MES für Chemie und Prozessindustrie

MES Chemie: Rezepturen, Batch-Records
und Gefahrstoffe

Ein Manufacturing Execution System (MES) steuert und dokumentiert die Fertigung zwischen ERP und Anlage. In der Chemie und der übrigen Prozessindustrie im DACH-Raum heißt das etwas anderes als in der Stückfertigung: Rezepturen versioniert freigeben und auf die tatsächliche Chargengröße skalieren, den Master Batch Record in einen Executed Batch Record überführen, Einwaagen gegen den Ist-Gehalt der Rohstoffcharge rechnen, Ausbeute je Prozessstufe auswerten und jedes Gebinde vom Wareneingang bis zum Endprodukt verknüpfen. Diese Seite fasst zusammen, welche Funktionen ein MES für Prozessfertigung im Standard mitbringen muss, welche Regelwerke den Nachweis verlangen und welche Anbieter einen dokumentierten Prozessfokus haben. Grundlage sind über 50 MES-Auswahlprojekte von Sectorlens seit 2022, Stand August 2026.

0,1 %
Massenprozent-Schwelle, ab der Artikel 33 der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 die Informationspflicht über Kandidatenlistenstoffe im Erzeugnis auslöst
IEC 61512
Normenreihe zur Chargensteuerung, Teil 4 aus dem Jahr 2009 definiert das Referenzmodell für Batch Production Records
10
branchenspezifische MES-Funktionen, die in Systemen aus der diskreten Fertigung selten im Standard enthalten sind
50+
MES-Auswahlprojekte von Sectorlens seit 2022 (eigene Erhebung, Stand August 2026)
Rezepturverwaltung Master Batch Record Chargenskalierung Ausbeute und Yield Gefahrstoffe REACH und CLP Prozessleitsystem Waagenanbindung
Branchenprofil

Warum Prozessfertigung
ein anderes MES braucht

Die Chemie ist keine Sonderform der Stückfertigung, sie funktioniert grundlegend anders. Drei Unterschiede entscheiden darüber, ob ein System den Betrieb steuert oder nur mitschreibt. Wer sie in der Anforderungsliste übersieht, kauft ein sauber gebautes MES für diskrete Fertigung und stellt in der Realisierung fest, dass die zentralen Objekte im Datenmodell fehlen. Die Begriffe rund um Chargen, Rezepturen und Rückverfolgung sind im MES-Glossar erklärt.

Unterschied 01

Rezeptur statt Arbeitsplan

Ein Arbeitsplan beschreibt eine Folge von Arbeitsgängen an einem Teil: drehen, fräsen, entgraten, prüfen. Eine Rezeptur beschreibt stattdessen, welche Stoffe in welcher Menge, in welcher Reihenfolge, bei welcher Temperatur und über welche Haltezeit zusammengeführt werden. Das Ergebnis ist keine Stückzahl, sondern eine Masse oder ein Volumen mit einer Spezifikation.

Daraus folgt eine klare MES-Anforderung: Die Rezeptur muss ein eigenes Stammdatenobjekt mit Versionsstand, Freigabestatus, Gültigkeitszeitraum und Änderungshistorie sein, nicht ein Textfeld am Artikel. Die Normenreihe IEC 61512, in Nordamerika als ANSI/ISA-88 bekannt, liefert dafür seit 1997 die Modelle und die Terminologie, einschließlich der Unterscheidung von Grund-, Standort-, Leit- und Steuerrezeptur.

  • Rezeptur als versioniertes Objekt mit Freigabe-Workflow
  • Prozessparameter je Schritt statt Vorgabezeit je Arbeitsgang
  • Trennung zwischen Rezepturinhalt und Anlagenzuordnung
Unterschied 02

Ausbeute statt Stückzahl

In der Stückfertigung ist die Zielmenge erreichbar: Aus 500 Rohlingen entstehen 500 Teile, abzüglich Ausschuss. In der Prozessfertigung ist die Ausbringung eine physikalische Größe, die aus Rohstoffqualität, Reaktionsführung, Anhaftungen im Reaktor, Verdampfung und Filterrückständen resultiert. Aus derselben Rezeptur entstehen an zwei Tagen 4.180 und 4.320 Kilogramm.

Die MES-Anforderung dahinter: Das System braucht eine Ausbeuteberechnung je Charge und je Prozessstufe, einen hinterlegten Ausbeutekorridor je Rezeptur und die Unterscheidung zwischen rohstoffbedingter Schwankung und echter Abweichung. Eine reine OEE-Betrachtung reicht nicht, weil OEE Verfügbarkeit, Leistung und Qualität bewertet, den Materialverlust aber nicht sichtbar macht.

  • Soll-Ist-Ausbeute je Prozessstufe, nicht nur je Auftrag
  • Ausbeutekorridor mit automatischer Abweichungsmeldung
  • Materialbilanz über Ein- und Ausgänge inklusive Verlusten
Unterschied 03

Kontinuierlicher Prozess statt diskreter Takt

Viele Anlagen kennen keinen Takt. Ein Reaktor fährt 26 Stunden, eine Extrusion läuft im Dauerbetrieb über die Schichtgrenze, eine Trocknung wird nicht gestoppt, weil ein Auftrag endet. Die Grenze zwischen zwei Chargen ist dann eine gesetzte Grenze und keine physische Trennung, und ein Anfahr- oder Abfahrvorgang gehört zu keinem und zu beiden Produkten gleichzeitig.

Die MES-Anforderung: Chargenbildung muss zeit- oder mengengesteuert erfolgen und ohne Bedienereingriff möglich sein, Prozesswerte müssen als Zeitreihe an der Charge hängen statt als Einzelwert an der Rückmeldung, und der Übergang zwischen zwei Produkten braucht eine eigene Behandlung mit Übergangsmenge, Freigabekriterium und Zuordnungsregel.

  • Zeit- oder mengengesteuerte Chargenbildung im Dauerbetrieb
  • Prozesswerte als Zeitreihe an der Charge, nicht als Einzelwert
  • Definierte Behandlung von Anfahr-, Abfahr- und Übergangsmengen

Abgrenzung. Nicht jeder Betrieb ist reine Prozessfertigung. Wer Wirkstoff ansetzt und anschließend abfüllt, etikettiert und palettiert, fährt hybride Fertigung: rezepturgesteuert im vorderen Teil, stückzahlgesteuert im hinteren. Dann muss ein System beide Modelle in einem Auftragsnetz führen können. Verwandte Muster finden Sie bei MES für Kunststoff und Spritzguss, wo Compoundierung und Spritzguss dieselbe Bruchstelle erzeugen, sowie bei MES für die Metallverarbeitung als Gegenbeispiel aus der rein diskreten Welt.

Funktionsumfang

Branchenspezifische MES-Funktionen
und was ohne sie passiert

Betriebsdatenerfassung, Leitstand und Kennzahlen haben alle Anbieter im Programm. Die Unterschiede in der Chemie liegen darunter, im Rezeptur-, Chargen- und Nachweisumfeld. Die folgenden zehn Funktionen entscheiden darüber, ob ein System den Ansatzprozess führt oder ihn nur protokolliert. Behandeln Sie die letzte Spalte als Gesprächsleitfaden und lassen Sie sich jede Antwort am laufenden System zeigen, nicht in der Präsentation. Wie Sie daraus ein bewertbares Dokument machen, beschreibt die Seite zum MES-Lastenheft.

