MES · Architektur, Integration & Schnittstellen

SECS/GEM im MES: Der Kommunikationsstandard der Halbleiterfertigung

SECS/GEM ist seit Jahrzehnten der von SEMI gepflegte Standard für die Kommunikation zwischen Fertigungsanlagen und MES in der Halbleiterindustrie. Diese Seite ordnet ein, was GEM (SEMI E30) und SECS-II (SEMI E5) konkret regeln und was das für die MES-Auswahl in der Halbleiter- und Mikrosystemfertigung bedeutet.

E30
SEMI-Standard für GEM, das übergeordnete Kommunikationsverhalten
E5
SEMI-Standard für SECS-II, die konkrete Nachrichtenstruktur
GEM300
Standard-Familie für 300-mm-Wafer-Fabs (u.a. E40, E87, E90)
1980er
Seit dieser Dekade etablierter De-facto-Standard der Halbleiterfertigung
SEMI E30 (GEM) SEMI E5 (SECS-II) Halbleiterfertigung Factory Host
Hintergrund

Zwei Standards, eine Kommunikationsschicht

SECS/GEM ist kein einzelner Standard, sondern die Kombination zweier von SEMI gepflegter Spezifikationen, die zusammen die Kommunikation zwischen Fertigungsanlage und MES regeln.

GEM, formal SEMI-Standard E30, beschreibt das Generic Model for Communications and Control of Manufacturing Equipment, also wie Kommunikations- und Steuerungsfähigkeiten zwischen einem Factory Host (dem MES) und der Fertigungsanlage unterstützt werden sollen, einschließlich strukturierter Zustandsmodelle etwa für Verbindungsaufbau und Anlagenstatus. GEM ist dabei eine Implementierung des darunterliegenden SECS-II-Standards, formal SEMI-Standard E5, der die konkrete Struktur der Nachrichteninhalte über Streams und Functions definiert.

Detaillierte Szenarien legen fest, welche genaue Abfolge und Teilmenge der in SEMI E5 definierten SECS-II-Nachrichten für eine bestimmte Fähigkeit genutzt wird und welche unterstützenden Anlagendaten dabei bereitgestellt werden müssen. Diese Kombination macht SECS/GEM zu einem der ältesten und am tiefsten dokumentierten Maschine-zu-MES-Standards überhaupt.

Protokollhierarchie

Vier Ebenen, nicht ein Standard

"SECS/GEM" wird umgangssprachlich als ein Standard behandelt, ist aber eine Kombination aus vier separat geführten SEMI-Standards auf zwei Schichten: Transport und Nachrichteninhalt.

SEMI E4 · Transport

SECS-I

Der ursprüngliche Transportmechanismus für SECS-Nachrichten über eine serielle RS-232-Verbindung. Historisch die erste Wahl, technisch durch die geringe Bandbreite seriell begrenzt.

SEMI E37/E37.1 · Transport

HSMS

High-Speed SECS Message Services, der TCP/IP-basierte Nachfolger von SECS-I auf der Transportebene. HSMS ersetzt die serielle Verbindung, das SECS-II-Nachrichtenformat bleibt dabei unverändert bestehen.

SEMI E5 · Nachrichteninhalt

SECS-II

Definiert Struktur, Dateninhalte, erwartete Antworten und Ausnahmebehandlung der eigentlichen Nachrichten, unabhängig davon, ob sie über SECS-I oder HSMS transportiert werden.

SEMI E30 · Anwendungsverhalten

GEM

Die oberste Schicht: definiert, wie Host und Anlage sich auf Basis der SECS-II-Nachrichten grundsätzlich verhalten sollen, etwa bei Verbindungsaufbau, Zustandsmodellen und Ereignisberichten.

In der Praxis hat HSMS SECS-I bei Neuanlagen weitgehend abgelöst, da TCP/IP-Netzwerke höhere Datenraten erlauben. Altanlagen mit reiner SECS-I-Schnittstelle sind aber weiterhin im Feld und benötigen entweder eine serielle Anbindung oder einen Protokollkonverter.

Nachrichtenstruktur

Streams und Functions an konkreten Beispielen

Die abstrakte Struktur wird greifbarer anhand einiger der am häufigsten genutzten SECS-II-Stream-Gruppen.

