● // Auswahlhilfe · Vorgehen

MES auswählen. Vorgehen, Kriterien und typische Fehler.

Eine MES-Entscheidung wirkt 10 bis 15 Jahre. Der Aufwand der Auswahl wird oft unterschätzt, der Aufwand der Einführung danach überschätzt. Auf dieser Seite finden Sie ein bewährtes fünfstufiges Vorgehen, die wichtigsten Kriterien und vier typische Auswahlfehler, die fast jede Auswahl trifft, wenn sie nicht erkannt werden.

10 Min Lesezeit 5-Phasen-Vorgehen 8 Kriterien 4 Anti-Patterns
● // Vorgehen

Das fünfstufige Auswahlvorgehen.

Dieses Vorgehen hat sich in Hunderten Projekten bewährt. Wer eine Stufe überspringt, baut sich später Mehrarbeit. Die typische Dauer der gesamten Auswahl beträgt 3 bis 6 Monate.

01

Anforderungen formulieren

Welche Module, welche Schnittstellen, welche Compliance, welche Skalierung? Faustregel. 80 Anforderungen reichen, davon 15 bis 20 als Muss-Kriterien gekennzeichnet.

Output · Lastenheft
02

Marktanalyse und Longlist

Der Markt umfasst weit mehr als 120 MES-Anbieter. Eine Longlist mit 15 bis 25 Kandidaten ist realistisch und gut behandelbar.

Output · Longlist 15-25
03

Shortlist und Erste Demo

Reduktion auf 4 bis 6 Anbieter, die nicht nur die Muss-Kriterien erfüllen, sondern auch zur Branche passen. Jeweils eine 2- bis 3-stündige Discovery-Demo.

Output · Shortlist 4-6
04

Tiefen-Evaluierung mit Use Cases

2 bis 3 Finalisten zeigen anhand Ihrer realen Use Cases, wie Sie konkret arbeiten würden. Idealerweise mit eigenem Datensatz. Hier zeigt sich, wer die Branche kennt.

Output · 2-3 Finalisten
05

Verhandlung und Pilotvereinbarung

Beste Anbieter werden verhandelt. Pilot in einem Werk, klare Erfolgskriterien, Optionen für Rollout. Keine Big-Bang-Verträge über fünf Jahre.

Output · Pilotvertrag
● // Selection Portal

Diese fünf Phasen unterstützt unser Selection Portal.

Jede Phase hat eigene Werkzeuge im Portal. Anforderungs-Katalog, RFI-Generator, Bewertungs-Matrix, Decision-Brief. Plus Audit-Trail über alle Phasen hinweg.

Portal ansehen →
Phase 01
Anforderungen
// katalog
Phase 02
Longlist
// matching
Phase 03
Shortlist
// rfi
Phase 04
Evaluierung
// rfp · demo
Phase 05
Vertrag
// brief
● // Kriterien

Die acht wichtigsten Auswahlkriterien.

Jedes Auswahlprojekt sollte diese acht Dimensionen explizit gewichten. Wer eine ignoriert, baut sich später eine teure Diskussion.

Kriterium 01

Funktionale Passung

Welche der Muss-Kriterien werden out-of-the-box erfüllt? Customizing dauert Jahre und bindet Sie an einen Anbieter.

GewichtungHoch
Kriterium 02

Branchenerfahrung

Hat der Anbieter Referenzen in Ihrer Branche? Die ersten 10 Pharma- oder Lebensmittelkunden zahlen das Lehrgeld, nicht der elfte.

GewichtungHoch
Kriterium 03

Architektur und Cloud

SaaS oder On-Prem? Microservices oder Monolith? Eine moderne Architektur entscheidet über Integrations- und Skalierungsfähigkeit für die nächsten 10 Jahre.

GewichtungMittel-Hoch
Kriterium 04

Schnittstellen

OPC UA, REST, MQTT, SAP-Konnektoren. Eine fertige Anbindung an Ihr ERP spart Monate und reduziert Risiko.

GewichtungHoch
Kriterium 05

Total Cost of Ownership

Lizenzen sind die kleinste Position. Implementierung, Customizing, Schnittstellen und Betrieb verdoppeln oder vervierfachen den Lizenzpreis.

GewichtungHoch
Kriterium 06

Implementierungspartner

Hat der Anbieter eigene Beratung oder qualifizierte Partner? Die beste Software scheitert am schlechten Implementierungspartner.