FunktionWarum sie in der Chemie gebraucht wirdWas ohne sie passiertPrüffrage an den Anbieter
Rezepturverwaltung mit Versionierung und Freigabe Eine Rezeptur ist das zentrale Produktionsdokument. Sie ändert sich über die Jahre, jede Fassung muss datiert, freigegeben und einer Charge eindeutig zuordenbar sein. Die Modelle dafür stehen in IEC 61512-1:1997. Rezepturen leben in Word, Excel und im Kopf des Ansatzmeisters. Nach einer Anpassung existieren mehrere Fassungen, und bei einer Reklamation lässt sich nicht belegen, nach welchem Stand die beanstandete Charge gefahren wurde. Ist die Rezeptur ein eigenes Objekt mit Version, Freigabestatus, Gültigkeitszeitraum und Vier-Augen-Freigabe, und welche Rezepturtypen nach IEC 61512 werden unterschieden?
Master und Executed Batch Record Der Master Batch Record ist die freigegebene Herstellvorschrift, der Executed Batch Record die Aufzeichnung dessen, was tatsächlich passiert ist. IEC 61512-4:2009 definiert dafür ein Referenzmodell. Der Ansatz wird auf einem Papierbogen mitgeschrieben, Abweichungen stehen am Rand. Die Chargendokumentation muss vor dem Audit von Hand zusammengesucht und nachgetippt werden, Lücken fallen erst dabei auf. Erzeugt das System den Executed Batch Record automatisch aus dem Master Batch Record, welche Felder sind Pflichtfelder, und wie wird ein Schritt behandelt, der nicht wie vorgesehen ausgeführt werden konnte?
Skalierung der Chargengröße Die freigegebene Rezeptur gilt für eine Nennmenge. Gefahren wird die Menge, die Behälter, Rohstoffverfügbarkeit und Auftragslage zulassen, also 650 statt 1.000 Kilogramm. Die Arbeitsvorbereitung rechnet in Excel um. Fixmengen werden versehentlich mitskaliert, Sollwerte rutschen unter die Waagengenauigkeit, und die tatsächlich gefahrene Rezeptur weicht undokumentiert von der freigegebenen ab. Welche Skalierungsart lässt sich je Rezepturposition einstellen, wie werden Fixmengen, Mindesteinwaagen und nicht skalierende Parameter wie Rührerdrehzahl behandelt, und wer gibt eine skalierte Rezeptur frei?
Substitution von Rohstoffen mit abweichendem Gehalt Technische Qualitäten und Naturstoffe kommen mit einem Gehalt, der je Lieferung schwankt, etwa 96 statt 99 Prozent Aktivsubstanz. Die Einwaage muss gegen den Ist-Gehalt gerechnet werden. Der Ansatzmeister rechnet den Faktor im Kopf oder auf dem Taschenrechner. Die Endkonzentration streut, die Chargengröße wächst unbemerkt, und die Nachvollziehbarkeit der Umrechnung fehlt im Batch-Record. Führt das System je Rohstoffcharge einen Analysewert, rechnet es die Einwaage automatisch gegen diesen Ist-Gehalt, und über welche Ausgleichskomponente wird die Mengendifferenz kompensiert?
Waagen- und Dosieranbindung Die Einwaage ist der kritischste Einzelschritt im Ansatz. Sie muss gegen Sollwert und Toleranz geprüft, dem Gebinde zugeordnet und im Batch-Record festgehalten werden. Werte werden von der Anzeige abgelesen und abgetippt. Zahlendreher bleiben unentdeckt, eine Überdosierung wird erst am Analysenergebnis sichtbar, und der Bezug zwischen Gebinde und Einwaage geht verloren. Welche Waagentypen und Dosiersysteme sind über Standardtreiber angebunden, sperrt das System eine Buchung außerhalb der Toleranz, und kennt es Kalibrier- und Eichfristen je Waage?
Gefahrstoff- und Sicherheitsdatenblattverknüpfung Zu jedem Gefahrstoff gehören Einstufung und Kennzeichnung nach der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 sowie ein Sicherheitsdatenblatt nach Artikel 31 der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006. Beides gehört an den Arbeitsplatz, an dem der Stoff verarbeitet wird. Sicherheitsdatenblätter liegen als PDF-Ordner im Netzlaufwerk und veralten. Der Werker am Ansatz sieht nicht, welche Schutzausrüstung dieser Stoff verlangt, und beim Etikett der Folgemischung wird die Einstufung von Hand übertragen. Hängt das Sicherheitsdatenblatt am Rohstoffstamm mit Versionsstand und Ablaufdatum, wird es dem Werker am Ansatzschritt angezeigt, und woher kommen die CLP-Kennzeichnungselemente für das Etikett des Zwischenprodukts?
Reinigungs- und Spülchargen ohne Auftragsbezug Ein Produktwechsel verlangt Reinigung. Der Vorgang gehört keinem Kundenauftrag, belegt aber Anlage, Medien und Personal, und sein Nachweis ist die Freigabebedingung der Folgecharge. Die Reinigung verschwindet in der Rüstzeit der nächsten Charge oder ganz aus der Auswertung. Der Nachweis, dass vor einem kritischen Produktwechsel gereinigt wurde, existiert nur als Eintrag im Schichtbuch. Gibt es einen eigenen Auftragstyp für Reinigung und Spülung ohne Kundenbezug, ist er an die Produktpaarung Vorgänger zu Nachfolger gekoppelt, und sperrt das System die Folgecharge ohne dokumentierte Reinigung?
Ausbeute- und Yield-Berechnung Die Ausbeute ist in der Prozessfertigung die zentrale wirtschaftliche Kennzahl, weil der Rohstoff meist den größten Kostenblock stellt. Sie muss je Prozessstufe sichtbar sein, nicht nur am Ende. Die Ausbeute wird monatlich aus Lagerbewegungen abgeleitet. Ein systematischer Verlust an einer Filtration fällt erst nach Wochen auf, und die Ursache lässt sich nicht mehr einer Anlage oder Schicht zuordnen. Berechnet das System die Ausbeute je Charge und je Prozessstufe, lässt sich je Rezeptur ein Ausbeutekorridor hinterlegen, und welche Meldung löst eine Unterschreitung aus?
Rückverfolgung vom Rohstoff bis zum Gebinde Im Rückrufszenario zählt, wie schnell und wie eng sich die betroffene Menge eingrenzen lässt. Das gelingt nur, wenn jedes Gebinde eine eigene Identität hat und die Einwaage gegen diese Identität bucht. Gebucht wird auf Rohstoffchargenebene ohne Gebindebezug. Im Ernstfall müssen alle Endproduktchargen gesperrt werden, die die verdächtige Rohstoffcharge theoretisch berührt haben, statt der tatsächlich betroffenen. Wie tief reicht die Rückverfolgung, führt das System das einzelne Gebinde als Objekt, und wie lange dauert eine Vorwärts- und eine Rückwärtssuche über drei Rezepturstufen im laufenden System?
Anbindung an das Prozessleitsystem Sollwerte müssen an die Anlage, Ist-Werte zurück in den Batch-Record. Für den offenen Weg steht OPC UA nach IEC 62541 zur Verfügung, ergänzt um die Companion Specification OPC UA for Process Automation Devices, kurz PA-DIM. Der Anlagenfahrer stellt Sollwerte am Leitsystem von Hand ein und trägt Ist-Werte in das MES nach. Zwei Wahrheiten entstehen, und die Zeitreihe der Charge lässt sich nicht mehr mit dem Batch-Record zusammenführen. Über welchen Weg wird unser Leitsystem angebunden, welche Werte schreibt das MES aktiv in die Anlage, und wie ist die Rückschreibung gegen unbeabsichtigte Sollwertänderungen abgesichert?

Hinweis zur Reihenfolge. Wer alle zehn Funktionen gleichzeitig ausschreibt, bekommt ein Projekt, das über 18 Monate läuft. In Sectorlens-Projekten hat sich eine andere Reihenfolge bewährt: zuerst Rezepturverwaltung, Waagenanbindung und Batch-Record, weil sie den Ansatzprozess unmittelbar entlasten, danach Ausbeute und Rückverfolgung, zuletzt die tiefe Leitsystemkopplung. Die Nachweisfunktionen dahinter sind auf der Seite zu Traceability im MES und zum Qualitätsmanagement im MES ausführlicher beschrieben.

Aus der Anlage

Sechs Situationen aus der Prozessfertigung,
an denen diskrete MES scheitern

Diese sechs Fälle kommen in jedem Chemiebetrieb vor, die meisten mehrmals pro Woche. Sie eignen sich als Testfälle für jede Systemdemonstration: Lassen Sie den Anbieter den Ablauf im laufenden System durchspielen, nicht auf einer Folie beschreiben. Wenn ein Anbieter für einen dieser Fälle eine Projektentwicklung anbietet, kennen Sie den Aufwandstreiber Ihres Projekts.

Situation 01

Eine Charge wird geteilt und auf zwei Behälter verteilt

Der Ansatz ergibt 4.200 Kilogramm. Der freie Lagertank fasst 3.000, der Rest geht in IBC. Aus einer Charge werden zwei Bestände an zwei Orten mit zwei Weiterverwendungen.

Schwierig ist das, weil eine Charge in vielen Systemen eine unteilbare Einheit ist. Es braucht einen Chargensplit, bei dem beide Teilmengen dieselbe Herkunft, dieselben Analysenwerte und denselben Batch-Record erben, aber eigene Bestandsidentitäten mit Lagerort und Menge bekommen. Werden die Teilmengen später in unterschiedliche Endprodukte verarbeitet, muss die Rückverfolgung beide Wege getrennt führen und nicht auf die Mutterchargennummer zusammenfallen.

  • Chargensplit mit Vererbung von Analysenwerten und Batch-Record
  • Eigene Bestandsidentität je Teilmenge mit Lagerort
  • Getrennte Vorwärtsverfolgung beider Teilmengen
Testfall für die Systemdemo
Situation 02

Ein Rohstoff wird durch eine andere Qualität ersetzt

Die freigegebene Rezeptur verlangt einen Rohstoff mit 99 Prozent Gehalt. Geliefert wurde eine Charge mit 96 Prozent. Die Rezeptur muss nachgerechnet werden, bevor der Ansatz startet.

Schwierig ist das, weil zwei Dinge gleichzeitig passieren müssen: Die Einwaage steigt um den Gehaltsfaktor, und die Mengendifferenz muss über eine Ausgleichskomponente aufgefangen werden, damit die Endkonzentration und die Chargengröße stimmen. Beides muss im Batch-Record als begründete Abweichung von der Nennrezeptur erscheinen, mit Analysenzertifikat der Rohstoffcharge als Beleg. Rechnet der Ansatzmeister das im Kopf, ist die Abweichung zwar korrekt gefahren, aber nicht nachweisbar.

  • Gehaltsbezogene Einwaage je Rohstoffcharge statt Nennwert
  • Hinterlegte Ausgleichskomponente mit Mengenregel
  • Abweichung samt Begründung und Zertifikat im Batch-Record
Testfall für die Systemdemo
Situation 03

Eine Spülcharge gehört keinem Auftrag

Zwischen einem pigmentierten und einem klaren Produkt läuft ein Spülgang über die Anlage. Er verbraucht 400 Kilogramm Lösemittel, belegt die Anlage vier Stunden und erzeugt entsorgungspflichtigen Abfall.

Schwierig ist das, weil das Datenmodell einen Fertigungsauftrag ohne Kundenauftrag, ohne Artikel und ohne Ausbringung braucht, der trotzdem Kosten trägt und einen Nachweis erzeugt. Der Nachweis ist zugleich die Freigabebedingung der Folgecharge: Ohne dokumentierte Reinigung darf das nächste Produkt nicht starten. Zusätzlich muss das entstandene Spülgut als eigener Bestand geführt werden, weil es entweder entsorgt oder in einer minderwertigen Rezeptur wieder eingesetzt wird.

  • Auftragstyp Reinigung ohne Kunden- und Artikelbezug
  • Sperre der Folgecharge ohne dokumentierten Reinigungsnachweis
  • Spülgut als eigener Bestand mit Entsorgungs- oder Wiedereinsatzweg
Testfall für die Systemdemo
Situation 04

Die Ausbeute schwankt rohstoffbedingt

Dieselbe Rezeptur liefert in Kalenderwoche 12 eine Ausbeute von 96,4 Prozent und in Kalenderwoche 14 nur 91,8 Prozent. Die Anlage lief unverändert, der Bediener war derselbe.