Stream 1

Equipment Check

Grundlegende Statusabfragen zwischen Host und Anlage, etwa ob die Anlage online und kommunikationsbereit ist.

Stream 2

Equipment Control and Diagnostics

Befehle zur Steuerung der Anlage sowie diagnostische Abfragen, etwa zum Setzen von Anlagenparametern.

Stream 5

Exception Handling

Alarmmeldungen und Ausnahmebehandlung, zentral für die Überwachung kritischer Anlagenzustände in Echtzeit.

Stream 6

Data Collection

Übertragung von Prozess- und Ereignisdaten an den Host, Grundlage für Traceability und Prozessüberwachung im MES.

Stream 7

Process Program Management

Verwaltung und Übertragung von Rezepten (Process Programs) zwischen Host und Anlage, inklusive Versionsabgleich vor Auftragsstart.

Stream 10

Terminal Services

Textnachrichten zwischen Host und Bedienpersonal direkt am Anlagenterminal, etwa für Eingriffsanweisungen bei Ausnahmen.

Jede Function innerhalb eines Streams definiert eine konkrete Anfrage oder Antwort. Ein MES mit vollständiger SECS/GEM-Implementierung unterstützt in der Praxis nur eine Teilmenge aller theoretisch möglichen Streams und Functions, abgestimmt auf den jeweiligen Anlagentyp.

Anwendungsfälle

Wofür SECS/GEM im MES-Alltag genutzt wird

Sechs wiederkehrende Anwendungsfelder, in denen SECS/GEM die Anlagenanbindung im MES trägt.

Equipment-Monitoring

Anlagenstatus in Echtzeit

Kontinuierliche Statusüberwachung, ob eine Anlage produktiv, im Wartungsmodus oder gestört ist, als Grundlage für Verfügbarkeitskennzahlen.

Recipe Management

Rezeptübertragung an die Anlage

Übertragung von Prozessrezepten vom MES an die Anlage vor Auftragsstart, zentral für die hochpräzise, variantenreiche Halbleiterfertigung.

Alarm-Management

Ausnahmebehandlung in Echtzeit

Über Stream 5 gemeldete Alarme und Ausnahmen ermöglichen sofortige Reaktion, statt Störungen erst bei der nächsten manuellen Prüfung zu bemerken.

Traceability

Prozessdatenerfassung

Über Stream 6 erfasste Prozess- und Ereignisdaten je Wafer oder Baugruppe bilden die Grundlage für lückenlose Rückverfolgbarkeit.

Cycle-Time-Tracking

Durchlaufzeiten je Prozessschritt

Zeitstempel aus Statuswechseln der Anlage erlauben eine feingranulare Messung von Bearbeitungs- und Wartezeiten je Los oder Wafer.

Multi-Chamber-Koordination

Abstimmung komplexer Anlagen

Bei Cluster-Tools mit mehreren Prozesskammern koordiniert SECS/GEM den Datenaustausch je Kammer, damit das MES den Zustand der Gesamtanlage konsistent abbildet.

Anlagenhersteller

Wer SECS/GEM nativ implementiert

SECS/GEM wird nicht vom MES allein getragen, sondern vor allem von den Fertigungsanlagen selbst. Vier Beispiele aus der Praxis, deren Ausstattung öffentlich dokumentiert ist.

Herstellerangabe

Applied Materials

Größter Halbleiteranlagenhersteller weltweit, dessen Systeme durchgängig mit GEM-konformer Schnittstelle für die Host-Anbindung ausgeliefert werden.

Herstellerangabe

ASML

Lithografie-Systeme für die Chipfertigung, deren Steuerungssoftware SECS/GEM-Konnektivität zur Anbindung an den Factory Host vorsieht.

Herstellerangabe

Tokyo Electron

Anbieter von Ätz-, Beschichtungs- und Reinigungsanlagen mit dokumentierter GEM300-Unterstützung für den Einsatz in 300-mm-Wafer-Fabs.

Herstellerangabe

Lam Research

Ätz- und Abscheidungsanlagen für die Halbleiterfertigung, ebenfalls mit SECS/GEM als Standard-Schnittstelle zur MES-Anbindung.