GewichtungHoch
Kriterium 07

Roadmap und Stabilität

Investiert der Anbieter aktiv in das Produkt? Wie sind die Release-Zyklen? Ein im Markt sterbendes Produkt zieht sie 10 Jahre lang mit.

GewichtungMittel
Kriterium 08

Bedienbarkeit

Werker am Touch-Terminal arbeiten mit dem MES jeden Tag, jede Schicht. Eine schlechte UX wird zum dauerhaften Reibungspunkt.

GewichtungMittel-Hoch
● // Anti-Patterns

Vier typische Auswahlfehler. Und wie sie zu vermeiden sind.

Fehler 01

Bestes Funktionsset gewinnt

Ein MES mit allen Modulen, dass keine Ihrer Branche kennt, scheitert. Die Branchenpassung wiegt schwerer als Funktionsbreite. Fragen Sie nach Referenzen, nicht nach Features.

GegengiftReferenzen
Fehler 02

Lastenheft als Wunschliste

500 Anforderungen ergeben kein Lastenheft, sondern eine Wunschliste. Faustregel. 80 Anforderungen, davon 15 bis 20 Muss-Kriterien. Anders ist die Auswahl nicht steuerbar.

GegengiftPriorisierung
Fehler 03

Demos statt Use Cases

Standard-Demos zeigen, was das Produkt kann, nicht ob es zu Ihnen passt. Lassen Sie Finalisten 2 bis 3 Ihrer realen Use Cases mit Ihren Daten zeigen.

GegengiftEigene Use Cases
Fehler 04

Lizenz statt TCO

Wer nur Lizenzen vergleicht, verkennt das Kostenbild. Implementierung, Schnittstellen, Betrieb verdoppeln oder vervierfachen den Lizenzpreis. Immer Total Cost of Ownership rechnen.

GegengiftTCO 5 Jahre
Praxis-Tipp. Eine neutrale Vorauswahl mithilfe einer datenbasierten Engine spart Wochen und vermeidet die meisten Anti-Patterns. Statt mit allen 120 Anbietern zu sprechen, beginnen Sie mit einer datengetriebenen Longlist von 15 bis 25, die zu Ihrem Profil passen.
● // Fragen und Antworten

Häufige Fragen zur MES-Auswahl.

Für ein Unternehmen mit einer klaren Anforderungsbasis sind 3 bis 6 Monate realistisch. Wer ohne Vorbereitung startet, braucht eher 6 bis 12 Monate. Eine datengetriebene Vorauswahl kürzt die ersten Phasen deutlich.
Mindestens. Produktionsleitung, IT, ein erfahrener Schichtleiter, Qualitäts- und QM-Vertretung. Größere Projekte ergänzen Einkauf, Werksleitung und Betriebsrat. Fünf bis acht Personen ist eine arbeitsfähige Gruppe.
Bei überschaubarer Komplexität kommt man ohne aus. Bei Compliance-getriebenen Projekten (Pharma, Medizintechnik) oder mehrwerks-Rollouts ist Beratung sinnvoll. Achten Sie auf Neutralität. Berater, die als Implementierer eines bestimmten Anbieters auftreten, sind nicht neutral.
TCO über 5 Jahre rechnen. Lizenz inkl. Wartung, Implementierung, Customizing, Schnittstellen, Hardware (falls On-Prem), Schulung, Betrieb. Faustregel. Implementierung kostet typischerweise das 1-bis 3-fache der Jahreslizenz.
Cloud-MES (SaaS) ist heute Standard für KMU und Mittelstand. Niedrigere Initialkosten, schnellere Updates, klare Verantwortung. On-Prem ist sinnvoll, wenn Compliance es verlangt (z.B. einige Pharma-Fälle) oder wenn die OT-IT-Trennung sehr streng ist.
Drei Hebel. Erstens, Pilot statt Big Bang. Zweitens, mehrere Anbieter im finalen Vergleich, nicht ein Wunschkandidat. Drittens, Standard nutzen, nicht Customizing. Wer alle drei umsetzt, hat sehr hohe Erfolgswahrscheinlichkeit.
● // Jetzt starten

Die Auswahl beginnt. Mit der richtigen Longlist.

Statt mit allen 120 Anbietern zu sprechen, starten Sie mit einer datenbasierten, neutralen Longlist. Unsere Engine erstellt aus Ihrem Unternehmensprofil in 6 Minuten eine erste, fundierte Shortlist.

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