Schwierig ist das, weil ohne Zuordnung nicht entscheidbar ist, ob eine Untersuchung nötig ist. Das MES muss die Ausbeute je Prozessstufe gegen einen hinterlegten Korridor prüfen und sie gleichzeitig mit den Merkmalen der eingesetzten Rohstoffchargen verknüpfen, etwa Feuchte, Korngröße oder Gehalt. Erst diese Kopplung zeigt, ob die Schwankung aus dem Rohstoff kommt oder aus dem Prozess. Ohne sie wird entweder jede Abweichung untersucht oder gar keine.

  • Ausbeutekorridor je Rezeptur und Prozessstufe
  • Verknüpfung der Ausbeute mit Rohstoffmerkmalen der Charge
  • Automatische Abweichungsmeldung statt monatlicher Auswertung
Testfall für die Systemdemo
Situation 05

Ein Zwischenprodukt geht in mehrere Endprodukte

Aus einem Ansatz Basispaste entstehen sieben Farbtöne. Jeder Farbton wird zu unterschiedlichen Zeiten, teils Wochen später, aus derselben Basischarge gefertigt.

Schwierig ist das, weil das Auftragsnetz sich verzweigt und die Chargenreferenz über mehrere Stufen und über Wochen hinweg erhalten bleiben muss. Das MES braucht ein mehrstufiges Chargenmodell, in dem jedes Endprodukt alle beteiligten Zwischen- und Rohstoffchargen kennt, und eine Rückwärtssuche, die in einem Schritt alle Endprodukte einer verdächtigen Basischarge liefert. Kommt dazu ein Restbestand der Basispaste, der Monate später verwendet wird, muss auch dessen Verfallsdatum an der Charge hängen.

  • Mehrstufiges Chargenmodell mit Vererbung über alle Rezepturstufen
  • Vorwärts- und Rückwärtssuche in einem Arbeitsschritt
  • Verfallsdatum und Nachprüffrist am Zwischenproduktbestand
Testfall für die Systemdemo
Situation 06

Ausschussmaterial wird in den Prozess zurückgeführt

Eine Charge liegt außerhalb der Spezifikation. Sie wird nicht verworfen, sondern in Teilmengen einer künftigen Charge desselben Produkts zugesetzt, bis der Bestand aufgebraucht ist.

Schwierig ist das, weil die Rückführung einen Kreis in die Rückverfolgung schneidet: Die neue Charge enthält Material einer alten Charge, die ihrerseits bereits Material einer noch älteren Charge enthielt. Das MES braucht eine Obergrenze für den Rückführungsanteil je Rezeptur, eine Begrenzung der Kreisläufe und eine Rückverfolgung, die diese Rekursion aushält, ohne endlos zu laufen. Zusätzlich muss die Rückführung als bewusste Entscheidung mit Freigabe dokumentiert sein, nicht als stille Buchung im Lager.

  • Maximaler Rückführungsanteil je Rezeptur mit Sperre bei Überschreitung
  • Zählung der Rückführungszyklen je Materialposten
  • Freigabe der Rückführung als dokumentierte Entscheidung
Testfall für die Systemdemo
Regelwerke und Nachweise

Welche Vorschriften gelten
und welche MES-Funktion den Nachweis liefert

In der Chemie entscheiden Stoff, Menge und Absatzmarkt darüber, welche Nachweise gefordert sind. Ein Betrieb, der technische Zwischenprodukte liefert, arbeitet unter REACH, CLP und ISO 9001. Wer Mengenschwellen überschreitet, kommt unter die Störfall-Verordnung, wer für Lebensmittelverpackungen produziert, unter die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, wer Wirkstoffe herstellt, unter GMP. Die Tabelle ordnet jedem Regelwerk zu, welche MES-Funktion den Nachweis praktisch erzeugt. Alle Anforderungen sind dem Wortlaut der jeweiligen Vorschrift entnommen.

RegelwerkWas gefordert wirdWelche MES-Funktion den Nachweis liefert
REACH
VO (EG) 1907/2006
Artikel 33 verpflichtet jeden Lieferanten eines Erzeugnisses, das einen Stoff der Kandidatenliste in einer Konzentration von mehr als 0,1 Massenprozent enthält, dem Abnehmer die für eine sichere Verwendung ausreichenden Informationen zu geben, mindestens den Stoffnamen. Gegenüber Verbrauchern gilt dieselbe Pflicht auf Anfrage, kostenlos und binnen 45 Tagen. Artikel 31 regelt die Pflicht zum Sicherheitsdatenblatt, Artikel 37 die Pflicht des nachgeschalteten Anwenders, die Verwendung bekanntzugeben und die Risikominderungsmaßnahmen aus dem Expositionsszenario anzuwenden. Stoffzusammensetzung je Rezepturstufe mit Massenanteilen, Chargenrückverfolgung vom Gebinde bis zum Endprodukt, Sicherheitsdatenblatt am Rohstoffstamm mit Version und Ablaufdatum, automatische Auswertung, welche Endproduktchargen einen kandidatenlistenpflichtigen Stoff oberhalb der Schwelle enthalten.
CLP
VO (EG) 1272/2008
Artikel 17 legt fest, welche Elemente ein Kennzeichnungsetikett tragen muss: Lieferantenangaben, Nennmenge, Produktidentifikatoren, Gefahrenpiktogramme, Signalwort, Gefahren- und Sicherheitshinweise sowie ergänzende Informationen. Artikel 49 verpflichtet den Lieferanten, alle für Einstufung und Kennzeichnung herangezogenen Informationen zusammenzutragen und mindestens zehn Jahre nach der letzten Lieferung des Stoffes oder Gemisches verfügbar zu halten. Einstufungsdaten am Artikel- und Rezepturstamm, Ableitung der Kennzeichnungselemente für Zwischen- und Endprodukt aus der tatsächlichen Zusammensetzung, Etikettendruck aus dem Chargendatensatz statt aus einer freien Vorlage, revisionssichere Archivierung der Einstufungsgrundlagen über die Zehnjahresfrist.
Störfall-Verordnung
12. BImSchV
Paragraf 8 verlangt vom Betreiber ein schriftliches Konzept zur Verhinderung von Störfällen und dessen Umsetzung über ein Sicherheitsmanagementsystem nach Anhang III, überprüft mindestens alle fünf Jahre. Anhang III fordert unter anderem festgelegte Verfahren für den sicheren Betrieb einschließlich Wartung, Alarmmanagement und zeitlich begrenzter Unterbrechungen sowie Verfahren zur sicheren Durchführung von Änderungen. Paragraf 9 verlangt für Betriebsbereiche der oberen Klasse einen Sicherheitsbericht, Paragraf 9 Absatz 2 ein Verzeichnis der vorhandenen gefährlichen Stoffe. Mengenführung gefährlicher Stoffe je Lagerort und Anlage in Echtzeit als Grundlage des Stoffverzeichnisses, Arbeitsanweisungen und Freigaben am Prozessschritt, protokollierte Änderungen an Rezeptur und Prozessparametern mit Freigeber und Zeitstempel, Wartungs- und Prüfnachweise im Instandhaltungsmodul.
ISO 9001:2015
Grundlage
Gefordert sind die Lenkung der Produktion und Dienstleistungserbringung, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit dort, wo sie erforderlich ist, Rückführbarkeit und Kalibrierung von Überwachungs- und Messmitteln, die Steuerung extern bereitgestellter Prozesse sowie die Lenkung nichtkonformer Ergebnisse mit dokumentierter Entscheidung über Korrektur, Aussonderung oder Sonderfreigabe. Vollständige Buchungshistorie je Charge und Prozessschritt, Chargen- und Gebindeverfolgung, Waagen- und Messmittelverwaltung mit Kalibrierintervall und Buchungssperre bei abgelaufener Frist, Sperr-, Nacharbeits- und Sonderfreigabebuchung mit Ursachencode und Freigeber.
Lebensmittelkontakt
VO (EG) 1935/2004
Artikel 17 verlangt, dass die Rückverfolgbarkeit von Materialien und Gegenständen mit Lebensmittelkontakt auf sämtlichen Stufen gewährleistet ist, um Kontrollen, den Rückruf fehlerhafter Produkte, die Unterrichtung der Verbraucher und die Feststellung der Haftung zu erleichtern. Unternehmer müssen über Systeme und Verfahren verfügen, mit denen sich Vorlieferant und Abnehmer ermitteln lassen, und die Angaben der Behörde auf Anfrage bereitstellen. Artikel 15 verlangt eine Kennzeichnung, die diese Rückverfolgbarkeit gestattet. Eine Stufe vorwärts und eine Stufe rückwärts als Standardauswertung mit Lieferant, Charge, Menge und Datum, Kennzeichnung jedes ausgelieferten Gebindes mit Chargencode, Verknüpfung der Konformitätserklärung mit der Rohstoffcharge im Dokumentenmodul.
GMP
EU-GMP Annex 11
Annex 11 des EU-GMP-Leitfadens gilt für alle rechnergestützten Systeme in GMP-regulierten Tätigkeiten. Gefordert sind Risikomanagement über den gesamten Lebenszyklus, validierte Anwendung und qualifizierte IT-Infrastruktur, Audit Trails für GMP-relevante Änderungen und Löschungen mit dokumentiertem Grund und regelmäßiger Überprüfung, Aufzeichnung von Identität, Datum und Uhrzeit bei Eingabe, Änderung, Bestätigung und Löschung von Daten, elektronische Signaturen mit dauerhafter Bindung an den Datensatz sowie Chargenfreigabe ausschließlich durch die Sachkundige Person. Validierbares Systemdesign mit Spezifikations- und Testdokumentation, lückenloser Audit Trail mit Änderungsgrund und Review-Funktion, Benutzer- und Rollenverwaltung mit protokollierter Vergabe und Entzug von Berechtigungen, elektronische Signatur am Prozessschritt, Chargenfreigabe nur durch die dafür berechtigte Rolle.