Diese vier Namen stehen stellvertretend für einen breiteren Markt: In der Halbleiter-Fab-Ausrüstung ist SECS/GEM so verbreitet, dass eine Anlage ohne diese Schnittstelle heute die Ausnahme ist, nicht die Regel.

Umsetzungsweg

Native Unterstützung oder Middleware-Ansatz

Nicht jede Anlage kommt mit eingebauter SECS/GEM-Schnittstelle. Zwei grundsätzlich unterschiedliche Wege führen trotzdem zur MES-Anbindung.

AnsatzWie es funktioniertTypisches BeispielWann sinnvoll
Native ImplementierungDer Anlagenhersteller liefert die GEM-Schnittstelle bereits ab Werk mit, meist über ein SDK wie Cimetrix CIMConnect in die Anlagensteuerung integriert.Applied Materials, ASML, Tokyo Electron, Lam ResearchNeuanlagen, Erstausrüstung, wenn Hersteller SECS/GEM dokumentiert unterstützt.
Middleware / GatewayEin zusätzliches Gateway-Produkt übersetzt zwischen der proprietären Anlagenschnittstelle und SECS/GEM, ohne die Anlagensteuerung selbst zu verändern.MKS SenseStream SECS/GEM GatewayAltanlagen ohne native Unterstützung, bei denen ein Steuerungsumbau unwirtschaftlich wäre.
SDK-EigenentwicklungIntegratoren oder das MES-Systemhaus entwickeln mit einem Toolkit wie Cimetrix CIMConnect eine kundenspezifische Schnittstelle für eine bestimmte Anlage.Projektspezifische IntegratorenlösungSonderanlagen oder wenn weder native Unterstützung noch Standard-Gateway passt.

Fachquellen wie Cimetrix selbst weisen darauf hin, dass eine nachträgliche SECS/GEM-Nachrüstung bei sehr alten oder vom Hersteller nicht mehr unterstützten Anlagen wirtschaftlich oft nicht mehr sinnvoll ist. In solchen Fällen ist der Ersatz der Anlage häufig die realistischere Option als die Nachrüstung.

Erweiterung

GEM300: die Zusatzstandards für 300-mm-Wafer-Fabs

Mit dem Übergang zu 300-mm-Wafern in Großfabs reichte reines SECS/GEM nicht mehr aus. GEM300 bündelt fünf zusätzliche SEMI-Standards, die auf SECS/GEM aufbauen.

SEMI E40

Processing Management

Standardisiert die Steuerung und Überwachung von Fertigungsjobs auf Anlagenebene, inklusive Job-Warteschlangen und Prozessabfolgen.

SEMI E87

Carrier Management

Regelt die Verfolgung von Wafer-Carriern (FOUPs) an der Anlage, einschließlich Andock- und Zugriffsstatus.

SEMI E90

Substrate Tracking

Verfolgt einzelne Wafer/Substrate innerhalb eines Carriers während der Bearbeitung, Voraussetzung für lückenlose Wafer-Traceability.

SEMI E94

Control Job Management

Koordiniert komplexere Fertigungsaufträge, die mehrere Process Jobs über verschiedene Carrier und Substrate hinweg zusammenfassen.

SEMI E116

Equipment Performance Tracking

Standardisiert die Erfassung von Anlagenzuständen für OEE-nahe Kennzahlen, etwa Produktiv-, Stillstands- und Wartungszeiten.

GEM300 ist keine Ablösung von SECS/GEM, sondern eine Erweiterung: Die Basis-Kommunikation läuft weiterhin über SECS-II und GEM, während die GEM300-Standards zusätzliche, für 300-mm-Fabs typische Anforderungen wie Carrier- und Substrate-Tracking abdecken. Für kleinere Fabs oder ältere 200-mm-Linien ist GEM300 in der Regel nicht relevant.

Einordnung

SECS/GEM im Vergleich zu anderen Anbindungsstandards

SECS/GEM ist branchenspezifisch und deutlich älter als viele andere MES-Anbindungsstandards, was Vor- und Nachteile mit sich bringt.

