aber selbst kein PM-System. Fuer regelbasiertes Predictive Maintenance nach Betriebsstunden oder Zyklusanzahl reichen MDE-Daten direkt aus dem MES. Fuer echtes ML-basiertes PM, das aus Vibrationsdaten und Temperaturverlaeufen Ausfaelle vorhersagt, sind zusaetzliche Sensorik (z.B. ifm VSE, Prueftechnik Vibguard) und spezialisierte Software noetig. MES-Anbieter wie MPDV und Forcam bieten entsprechende Konnektoren.
Integriertes MDE im MES hat klare Vorteile ab 10 Maschinen: keine doppelte Datenhaltung, direkte Verknuepfung von Maschinenstatus mit Auftrags- und Qualitaetsdaten, geringere Schnittstellenkomplexitaet. Separate OEE-Tools (Eschbach, Workerbase, Redzone) sind sinnvoll fuer schnelle OEE-Transparenz ohne vollwertiges MES. Fuer Unternehmen mit aktiver Fertigungssteuerung empfehlen wir das integrierte MES-Modul, da ein separates OEE-Tool spaeter sowieso integriert werden muss.
Datenzugriff wird im MES rollenbasiert gesteuert. Schichtfuehrer sehen ihre Maschinengruppe in Echtzeit, Produktionsleiter alle Linien und historische Auswertungen, Instandhaltung die Stoerungshistorie. In mitbestimmungspflichtigen Betrieben muessen Betriebsvereinbarungen nach BetrVG Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 6 geschlossen werden, die Umfang und Verwendung der Leistungsdaten regeln. Reine Maschinendaten ohne Personenbezug sind weniger reguliert als BDE-Daten, aus denen individuelle Mitarbeiterleistung ableitbar ist.
Zeiterfassung erfasst Kommen- und Gehenzeiten fuer die Lohnbuchhaltung. BDE im MES erfasst produktionsbezogene Daten: An welchem Auftrag hat ein Mitarbeiter wann gearbeitet, welche Stueckzahlen wurden produziert, welche Stoergruende wurden gemeldet. BDE-Daten fliessen in Kalkulation, OEE-Berechnung und Kapazitaetsplanung ein. Beide Systeme koennen verbunden werden, sind aber konzeptionell getrennt und unterliegen unterschiedlichen Mitbestimmungsregelungen.
MQTT fuer IoT-Sensoren und Edge-Computing (hochfrequente Sensordaten), PROFINET/Profibus fuer Siemens-SPS-Landschaften, EtherNet/IP fuer Allen-Bradley-Steuerungen von Rockwell Automation, MTConnect als XML-basierter US-Standard fuer CNC-Maschinen (Mazak, Okuma, Haas) sowie REST-APIs fuer softwarebasierte Maschinen und Pruefstands-Software. Moderne MES-Systeme unterstuetzen alle gaengigen Protokolle ueber universelle Konnektoren oder OPC-UA-Gateway-Hardware.
Bei 20 Maschinen und einer typischen OEE-Steigerung von 8 bis 15 Prozent (Gartner Manufacturing Report 2024) amortisiert sich die Investition in 12 bis 24 Monaten. Groessere Betriebe mit hoher Maschinenauslastung und klaren Engpassmaschinen erreichen den ROI oft schon nach 12 Monaten. Die groessten Einsparungen entstehen durch Reduzierung ungeplanter Stillstaende und bessere Kapazitaetsauslastung.
Die Datenerfassung steht.
Was liegt darüber und darunter?
MDE und BDE sind selten der einzige Baustein auf dem Shopfloor. Diese acht Seiten ordnen die Erfassung gegen die Leitebene ab, zeigen den Umbauweg, führen von den Rohdaten zur Kennzahl und liefern die Begriffe für die Abstimmung mit der Automatisierungstechnik.
SCADA durch MES ersetzen oder ergänzen
Wenn die Maschinendaten heute über ein SCADA-System laufen, klärt diese Seite Reihenfolge, Aufwand und Kostenspannen des Umbaus. Enthält eine Wenn-dann-Matrix für Ersetzen, Ergänzen oder Belassen.
MES vs. SCADA: Unterschied und Zusammenspiel
Ordnet MDE und BDE sauber gegen die Prozessvisualisierung ab und zeigt, welche Signale auf welcher ISA-95-Ebene ausgewertet werden. Beantwortet die Frage, ob eine vorhandene SCADA-Anbindung die Maschinendatenerfassung bereits abdeckt.
OPC UA für MES: Maschinenanbindung und OT-Sicherheit
Vertieft das Protokoll, über das ein Grossteil der MDE-Anbindung läuft: Informationsmodell, Companion Specifications und die Absicherung der IT/OT-Grenze nach IEC 62443. Klärt, wann ein Edge Gateway nötig bleibt.
OEE berechnen: Formel und Bezugsbasis nach ISO 22400
Aus MDE- und BDE-Signalen wird erst durch die richtige Bezugsbasis eine belastbare Kennzahl. Zeigt Formel, Benchmarks und die typischen Rechenfehler, die einen OEE-Wert unvergleichbar machen.
Papierlose Fertigung: Laufkarte und Prüfprotokoll digital
BDE-Terminals ersetzen den Laufzettel nur zum Teil. Diese Seite zeigt, welche Papierdokumente in der Fertigung real digital ersetzt werden, welche bleiben und in welcher Reihenfolge der Umstieg gelingt.
Traceability im MES: Verfolgungstiefe und Rückrufszenarien
Erklärt, welche Verfolgungstiefe die erfassten Maschinen- und Betriebsdaten tragen müssen, damit ein Rückruf auf Charge oder Seriennummer eingegrenzt werden kann. Mit Umsetzungsschritten und Rückrufszenarien.
MES-Glossar: 93 Fachbegriffe erklärt
Definiert die Erfassungs- und Protokollbegriffe aus diesem Artikel, von OPC UA über MQTT bis Edge Gateway. Nützlich bei der Abstimmung mit Instandhaltung und Automatisierungstechnik.
Excel in der Fertigung ablösen
Zeigt, was manuelle Erfassung über Laufzettel und Schichtbuch real kostet, gerechnet in Stunden pro Woche. Der Vergleichsmaßstab, gegen den sich eine automatisierte Maschinenanbindung rechnen muss.
Welches MES passt zu
Ihrem Maschinenpark?
Sectorlens gleicht Ihre Fertigungsumgebung gegen 120 geprüfte MES-Systeme im DACH-Raum ab und zeigt, welche MDE- und BDE-Architektur zu Ihrem Maschinenpark passt, welche Anbieter in Frage kommen und was die nächsten konkreten Schritte sind. Herstellerneutral und ohne Anbieterprovision.