Rechtsstand August 2026. Für die Auslegung im konkreten Fall ziehen Sie Ihre Rechts- oder Compliance-Abteilung hinzu. Praktisch relevanter als die Vollständigkeit dieser Liste ist die Frage, welche dieser Regelwerke für Ihren Betrieb tatsächlich gelten: Wer keine Wirkstoffe herstellt, sollte GMP nicht ausschreiben, weil Validierungsaufwand und Lizenzkosten damit deutlich steigen. Die GMP-Anforderungen im Detail behandelt die Seite zu FDA 21 CFR Part 11 und GMP Annex 11 im MES, die Nachweisführung insgesamt die Seite zur papierlosen Fertigung.

Systemanbindung

Anbindung an die Prozessleitebene
fünf Wege und was sie kosten

In der Chemie steht zwischen MES und Anlage fast immer ein Prozessleitsystem. Die Frage ist nicht, ob angebunden wird, sondern wie tief und in welche Richtung. Lesend Werte holen ist der einfache Teil, schreibend Sollwerte setzen der aufwendige, weil damit Verantwortung für den Anlagenzustand übergeht. Die Aufwandsangaben sind Erfahrungswerte aus Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022 und beziehen sich auf externe Projektkosten je Anlage, nicht auf Lizenzen. Die Abgrenzung der Ebenen beschreibt die Seite zu MES, ERP, SCADA und MOM.

AnbindungsartWas sie liefertAufwand je AnlageHinweis
OPC UA nach IEC 62541 Standardisierter, herstellerneutraler Zugriff auf Prozesswerte, Zustände und Alarme mit Informationsmodell, integrierter Authentifizierung und Verschlüsselung. Für Feldgeräte der Prozessautomatisierung ergänzt die Companion Specification OPC UA for Process Automation Devices, kurz PA-DIM, ein einheitliches semantisches Modell; die aktuelle Fassung 1.02.0 stammt vom 10. November 2025. 5.000 bis 25.000 EUR Der bevorzugte Weg, sobald das Leitsystem einen OPC-UA-Server mitbringt. Klären Sie, ob der Server im Leistungsumfang enthalten oder eine kostenpflichtige Option ist, wie viele gleichzeitige Sessions lizenziert sind und ob auch schreibender Zugriff freigegeben werden kann. Sicherheitsaspekte behandelt die Seite zu OPC UA für MES.
Klassische PLS-Schnittstellen Herstellereigene Schnittstellen der etablierten Leitsysteme, dazu OPC Classic über DA und HDA, Datenbanktabellen als Übergabepuffer und Dateischnittstellen im festen Format. Liefert dieselben Werte wie OPC UA, aber ohne einheitliche Semantik und ohne die Sicherheitsmechanismen des neueren Standards. 10.000 bis 45.000 EUR Bei älteren Leitsystemen oft der einzige Weg. OPC Classic setzt auf DCOM auf und lässt sich über Netzwerkgrenzen hinweg nur mit erheblichem Konfigurationsaufwand betreiben. Verlangen Sie eine Aufwandsschätzung je Leitsystemtyp und Baujahr, nicht eine Pauschale für die gesamte Anlagenlandschaft.
Waagen- und Dosieranbindung Ist-Einwaage je Rezepturposition mit Zuordnung zu Gebinde, Werker und Zeitstempel, Toleranzprüfung gegen den Sollwert und Rückmeldung an den Bediener. Zusätzlich Dosiersteuerung, bei der das MES den Sollwert vorgibt und die Anlage bis zum Erreichen dosiert. 1.500 bis 8.000 EUR je Waage Der Posten mit dem schnellsten Nutzen, weil er Abtippfehler an der kritischsten Stelle beseitigt. Für Waagen, deren Ergebnis in den geschäftlichen Verkehr geht, gilt die Richtlinie 2014/31/EU über nichtselbsttätige Waagen; Anlage 7 der deutschen Mess- und Eichverordnung nennt die Eichfristen, etwa drei Jahre für nichtselbsttätige Waagen ab 3.000 Kilogramm Höchstlast. Prüfen Sie, ob das MES diese Fristen führt.
Historian-Zugriff Lesender Zugriff auf die bereits archivierten Zeitreihen des Prozessleitsystems. Liefert Temperatur-, Druck- und Durchflussverläufe für den Zeitraum einer Charge, ohne dass das MES die Werte selbst erfassen und speichern muss. 3.000 bis 15.000 EUR Der pragmatische Weg für die Chargendokumentation, wenn ein Historian ohnehin läuft. Kritisch ist die Zeitsynchronisation zwischen Leitsystem und MES, weil die Chargengrenzen sonst auf falsche Werteausschnitte zeigen. Klären Sie außerdem die Aufbewahrungsdauer im Historian gegen die Aufbewahrungspflicht Ihrer Chargendokumentation.
Manuelle Erfassung als Übergang Erfassung von Prozesswerten, Prüfergebnissen und Freigaben über ein Terminal an der Anlage. Liefert strukturierte, zeitgestempelte und personenbezogene Daten im Batch-Record, aber keine Zeitreihen und keine automatische Plausibilitätsprüfung gegen die Anlage. 800 bis 3.000 EUR je Terminal Legitimer erster Schritt für Anlagen ohne Datenschnittstelle und für Betriebe, die zuerst den Papierbogen ablösen wollen. Setzen Sie Pflichtfelder, Wertebereichsprüfungen und eine Begründungspflicht bei Werten außerhalb der Spezifikation, sonst entsteht ein digitalisierter Papierbogen ohne Datenqualität.

Reihenfolge im Projekt. Beginnen Sie mit Waagen und manueller Erfassung, weil beides den Ansatzprozess sofort entlastet und keine Abstimmung mit der Anlagenautomatisierung braucht. Der Historian-Zugriff kommt danach, weil er die Chargendokumentation ohne Eingriff in die Anlage vervollständigt. Schreibenden Zugriff auf das Leitsystem heben Sie sich für die zweite Ausbaustufe auf, wenn Rezepturmodell und Freigabelogik im MES eingespielt sind. Erfahrungswerte aus Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022, keine Listenpreise. Eine Gesamtsicht auf die Investition gibt die Seite zu MES-Kosten.

Praxis

Zwölf Fragen an MES-Anbieter
aus Sicht eines Chemiebetriebs

Nehmen Sie diese Liste in den Termin mit. Jede Frage zielt auf einen Punkt, an dem sich Anbieter mit echter Prozesserfahrung von Systemen aus der Stückfertigung unterscheiden, und jede Antwort sollte am laufenden System gezeigt werden können. Das methodische Vorgehen für das gesamte Auswahlprojekt beschreibt die Seite zum MES auswählen.

01

Wie ist eine Rezeptur bei Ihnen im Datenmodell abgebildet?

Die Antwort zeigt, ob Rezepturverwaltung ein Modul oder ein Textfeld ist. Gut ist ein eigenes Objekt mit Version, Freigabestatus, Gültigkeitszeitraum, Änderungshistorie und Vier-Augen-Freigabe. Fragen Sie zusätzlich, welche Rezepturtypen nach IEC 61512 unterschieden werden und wo die Grenze zwischen MES-Rezeptur und Steuerrezeptur im Leitsystem verläuft.

02

Zeigen Sie mir die Skalierung einer Rezeptur von 1.000 auf 650 Kilogramm.

Das ist der schnellste Test für echte Prozesskompetenz. Achten Sie darauf, ob das System zwischen proportionalen Positionen, Fixmengen und nicht skalierenden Parametern unterscheidet, ob Rundungsregeln und Mindesteinwaagen greifen und ob die skalierte Rezeptur einen eigenen Freigabeschritt durchläuft oder direkt gefahren werden darf.

03

Wie rechnen Sie eine Einwaage gegen den Ist-Gehalt der Rohstoffcharge?

Sie prüfen, ob das System mit schwankender Rohstoffqualität umgehen kann. Erwarten Sie einen Analysewert je Rohstoffcharge, eine automatische Umrechnung der Einwaage und eine hinterlegte Ausgleichskomponente für die Mengendifferenz. Lassen Sie sich zeigen, wie diese Abweichung im Batch-Record erscheint und welcher Beleg daran hängt.

04

Wie entsteht bei Ihnen der Executed Batch Record?

Damit prüfen Sie, ob die Chargendokumentation ein Nebenprodukt der Ausführung oder ein separater Nacherfassungsschritt ist. Gut ist die schrittweise Führung am Bildschirm, bei der jeder Wert unmittelbar in den Record fließt. Fragen Sie nach dem Verhalten bei Abweichungen, nach dem Review-Prozess und danach, ob ein nachträglicher Eingriff überhaupt möglich ist.

05

Wie bilden Sie eine Reinigungs- oder Spülcharge ohne Kundenauftrag ab?

Diese Frage trennt Prozess-MES von adaptierten Stücklistensystemen. Erwarten Sie einen eigenen Auftragstyp ohne Artikel- und Kundenbezug, eine Bindung an die Produktpaarung Vorgänger zu Nachfolger und eine Sperre der Folgecharge ohne dokumentierte Reinigung. Fragen Sie außerdem, wie das entstandene Spülgut als Bestand geführt wird.

06

Wie splitten Sie eine Charge auf zwei Behälter?

Sie prüfen die Starrheit des Chargenmodells. Beide Teilmengen müssen Analysenwerte, Herkunft und Batch-Record erben und trotzdem eigene Bestandsidentitäten mit Lagerort bekommen. Lassen Sie sich anschließend zeigen, wie die Rückverfolgung beide Teilmengen getrennt weiterführt, wenn sie in unterschiedliche Endprodukte gehen.