StandardBranche/ScopeAlter/ReifeTechnische Basis
SECS/GEMHalbleiter-, zunehmend ElektronikfertigungSehr etabliert, jahrzehntelang im EinsatzSEMI E5/E30, eigenständiges Protokoll
GEM300300-mm-Wafer-Fabs (Erweiterung von SECS/GEM)Etabliert seit den 2000ern in GroßfabsSEMI E40/E87/E90/E94/E116 auf SECS/GEM-Basis
OPC UABranchenübergreifendEtabliert, breite Industrie-4.0-VerbreitungIEC 62541
EUROMAP 77/79Kunststoff- und GummimaschinenNeuer als SECS/GEM, wachsende VerbreitungOPC UA (IEC 62541)
IPC-Hermes-9852Elektronikfertigung (SMT-Linien)Jünger, seit 2013 als offener StandardXML-basiertes Maschine-zu-Maschine-Protokoll
MQTT/Sparkplug BIoT- und Edge-nahe KonnektivitätEtabliert im IoT-Umfeld, jünger im klassischen MES-KontextMQTT-Protokoll

Anders als bei neueren, OPC-UA-basierten Standards ist SECS/GEM ein eigenständiges Protokoll ohne direkte Verwandtschaft zu OPC UA oder EUROMAP. Für die Halbleiterfertigung bleibt es dennoch der De-facto-Standard, den kein branchenübergreifendes Protokoll bislang verdrängt hat. GEM300 baut direkt auf SECS/GEM auf und adressiert die zusätzliche Komplexität von 300-mm-Großfabs, während IPC-Hermes-9852 ein eigenständiger, jüngerer Standard für die Elektronikfertigung ist.

Praxis

Was das für die MES-Auswahl bedeutet

Sechs Punkte, die Fertigungsunternehmen mit Halbleiter- oder Mikrosystembezug prüfen sollten.

01

SECS/GEM-Unterstützung ist praktisch Pflicht

In der Halbleiterfertigung implementieren nahezu alle relevanten Anlagenhersteller SECS/GEM, ein MES ohne native Unterstützung ist hier kaum praxistauglich.

02

Ausbreitung über die Halbleiterindustrie hinaus

Fachbeiträge zeigen, dass sich SECS/GEM zunehmend auch in verwandten Branchen wie der Elektronik- und Mikrosystemfertigung durchsetzt.

03

Konverter als Notlösung

Ohne native Unterstützung braucht es einen zusätzlichen SECS/GEM-Treiber oder Konverter zwischen Anlage und MES, mit entsprechendem Wartungsaufwand.

04

Anbieterspezialisierung prüfen

Anbieter wie Critical Manufacturing positionieren sich explizit für High-Mix- und Halbleiterfertigung, eine anlagenspezifische Prüfung ersetzt das aber nicht.

05

Nicht jede Implementierung deckt denselben Funktionsumfang

Zwei als SECS/GEM-kompatibel beworbene Anlagen können unterschiedliche Teilmengen an Streams und Functions unterstützen, ein Funktionsabgleich vor Projektstart ist notwendig.

06

Spezialisiertes Know-how selten breit verfügbar

SECS/GEM-Expertise ist stärker auf spezialisierte Integratoren konzentriert als etwa OPC-UA-Wissen, was Verfügbarkeit und Kosten von Implementierungspartnern beeinflusst.

Vorgehen

Sechs Schritte zur SECS/GEM-tauglichen MES-Auswahl

Eine strukturierte Prüfung verhindert, dass Lücken im Funktionsumfang erst nach Vertragsabschluss auffallen.

01

Anlagenpark inventarisieren

Erfassen, welche Fertigungsanlagen SECS/GEM bereits unterstützen und welche Streams/Functions jeweils implementiert sind. Bei 300-mm-Fabs zusätzlich prüfen, welche GEM300-Standards (E40, E87, E90) die jeweilige Anlage abdeckt.

02

Funktionsumfang im Lastenheft festlegen

Konkrete Streams und Functions benennen, die für die eigenen Anwendungsfälle wie Recipe Management oder Alarm-Management benötigt werden. Allgemeine Aussagen zu „SECS/GEM-Kompatibilität“ ohne diese Konkretisierung führen regelmäßig zu Lücken im Betrieb.

03

Referenzprojekte in der Halbleiterfertigung prüfen

Nach dokumentierten SECS/GEM-Implementierungen des MES-Anbieters bei vergleichbaren Anlagentypen und Fab-Größen fragen. Referenzen aus artverwandten Branchen wie der Elektronikfertigung sind ein zusätzliches, aber kein gleichwertiges Signal.

04

Integratoren-Verfügbarkeit klären

Da SECS/GEM-Know-how spezialisierter ist als bei branchenübergreifenden Standards, frühzeitig verfügbare Implementierungspartner identifizieren. Das gilt besonders für GEM300-Erweiterungen, für die es weniger Spezialisten gibt als für Basis-SECS/GEM.

05

Konverter-Bedarf für Altanlagen einplanen

Für Anlagen ohne native Unterstützung Budget und Zeit für einen SECS/GEM-Treiber oder Konverter einkalkulieren. Diese Konverter decken meist nur eine Teilmenge der Streams ab, ein Funktionsabgleich vor Beschaffung ist daher Pflicht.

06

Pilotanlage vor Rollout validieren

Vor der flächendeckenden Einführung eine einzelne Anlage oder Anlagenklasse als Pilot anbinden, um Datenqualität und Timing der SECS/GEM-Nachrichten unter Realbedingungen zu prüfen. Erst danach auf weitere Anlagen desselben Typs ausrollen.

Häufige Fragen

SECS/GEM im MES: 13 Fragen aus der Praxis

Antworten, die auch ohne den Rest dieser Seite verständlich sind.

Was bedeutet SECS/GEM?

SECS/GEM ist ein von der Branchenorganisation SEMI gepflegter Kommunikationsstandard für die Halbleiterfertigung. GEM steht für Generic Model for Communications and Control of Manufacturing Equipment und ist formal als SEMI-Standard E30 geführt. SECS-II, formal SEMI-Standard E5, definiert darunter die konkrete Struktur der Nachrichteninhalte.

Was ist der Unterschied zwischen SECS-I, HSMS, SECS-II und GEM?

SECS-I (SEMI E4) und HSMS (SEMI E37/E37.1) sind reine Transportprotokolle, seriell über RS-232 bei SECS-I, TCP/IP-basiert bei HSMS. SECS-II (SEMI E5) definiert unabhängig vom Transportweg die Nachrichtenstruktur selbst. GEM (SEMI E30) setzt als Verhaltensschicht obendrauf und regelt, wie Host und Anlage diese Nachrichten grundsätzlich einsetzen. HSMS hat SECS-I bei Neuanlagen weitgehend abgelöst, das SECS-II-Nachrichtenformat blieb dabei unverändert.

Was regelt SEMI E30 (GEM) konkret?

SEMI E30 beschreibt, wie Kommunikations- und Steuerungsfähigkeiten zwischen einem Factory Host, also dem MES, und der Fertigungsanlage unterstützt werden sollen. Der Standard definiert die übergeordnete Kommunikationslogik einschließlich strukturierter Zustandsmodelle, etwa für den Verbindungsaufbau und den Anlagenstatus.

Was ist GEM300 und wann ist es relevant?

GEM300 ist eine Familie zusätzlicher SEMI-Standards (u.a. E40, E87, E90, E94, E116), die auf SECS/GEM aufbauen und speziell für 300-mm-Wafer-Fabs entwickelt wurden. Sie regeln unter anderem Carrier- und Substrate-Tracking sowie Job-Management. Für kleinere Fabs oder ältere 200-mm-Linien ist GEM300 in der Regel nicht relevant.

Können MPDV oder FORCAM Halbleiterfertigung mit SECS/GEM bedienen?

MPDV bietet mit HYDRA for Electronics eine dokumentierte Lösung für die Elektronikfertigung mit Anbindung von Bestückungsautomaten wie ASM SIPLACE, Mycronic oder Fuji, das ist Leiterplattenmontage auf Baugruppenebene, nicht Halbleiter-Waferfertigung. FORCAM ENISCO ist auf diskrete Fertigung etwa in der Automobilindustrie spezialisiert. Für echte Halbleiter-Waferfabs mit SECS/GEM- und GEM300-Anforderungen sind auf diese Branche spezialisierte Anbieter wie Critical Manufacturing die dokumentiertere Wahl.