07

Wie berechnen Sie Ausbeute und wo hinterlegen wir den Korridor?

Eine gute Antwort nennt Ausbeute je Prozessstufe, nicht nur je Auftrag, sowie einen Soll-Korridor je Rezeptur mit automatischer Abweichungsmeldung. Fragen Sie, ob sich die Ausbeute mit Merkmalen der eingesetzten Rohstoffchargen verknüpfen lässt, weil nur diese Kopplung rohstoffbedingte von prozessbedingter Schwankung trennt.

08

Wie tief reicht Ihre Rückverfolgung und wie lange dauert eine Abfrage?

Verlangen Sie eine Live-Vorführung über mindestens drei Rezepturstufen, vorwärts und rückwärts, mit Zeitmessung. Prüfen Sie, ob das einzelne Gebinde ein eigenes Objekt ist oder nur die Rohstoffcharge gebucht wird. Fragen Sie außerdem, wie das System mit zurückgeführtem Ausschussmaterial umgeht, das einen Kreis in die Verfolgung schneidet.

09

Welche Leitsysteme sind bei Ihnen über Standardkonnektoren angebunden?

Gehen Sie mit Ihrer Anlagenliste in den Termin und lassen Sie sie Zeile für Zeile bewerten. Unterscheiden Sie zwischen OPC UA, klassischer OPC-Schnittstelle, herstellereigener Kopplung und Datenbankübergabe. Fragen Sie getrennt nach lesendem und schreibendem Zugriff und danach, wie die Rückschreibung von Sollwerten abgesichert ist.

10

Wie kommen Gefahrstoffdaten und Sicherheitsdatenblätter an den Arbeitsplatz?

Damit prüfen Sie den Übergang von der Stoffverwaltung in die Produktion. Gut ist ein Sicherheitsdatenblatt am Rohstoffstamm mit Version und Ablaufdatum, das dem Werker am Ansatzschritt angezeigt wird. Fragen Sie außerdem, woher die CLP-Kennzeichnungselemente für das Etikett eines Zwischenprodukts stammen und ob sie aus der tatsächlichen Zusammensetzung abgeleitet werden.

11

Welche Referenzkunden fahren dieselben Prozesse in ähnlicher Größe?

Eine Referenz aus der Verpackungslinie hilft einem Ansatzbetrieb nicht. Verlangen Sie mindestens zwei Referenzen mit vergleichbarer Prozessart, Rezepturkomplexität und Anlagenzahl und bestehen Sie auf einem direkten Gespräch ohne Begleitung des Anbieters. Fragen Sie dort nach Projektdauer, Nachbesserungen und dem Aufwand für die Rezepturmigration.

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Wie unterstützen Sie eine Validierung, falls sie später gefordert wird?

Auch ein Betrieb ohne heutige GMP-Pflicht sollte diese Frage stellen, weil ein Pharma-Lohnauftrag die Anforderung schlagartig auslöst. Gut ist ein vorhandenes Validierungspaket mit Spezifikations- und Testdokumentation, ein Audit Trail mit Änderungsgrund und eine elektronische Signatur am Prozessschritt. Fragen Sie nach dem Mehraufwand in Tagen und Euro, nicht nach einer Ja-Antwort.

Anbieterlandschaft

Anbieter mit dokumentiertem
Prozessfokus

Die folgende Übersicht ordnet Anbieter nach ihrem öffentlich dokumentierten Schwerpunkt ein, nicht nach Qualität. Aufgenommen sind Systeme, deren Hersteller Prozessfertigung, Chargenproduktion oder Rezepturverwaltung selbst als Anwendungsfeld ausweisen. Eine breitere Marktübersicht über Kategorien hinweg finden Sie im Anbietervergleich DACH.

AnbieterDokumentierter SchwerpunktWas für die Prozessfertigung relevant istPrüffrage, die die Passung klärt
MPDV Mikrolab GmbH
HYDRA X for Process
MES-Hersteller aus Mosbach in Baden-Württemberg, eigenfinanziertes Familienunternehmen, 530 Mitarbeitende, über 45 Jahre Projekterfahrung, 2.430 Installationen weltweit, 135.000 Maschinenanbindungen, zertifiziert nach ISO 9001 und ISO 27001. Für die Prozessindustrie führt der Hersteller HYDRA X for Process mit Rezepturverwaltung, Chargendokumentation, digitalen Checklisten und mApps wie Compounding Management, Recipe Management sowie Regulatory und Compliance Management (Herstellerangaben, Stand August 2026). Der Hersteller nennt digitale Herstellvorgaben als Master Batch Record, elektronische Chargendokumentation als Executed Batch Record, Batch Record Review, Review by Exception, Audit-Trails und elektronische Signaturen. Als Zielbranchen führt er unter anderem Chemie, Pharma, Lebensmittel, Kosmetik sowie Aromen- und Duftstoffindustrie. Welche der genannten Prozessfunktionen sind im Standard von HYDRA X for Process enthalten, welche entstehen über mApps auf der Manufacturing Integration Platform, und wie ist der Aufwand für unsere Rezepturmigration kalkuliert?
FELTEN Group
aufgegangen in MPDV
Die FELTEN Group war über Jahre der bekannteste eigenständige Anbieter für Prozessfertigungs-MES im DACH-Raum. Die Domain felten-group.com leitet inzwischen auf mpdv.com weiter. MPDV führt aus, dass das Produkt- und Prozess-Know-how von FELTEN in HYDRA X for Process eingeflossen ist und die Lösung die FELTEN-Expertise mit der Plattformarchitektur von HYDRA X verbindet (Herstellerangaben, Stand August 2026). Wer FELTEN heute noch auf einer Longlist führt, sucht faktisch nach MPDV. Für Bestandskunden der FELTEN-Produkte ist die relevante Frage nicht die Auswahl, sondern der Migrationspfad und die Wartungsperspektive der bisherigen Installation. Für Bestandskunden: Wie lange wird unsere heutige FELTEN-Installation gewartet, welcher Migrationspfad nach HYDRA X for Process ist vorgesehen, und welche Rezeptur- und Chargendaten werden dabei automatisiert übernommen?
Siemens Digital Industries Software
Opcenter Execution Process
Opcenter Execution Process ist die Ausprägung der Opcenter-Familie für die Prozessfertigung. Der Hersteller nennt als Zielbereiche Konsumgüter, Lebensmittel und Getränke sowie chemische Herstellung und beschreibt ausdrücklich die Kombination aus formulierten Produktabläufen und sekundären Prozessen wie Verpacken, Etikettieren und Palettieren (Herstellerangaben, Stand August 2026). Der Hersteller hebt die Erfassung variabler Rohstoffmerkmale wie Säuregehalt oder Viskosität sowie zeitkritischer Parameter wie Reife und Haltbarkeit hervor, dazu die Verwaltung von Rezepturen und Stücklisten und die enge Kopplung an ein Laborinformationssystem. Das trifft den hybriden Fall aus Ansatz und Abfüllung. Wie ist der Schnitt zwischen Opcenter Execution Process, unserem Leitsystem und einem vorhandenen LIMS gesetzt, welche Module sind für unseren Umfang lizenzpflichtig, und wer setzt das Projekt in DACH um? Details im Siemens-Opcenter-Profil.
Körber Pharma
Werum PAS-X MES Suite
Die PAS-X MES Suite ist auf Pharma, Biotech sowie Zell- und Gentherapie ausgerichtet und deckt nach Herstellerangaben den Herstellungszyklus von der Prozessentwicklung über die kommerzielle Produktion bis zur Verpackung ab. Der Hersteller bezeichnet sich als weltweit führenden Anbieter in diesem Segment und bietet die Suite als Vor-Ort- und als Cloud-Installation an (Herstellerangaben, Stand August 2026). Eigene Module für MBR Design und Execution sowie für Weighing und Dispensing adressieren genau die beiden kritischen Punkte des Ansatzprozesses: freigegebene Herstellvorschrift und dokumentierte Einwaage. Für Betriebe mit Pharma-Lohnfertigung oder GMP-Pflicht liegt das nah am Anwendungsfall. Welcher Anteil unseres Umfangs ist mit dem Standard abgedeckt und welcher über Konfiguration, wie hoch ist der Validierungsaufwand für unseren Umfang in Personentagen, und gilt derselbe Aufwand auch für die Cloud-Variante?
AVEVA
Batch Management
AVEVA Batch Management ist eine leitsystemneutrale Rezeptur- und Chargenausführungssoftware, die sich laut Hersteller an den ISA-88-Standards für Chargensteuerung orientiert und als Zielbranchen Life Sciences, Feinchemie sowie Lebensmittel und Getränke nennt. Der Hersteller beschreibt ein Prozessfähigkeitsmodell, das über ISA-88 hinaus Transferphasen und Anlagenmodell verbindet (Herstellerangaben, Stand August 2026). Der Ansatz zielt auf Betriebe, in denen Rezepturausführung und Materialverfolgung nah an der Automatisierung liegen und mehrere Produkte gleichzeitig über geteilte Anlagen laufen. Der Hersteller nennt ausdrücklich die Erzeugung eines elektronischen Batch Records aus der Ausführung. Wo endet Batch Management und wo beginnt ein MES: Wer führt bei uns Auftrag, Personal, Wartung und Kennzahlen, und welche zusätzliche Komponente brauchen wir dafür neben der Chargenausführung?
ProLeiT GmbH
Plant iT und brewmaxx
Softwarehersteller aus Herzogenaurach, Einsteinstraße 8, Teil der Schneider-Electric-Gruppe. Die Positionierung lautet Process Control System mit integriertem MES. Der Hersteller beschreibt SPS-basierte Leitsysteme für Steuerungen von Schneider Electric, Siemens und Rockwell Automation, ISA-88-konforme Chargensysteme sowie Module für kontinuierliche Rezeptur- und Materialverwaltung. Nach eigenen Angaben nutzen über 2.100 Produktionsanlagen in mehr als 110 Ländern die Systeme (Herstellerangaben, Stand August 2026). Leitsystem und MES kommen aus einer Hand und einem Datenmodell. Für Betriebe, die ohnehin vor einer Leitsystemerneuerung stehen, entfällt damit die Schnittstellendiskussion zwischen Automatisierung und MES-Ebene, die sonst der aufwendigste Projektteil ist. Was passiert mit dem MES-Teil, wenn wir das Leitsystem später wechseln, und welche MES-Funktionen laufen unabhängig vom ProLeiT-Leitsystem gegen Fremdsysteme?
CSB-System SE
Branchen-ERP mit MES
Softwarehersteller aus Geilenkirchen, Amtsgericht Aachen HRB 24167. Der Hersteller führt Chemie als eigene Branche und nennt für sie unter anderem Rezeptur- und Chargenverwaltung, Gefahrstoff- und Gefahrgutmanagement sowie integrierte MES-Funktionen für Shopfloor-Transparenz und die Anbindung von Anlagen und Maschinen. Weitere Branchen sind Lebensmittel und Getränke, Pharma und Kosmetik (Herstellerangaben, Stand August 2026). ERP und MES liegen in einem Datenmodell. Für mittelständische Betriebe ohne eigenes ERP-Projekt oder mit einem ablösereifen Altsystem kann das den Integrationsaufwand deutlich senken, weil Artikel, Rezeptur, Charge und Auftrag nicht synchronisiert werden müssen. Kommt das System bei uns als MES neben dem vorhandenen ERP zum Einsatz oder ersetzt es Teile davon, und wo genau wird die Auftrags-, Stammdaten- und Bestandsschnittstelle geschnitten?

Stand August 2026, Herstellerangaben. Die Einordnung nach Passung ist eine Bewertung von Sectorlens auf Basis eigener Projekterfahrung. Sectorlens erhält keine Provision von MES-Anbietern. Ein ausführliches Profil zu MPDV finden Sie unter MPDV HYDRA.

Wann ein Prozess-MES nicht die richtige Antwort ist. Drei Konstellationen sprechen gegen ein eigenes MES-Projekt. Erstens: Ein Betrieb fährt eine einzige Anlage mit einem Produkt und wenigen Rezepturvarianten. Dort leisten Leitsystem und Historian das Meiste, und der Nutzen des MES beschränkt sich auf die Chargendokumentation, die auch ein Dokumentenmodul im ERP abdecken kann. Zweitens: Die Rezepturen sind fachlich noch nicht stabil, weil die Verfahrensentwicklung laufend eingreift. Dann bindet ein Rezeptur-Freigabeworkflow mehr Zeit, als er spart, und die Stabilisierung geht vor. Drittens: Das ERP steht ohnehin vor der Ablösung. Ein MES-Projekt parallel zu einer ERP-Migration erzeugt zwei Baustellen an derselben Schnittstelle; in Sectorlens-Projekten hat sich bewährt, das ERP zuerst zu stabilisieren und das MES sechs bis neun Monate danach zu starten.

Häufige Fragen

MES in der Chemie
vierzehn Fragen, vierzehn Antworten

Die häufigsten Fragen aus Auswahlprojekten in Chemie, Feinchemie, Kosmetik und Lohnfertigung, beantwortet ohne Verweis auf andere Abschnitte.

Was unterscheidet ein MES für die Chemie von einem MES für die diskrete Fertigung?

Der Unterschied beginnt beim Fertigungsauftrag. In der diskreten Fertigung steuert ein Arbeitsplan eine feste Stückzahl über definierte Arbeitsgänge, in der Prozessfertigung steuert eine Rezeptur eine Chargengröße über Prozessschritte mit Mengen, Temperaturen, Zeiten und Reihenfolgen. Daraus folgen andere Objekte im Datenmodell: Rezeptur statt Arbeitsplan, Charge statt Los, Ausbeute statt Gutmenge, Batch-Record statt Laufzettel. Ein System ohne diese Objekte lässt sich zwar mit Umwegen konfigurieren, verliert dabei aber genau die Nachweisführung, wegen der ein Chemiebetrieb das MES überhaupt einführt.

Was ist ein Master Batch Record und was ein Executed Batch Record?

Der Master Batch Record, kurz MBR, ist die freigegebene Herstellvorschrift für ein Produkt: Rohstoffe, Mengen, Prozessparameter, Prüfschritte und Unterschriftsstellen. Der Executed Batch Record, kurz EBR, ist die Aufzeichnung dessen, was bei einer konkreten Charge tatsächlich passiert ist, mit Ist-Mengen, Ist-Parametern, Abweichungen und Freigaben. Das MES erzeugt den EBR aus dem MBR, indem es jeden Schritt am Bildschirm führt und die Werte aus Waage, Prozessleitsystem und Bedienereingabe protokolliert. Die Norm IEC 61512-4:2009 definiert dafür ein Referenzmodell für Batch Production Records; MPDV, Körber und Siemens führen MBR und EBR als eigene Funktionen in ihren Prozesslösungen.

Wie bildet ein MES die Skalierung einer Chargengröße ab?

Skalierung heißt, dass eine Rezeptur, die für 1.000 Kilogramm freigegeben ist, auf 650 Kilogramm heruntergerechnet wird, weil nur so viel Rohstoff verfügbar ist oder der Behälter nicht mehr fasst. Ein MES mit Rezepturskalierung rechnet dabei nicht alle Positionen linear, sondern unterscheidet zwischen mengenproportionalen Komponenten, Fixmengen wie Anfahrmengen und Werten, die gar nicht skalieren, etwa Rührerdrehzahl oder Haltezeit. Zusätzlich müssen Rundungsregeln und Mindesteinwaagen hinterlegt sein, sonst entstehen Sollwerte unterhalb der Waagengenauigkeit. Lassen Sie sich im Anbietergespräch zeigen, welche Skalierungsart je Rezepturposition einstellbar ist und wer eine skalierte Rezeptur freigibt.

Wie geht ein MES mit schwankendem Wirkstoffgehalt im Rohstoff um?

Naturstoffe und technische Qualitäten kommen mit einem Gehalt, der je Lieferung abweicht, etwa 96 statt 99 Prozent Aktivsubstanz. Ein MES für die Prozessfertigung führt deshalb je Rohstoffcharge einen Analysewert und rechnet die Einwaage gegen diesen Ist-Gehalt statt gegen den Nennwert. Die Differenz muss über eine hinterlegte Ausgleichsregel kompensiert werden, meist über Wasser, Lösemittel oder einen Füllstoff, damit die Endkonzentration stimmt und die Chargengröße nicht unkontrolliert wächst. Fehlt diese Funktion, rechnet die Arbeitsvorbereitung in Excel nach, und die Nachvollziehbarkeit der Abweichung geht verloren.

Was kostet ein MES für einen Chemiebetrieb?

Die Kosten hängen an der Zahl der Anlagen und Waagen, an der Tiefe der Prozessleitsystem-Anbindung und daran, ob ein validierungsfähiges System gefordert ist. Nach Erfahrungswerten aus Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022 liegt ein Erstprojekt für einen Betrieb mit einem Werk, 5 bis 15 Ansatzlinien und angebundenem Prozessleitsystem im oberen fünfstelligen bis mittleren sechsstelligen Bereich im ersten Jahr, die jährliche Wartung typischerweise bei 15 bis 20 Prozent der Lizenzsumme. Kommt eine Computersystemvalidierung nach GMP hinzu, steigt der Projektaufwand nach unserer Erfahrung um 30 bis 60 Prozent, weil Spezifikation, Testfälle und Dokumentation formal abgenommen werden müssen. Erfahrungswerte aus Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022, keine Listenpreise.

Wie werden Reinigungs- und Spülchargen im MES erfasst?

Eine Reinigungscharge oder ein Produktwechselspülgang gehört keinem Kundenauftrag, verbraucht aber Anlagenzeit, Medien und Personal und erzeugt Abfall, der entsorgt werden muss. Im MES braucht es dafür einen eigenen Auftragstyp ohne Kundenbezug, der an die Anlage und an das Vorgänger-Nachfolger-Paar der Produkte gebunden ist. Der Nachweis, dass gereinigt wurde, ist zugleich der Freigabenachweis für die Folgecharge, deshalb muss die nächste Produktionscharge ohne dokumentierte Reinigung gesperrt bleiben. Ohne diesen Auftragstyp verschwindet die Reinigungszeit entweder in der Rüstzeit der Folgecharge oder ganz aus der Auswertung.

Was fordert REACH von einem Chemiebetrieb, das ein MES unterstützen kann?

Artikel 33 der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 verpflichtet jeden Lieferanten eines Erzeugnisses, das einen Stoff der Kandidatenliste in einer Konzentration von mehr als 0,1 Massenprozent enthält, den Abnehmer über diesen Stoff zu informieren, mindestens mit dem Stoffnamen. Gegenüber Verbrauchern gilt dieselbe Pflicht auf Anfrage, kostenlos und binnen 45 Tagen. Damit ein Betrieb diese Auskunft überhaupt geben kann, muss er wissen, welcher Stoff über welche Rohstoffcharge in welches Erzeugnis gelangt ist. Genau das leistet die Chargenrückverfolgung im MES, wenn sie Rohstoff, Gebinde, Zwischenprodukt und Endprodukt über alle Rezepturstufen hinweg verknüpft.

Wie wird die Ausbeute im MES berechnet?

Die Ausbeute ist das Verhältnis der tatsächlich erzeugten Produktmenge zur theoretisch erwarteten Menge aus den eingesetzten Rohstoffen, angegeben in Prozent. Ein MES für die Prozessfertigung berechnet sie je Charge und je Prozessstufe, damit sichtbar wird, an welchem Schritt Material verloren geht, etwa als Anhaftung im Reaktor, als Verdampfungsverlust oder als Filterrückstand. Wichtig ist die Trennung zwischen zulässiger Schwankung, die aus dem Rohstoff stammt, und echter Abweichung, die eine Untersuchung auslöst; dafür braucht jede Rezeptur einen hinterlegten Ausbeutekorridor. Die reine OEE-Betrachtung aus der diskreten Fertigung greift hier zu kurz, weil sie Verfügbarkeit, Leistung und Qualität bewertet, nicht aber den Materialverlust.