Ist SECS/GEM nur für die Halbleiterindustrie relevant?

Ursprünglich ja, SECS/GEM wurde für die Halbleiterfertigung entwickelt und ist dort seit Jahrzehnten Standard. Fachbeiträge zeigen jedoch, dass sich der bewährte Standard zunehmend auch in verwandten Branchen wie der Elektronik- und Mikrosystemfertigung durchsetzt.

Welche Rolle spielen Streams und Functions in SECS-II?

Streams und Functions sind die Grundbausteine der SECS-II-Nachrichtenstruktur. Ein Stream gruppiert thematisch verwandte Nachrichten, während eine Function innerhalb eines Streams eine konkrete Anfrage oder Antwort definiert. Detaillierte Szenarien legen fest, welche genaue Abfolge dieser Nachrichten für eine bestimmte Fähigkeit genutzt wird.

Muss ein MES SECS/GEM nativ unterstützen, um Halbleiteranlagen anzubinden?

Für Fertigungsunternehmen in der Halbleiter- oder Mikrosystemfertigung ist dokumentierte SECS/GEM-Unterstützung praktisch eine Grundvoraussetzung, da nahezu alle relevanten Anlagenhersteller diesen Standard implementieren. Ohne native Unterstützung muss ein zusätzlicher Treiber oder Konverter eingesetzt werden.

Wie unterscheidet sich SECS/GEM von OPC UA?

SECS/GEM ist ein branchenspezifischer Standard der Halbleiterfertigung mit jahrzehntelanger Verbreitung, während OPC UA ein branchenübergreifender, international genormter Kommunikationsstandard (IEC 62541) ist. Beide Standards verfolgen ähnliche Ziele, unterscheiden sich aber in Nachrichtenmodell und Branchenverbreitung.

Welche Streams und Functions sind in der Praxis am wichtigsten?

Besonders häufig genutzt werden Stream 1 für grundlegende Statusprüfungen, Stream 2 für Steuerungsbefehle und Diagnostik, Stream 5 für Alarm- und Ausnahmebehandlung sowie Stream 6 für die Datenerfassung. Welche konkreten Functions innerhalb dieser Streams tatsächlich benötigt werden, hängt vom jeweiligen Anwendungsfall ab.

Was kostet die Nachrüstung einer Anlage ohne SECS/GEM-Unterstützung?

Belastbare, allgemeingültige Kostenangaben existieren nicht, da der Aufwand vom Anlagentyp und dem gewünschten Funktionsumfang abhängt. Ein Gateway-Produkt wie MKS SenseStream oder ein SDK-basierter Eigenbau über Cimetrix CIMConnect ist in der Regel günstiger als eine Nachrüstung der Anlagensteuerung selbst, verursacht aber laufenden Wartungsaufwand. Bei sehr alten, nicht mehr herstellerseitig unterstützten Anlagen ist laut Fachquellen oft der Anlagenersatz wirtschaftlicher als die Nachrüstung.

Wie unterscheidet sich SECS/GEM von EUROMAP oder OPC UA?

SECS/GEM ist ein eigenständiges Protokoll ohne direkte technische Verwandtschaft zu OPC UA. EUROMAP 77/79 hingegen baut, wie OPC UA selbst, auf dem branchenübergreifenden OPC-UA-Standard auf, ist aber für Kunststoff- und Gummimaschinen statt Halbleiteranlagen ausgelegt. Alle drei lösen das gleiche Grundproblem der Maschinenanbindung für unterschiedliche Branchen.

Wie prüfe ich, ob ein MES-Anbieter SECS/GEM wirklich vollständig unterstützt?

Empfehlenswert ist, konkrete Streams und Functions, die für die eigenen Anwendungsfälle benötigt werden, explizit im Lastenheft abzufragen und nach dokumentierten Referenzprojekten mit vergleichbaren Anlagentypen zu fragen. Eine allgemeine Aussage zu SECS/GEM-Kompatibilität sagt nichts darüber aus, welche Teilmenge des Standards tatsächlich implementiert ist.

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