Braucht ein Chemiebetrieb mit Prozessleitsystem überhaupt noch ein MES?

Ein Prozessleitsystem steuert die Anlage, hält Regelkreise, verriegelt Sicherheitsfunktionen und arbeitet im Sekunden- und Millisekundenbereich. Es kennt aber in der Regel weder den Kundenauftrag noch die Rohstoffcharge, weder die Rezepturversion mit Freigabestatus noch den Nachweis, wer welchen Schritt freigegeben hat. Das MES setzt darüber auf und führt Auftrag, Chargenidentität, Rezepturversion, Batch-Record und Auswertung über mehrere Anlagen und Schichten hinweg. Wer nur eine Anlage mit einem Produkt fährt, kommt oft mit Leitsystem und Historian aus; sobald mehrere Produkte, Rezepturvarianten und Nachweispflichten dazukommen, fehlt die Ebene darüber.

Welche Norm beschreibt Rezepturen und Chargensteuerung?

Die maßgebliche Normenreihe ist IEC 61512, in Nordamerika als ANSI/ISA-88 bekannt. Teil 1 aus dem Jahr 1997 definiert die Referenzmodelle und die Terminologie der Chargensteuerung für die Prozessindustrie, Teil 2 die Datenstrukturen und Sprachrichtlinien für die Darstellung von Rezepturen, Teil 3 aus dem Jahr 2008 das Modell für Grund- und Standortrezepturen und Teil 4 aus dem Jahr 2009 das Referenzmodell für Batch Production Records. Die Unterscheidung zwischen Grundrezeptur, Standortrezeptur, Leitrezeptur und Steuerrezeptur stammt aus dieser Reihe und ist die gemeinsame Sprache, in der MES-Anbieter und Automatisierer über Rezepturverwaltung sprechen. Fragen Sie im Anbietergespräch, welchen Rezepturtyp das System führt und wo die Grenze zum Leitsystem verläuft.

Wie tief muss die Rückverfolgung von Rohstoffen in der Chemie reichen?

Die Zieltiefe ist die Verknüpfung vom einzelnen Gebinde des Rohstoffs bis zum ausgelieferten Endproduktgebinde, über alle Zwischenprodukte hinweg. Praktisch heißt das: Jedes Fass, jeder Sack und jeder IBC bekommt eine eigene Identität, die Einwaage bucht gegen diese Identität, und das Zwischenprodukt erbt alle beteiligten Rohstoffchargen. Erst dann lässt sich im Rückrufszenario in Minuten beantworten, welche Endproduktchargen eine verdächtige Rohstoffcharge enthalten, und umgekehrt, welche Rohstoffe in einer beanstandeten Charge steckten. Wer nur auf Rohstoffchargenebene ohne Gebindebezug bucht, muss im Ernstfall alle Chargen sperren, die die Rohstoffcharge theoretisch berührt haben könnten.

Wann ist GMP-Konformität für einen Chemiebetrieb relevant?

Relevant wird GMP, sobald ein Betrieb Wirkstoffe oder Hilfsstoffe für Arzneimittel herstellt oder als Lohnfertiger für die Pharmaindustrie arbeitet. Dann gilt der EU-GMP-Leitfaden, für rechnergestützte Systeme insbesondere Annex 11, der unter anderem Validierung, Audit-Trails für GMP-relevante Änderungen und Löschungen mit dokumentiertem Änderungsgrund, elektronische Signaturen mit Datum und Zeitstempel sowie die Chargenfreigabe ausschließlich durch die Sachkundige Person verlangt. Für den US-Markt kommt 21 CFR Part 11 der FDA hinzu. Ein Betrieb, der ausschließlich technische Chemikalien liefert, braucht diese Ebene nicht und sollte sie auch nicht ausschreiben, weil Validierungsaufwand und Lizenzkosten damit spürbar steigen.

Wie werden Waagen an ein MES angebunden?

Waagen liefern in der Regel über eine serielle Schnittstelle oder über Ethernet einen Gewichtswert, den das MES als Ist-Einwaage gegen den Rezeptursollwert bucht. Wichtig ist nicht der Wert allein, sondern die Rückkopplung: Das System muss das Toleranzfenster prüfen, eine Buchung außerhalb der Toleranz sperren oder nur mit Begründung zulassen und den Waagenidentifikator im Batch-Record mitführen. Für Waagen, deren Ergebnis in den geschäftlichen Verkehr geht, gilt die Richtlinie 2014/31/EU über nichtselbsttätige Waagen; in Deutschland regelt Anlage 7 der Mess- und Eichverordnung die Eichfristen, für nichtselbsttätige Waagen ab 3.000 Kilogramm Höchstlast drei Jahre. Prüfen Sie, ob das MES Kalibrier- und Eichfristen kennt und eine Waage mit abgelaufener Frist für Buchungen sperrt.

Wie lange dauert eine MES-Einführung in einem Chemiebetrieb?

Für ein Werk mit überschaubarer Zahl an Ansatz- und Abfülllinien liegt die Projektdauer nach Erfahrungswerten aus Sectorlens-Auswahlprojekten seit 2022 bei sechs bis zwölf Monaten von der Vertragsunterzeichnung bis zum Produktivstart der ersten Linie. Der größte Einzelposten ist nicht die Software, sondern die Stammdatenarbeit: Rezepturen aus Papier, Word und Excel müssen in ein strukturiertes Rezepturmodell mit Versionsstand und Freigabe überführt werden. Kommt eine Validierung nach GMP hinzu, verlängert sich die Laufzeit typischerweise um drei bis sechs Monate. Planen Sie die Einführung linienweise statt werksweit, weil sich eine laufende Anlage nicht für einen Stichtagsumstieg anhalten lässt.

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Norm für Chargensteuerung

ISA-88 und IEC 61512.
Das Modell, ohne das sich Rezeptursteuerung nicht spezifizieren lässt

Wer eine MES-Anforderung für Rezeptursteuerung schreibt, ohne die Begriffe dieser Norm zu verwenden, beschreibt dasselbe wie der Anbieter, meint aber etwas anderes. ANSI/ISA-88 wurde 1995 von der International Society of Automation (ISA, Fachverband für Automatisierungstechnik mit Sitz in Research Triangle Park, North Carolina) verabschiedet und international als Normenreihe IEC 61512 übernommen: Teil 1 aus dem Jahr 1997 mit Modellen und Terminologie, Teil 2 aus dem Jahr 2001 mit Datenstrukturen, Teil 3 aus dem Jahr 2008 mit Grund- und Standortrezepten, Teil 4 aus dem Jahr 2009 mit dem Referenzmodell für Chargenprotokolle. Die Norm liefert drei Modelle. Jedes davon übersetzt sich in eine prüfbare MES-Anforderung.

Modell 01

Physikalisches Modell

Die Anlage wird als Hierarchie beschrieben: Unternehmen, Standort, Betriebsstätte, Prozesszelle, Technische Einrichtung, Technische Teileinrichtung, Steuereinheit. Der Reaktor ist eine Technische Einrichtung, das Dosierventil eine Steuereinheit.

Der Nutzen liegt in der Trennung: Eine Rezeptur beschreibt, was passiert, das physikalische Modell beschreibt, worauf. Erst dadurch lässt sich dieselbe Rezeptur auf Reaktor 1 und Reaktor 3 fahren, ohne sie zu kopieren.

MES-Anforderung
  • Anlagenstruktur als eigene Stammdatenhierarchie, nicht als Textfeld am Arbeitsplatz
  • Anlagenzuordnung erst bei der Auftragsfreigabe, nicht in der Rezeptur
  • Eignungsprüfung: welche Prozesszelle kann diese Rezeptur überhaupt fahren
Modell 02

Prozedurmodell

Der Ablauf wird in vier Ebenen zerlegt: Prozedur, Teilprozedur, Grundfunktion, Phase. Eine Phase ist die kleinste Einheit mit eigenem Zustand, etwa Dosieren, Heizen, Rühren, Halten, Entleeren.

Die Phase ist der Punkt, an dem MES und Automatisierung sich berühren. Sie hat definierte Zustandsübergänge und eigene Parameter, und genau auf dieser Ebene entscheidet sich, ob das MES steuert oder nur zusieht.

MES-Anforderung
  • Phasen als wiederverwendbare Bausteine mit Parametersatz, nicht als Freitextschritt
  • Zustandsmodell je Phase mit definiertem Abbruch- und Wiederanlaufverhalten
  • Ist-Werte, Bediener und Zeitstempel je Phase im Chargenprotokoll
Modell 03

Rezeptmodell

Vier Rezepttypen mit klar getrennter Verantwortung: Grundrezept, Standortrezept, Leitrezept, Steuerrezept. Jeder Typ entsteht aus dem vorherigen und wird konkreter, bis am Ende eine einzelne Charge auf einer einzelnen Anlage steht.

Ein Leitrezept besteht nach IEC 61512-1 aus fünf Teilen: Kopfdaten, Formel, Anforderungen an die Ausrüstung, Prozedur und ergänzende Informationen. Wer im Anbietergespräch nach diesen fünf Teilen fragt, erkennt sofort, ob das System das Modell wirklich abbildet.

MES-Anforderung
  • Alle vier Rezepttypen getrennt führbar, mit Ableitungsbeziehung
  • Steuerrezept als unveränderliche Kopie zum Zeitpunkt der Freigabe
  • Rückverweis vom Chargenprotokoll auf den exakten Leitrezeptstand
Rezepttyp nach IEC 61512Was er festlegtWer ihn verantwortetWas das MES können muss
Grundrezept
General Recipe
Die anlagenunabhängige Verfahrensvorschrift: welche Stoffe, welche Reihenfolge, welche Prozessbedingungen. Kein Bezug zu Standort oder Ausrüstung. Das Ergebnis der Verfahrensentwicklung. Forschung und Entwicklung, Verfahrenstechnik zentral Führung als eigenes Objekt mit Version und Freigabe, unabhängig davon, ob es aktuell irgendwo gefahren wird. Änderungshistorie mit Grund und Freigeber.
Standortrezept
Site Recipe
Das Grundrezept, angepasst an lokale Gegebenheiten: verfügbare Rohstoffqualitäten, Sprache, lokale Vorschriften, standortübliche Chargengrößen. Noch keine konkrete Anlage. Werksleitung, lokale Verfahrenstechnik Ableitung aus dem Grundrezept mit sichtbarer Abweichungsliste. Bei einer Änderung am Grundrezept muss das System zeigen, welche Standortrezepte betroffen sind.
Leitrezept
Master Recipe
Die freigegebene, anlagenbezogene Herstellvorschrift für eine Nennchargengröße. Enthält Kopfdaten, Formel, Ausrüstungsanforderungen, Prozedur und ergänzende Informationen. Das ist der Master Batch Record. Produktion und Qualitätssicherung gemeinsam Vier-Augen-Freigabe, Gültigkeitszeitraum, Bindung an eine Prozesszelle oder eine Gruppe gleichwertiger Anlagen. Kein Produktivstart ohne freigegebenes Leitrezept.
Steuerrezept
Control Recipe
Die Instanz für genau eine Charge: skalierte Mengen, zugeordnete Anlage, zugeordnete Rohstoffchargen, konkreter Termin. Wird bei der Auftragsfreigabe aus dem Leitrezept erzeugt und danach nicht mehr verändert. Produktionsplanung, Ansatzleitung Erzeugung als eingefrorene Kopie inklusive Skalierungsfaktor und Gehaltsumrechnung. Jede Abweichung während der Ausführung als dokumentierte Abweichung, nicht als stille Korrektur.

Die entscheidende Prüffrage. Lassen Sie sich im Anbietergespräch zeigen, wie das System aus einem Leitrezept ein Steuerrezept erzeugt, und ändern Sie danach das Leitrezept. Wenn sich das bereits erzeugte Steuerrezept mitändert, ist die Trennung nicht sauber umgesetzt, und die Chargendokumentation belegt am Ende nicht, wonach tatsächlich gefahren wurde. Systeme mit echtem ISA-88-Modell frieren das Steuerrezept ein. Systeme mit Rezeptur als Stückliste tun das nicht. Beide sagen im Vertrieb "wir können Rezepturverwaltung". Wie Sie diese Unterscheidung in ein bewertbares Kriterium überführen, zeigt die Seite zum MES-Lastenheft; die Begriffe selbst stehen im MES-Glossar.

Rechenbeispiel

Eine Charge, zwei Abweichungen.
Was das System rechnen muss und was ins Protokoll gehört

Skalierung und Gehaltsumrechnung klingen nach zwei Häkchen in der Funktionsliste. Sie sind zwei ineinandergreifende Rechnungen, an denen Excel-Lösungen und diskrete MES gleichermaßen scheitern. Das folgende Beispiel ist erfunden, aber typisch: Ein Reinigerkonzentrat mit einer Nennrezeptur für 1.000 Kilogramm soll als 850-Kilogramm-Ansatz gefahren werden, weil der verfügbare Rührbehälter nicht mehr hergibt, und der eingesetzte Wirkstoff hat einen Aktivgehalt von 96,2 statt der in der Rezeptur unterstellten 99,0 Prozent. Rechnen Sie es mit einem Anbieter an Ihrer eigenen Rezeptur nach, nicht an seiner Demorezeptur.

PosKomponenteSkalierungsartNennrezeptur 1.000,0 kgSteuerrezept 850,0 kg
10Wirkstoff A (Tensid), Rezeptur unterstellt 99,0 % Aktivgehaltproportional250,00 kg212,33 kg
20VE-WasserAusgleichskomponente700,00 kg594,53 kg
30Stabilisator Cproportional45,00 kg38,22 kg
40Farbstoff D, Mindesteinwaage 0,200 kgproportional0,50 kg0,425 kg
50Entschäumer E, anlagenbedingt konstantFixmenge4,50 kg4,50 kg
 Summe 1.000,00 kg850,00 kg
01

Skalierungsfaktor bilden

Der Faktor ist nicht 850 geteilt durch 1.000. Die Fixmenge muss vorher aus beiden Seiten herausgerechnet werden, sonst wird der Entschäumer mitskaliert und die Schaumbekämpfung reicht nicht. Richtig ist 845,5 geteilt durch 995,5, also 0,84932.

Fehlerquelle Nummer eins in Excel
02

Mindesteinwaagen prüfen

Farbstoff D fällt auf 0,425 Kilogramm und liegt damit über der hinterlegten Mindesteinwaage von 0,200 Kilogramm. Bei einem 300-Kilogramm-Ansatz wäre der Sollwert 0,148 Kilogramm und damit unter der Grenze. Das System muss den Ansatz an dieser Stelle sperren oder auf Vorverdünnung umleiten.

Prüfung je Position, nicht je Rezeptur
03

Gehalt umrechnen

Der Sollwert 212,33 Kilogramm gilt für 99,0 Prozent Aktivgehalt, entspricht also 210,21 Kilogramm reiner Aktivsubstanz. Bei 96,2 Prozent der gelieferten Charge sind dafür 218,51 Kilogramm einzuwiegen, also 6,18 Kilogramm mehr.

210,21 geteilt durch 0,962
04

Ausgleich zurückrechnen

Die Mehrmenge von 6,18 Kilogramm darf die Ansatzgröße nicht vergrößern, sonst passt die Charge nicht mehr in den Behälter. Sie wird von der Ausgleichskomponente abgezogen: VE-Wasser sinkt von 594,53 auf 588,35 Kilogramm. Ohne hinterlegte Ausgleichskomponente wächst der Ansatz unbemerkt.

Ausgleichskomponente je Rezeptur pflichtig
05

Konzentration gegenprüfen

Die Aktivkonzentration liegt jetzt bei 24,73 statt nominal 24,75 Prozent. Die Abweichung stammt nicht aus der Umrechnung, sondern aus der Fixmenge: 4,5 Kilogramm sind an 850 ein größerer Anteil als an 1.000. Das System muss diese Verschiebung gegen die Produktspezifikation prüfen, nicht der Ansatzmeister.

Spezifikationsprüfung vor der Freigabe
06

Ist-Einwaage buchen

Jede Position wird gegen ihren umgerechneten Sollwert und ein Toleranzfenster verwogen, mit Gebinde, Waage, Werker und Zeitstempel. Eine Buchung außerhalb der Toleranz wird gesperrt oder verlangt eine Begründung, die im Protokoll stehen bleibt.

Ohne Waagenanbindung nicht belastbar
Was im Executed Batch Record stehen mussWarum, und woran Sie erkennen, dass es fehlt
Leitrezept mit Versionsnummer und FreigabedatumOhne Versionsbezug lässt sich bei einer Reklamation nicht belegen, nach welchem Stand gefahren wurde. Erkennbar daran, dass im Protokoll nur der Rezepturname steht.
Zielansatzgröße und wer sie festgelegt hatDie Abweichung von der Nennmenge ist eine Entscheidung, keine Randnotiz. Erkennbar daran, dass 850 kg nur als Ergebnis erscheint, ohne Urheber und Zeitpunkt.
Skalierungsfaktor und Skalierungsart je PositionNur so ist nachvollziehbar, warum Position 50 nicht mitskaliert wurde. Erkennbar daran, dass nur Sollwerte gedruckt werden, aber nicht die Regel dahinter.
Analysenwert der Rohstoffcharge mit PrüfberichtsnummerDie 96,2 Prozent sind die Grundlage der gesamten Umrechnung. Erkennbar daran, dass der Ist-Gehalt nur im Laborsystem liegt und im Batch-Record fehlt.
Umrechnung als Formel, nicht nur als ErgebnisEin Auditor prüft die Rechenlogik, nicht die Zahl. Erkennbar daran, dass 218,51 kg ohne Herleitung dasteht.
Höhe und Richtung des MengenausgleichsDer Eingriff in die Ausgleichskomponente ist eine Rezepturabweichung mit Wirkung auf die Spezifikation. Erkennbar daran, dass VE-Wasser einfach mit 588,35 kg dasteht.
Ist-Einwaage je Position mit WaagenidentifikatorDer Waagenbezug verbindet die Zahl mit einem kalibrierten Messmittel. Erkennbar daran, dass eine freie Zahleneingabe möglich ist.
Spezifikationsprüfung der resultierenden KonzentrationDie Verschiebung durch Fixmengen ist systematisch und tritt bei jedem Teilansatz auf. Erkennbar daran, dass die Sollkonzentration nur am Nennansatz hinterlegt ist.

So machen Sie daraus einen Testfall. Geben Sie jedem Anbieter dieselbe Aufgabe schriftlich mit: eine Ihrer realen Rezepturen, eine abweichende Ansatzgröße, eine Rohstoffcharge mit abweichendem Gehalt und mindestens eine Fixmenge. Verlangen Sie das Ergebnis nicht als Folie, sondern als Ausdruck des Steuerrezepts und des Chargenprotokolls aus dem laufenden System. Anbieter, die das im Standard können, brauchen dafür einen halben Tag. Anbieter, die es im Projekt bauen müssten, weichen auf eine Konzeptbeschreibung aus. Diese eine Aufgabe trennt das Feld zuverlässiger als jede Funktionsmatrix. Wie Sie den Rest der Auswahl strukturieren, beschreibt die Seite zu MES auswählen.

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