Mit dem Regelbetrieb von CBAM ab 2026 und wachsenden CSRD-Berichtspflichten werden produktionsnahe Emissionsdaten je Auftrag zur Pflicht. Da diese Daten am genauesten auf Ebene des MES vorliegen, wird das Manufacturing Execution System zunehmend zur zentralen Datenquelle für die CO2-Bilanzierung.
Zwei EU-Regelwerke greifen zeitgleich ineinander: der CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM für Importe und die Corporate Sustainability Reporting Directive CSRD für die Unternehmensberichterstattung.
Mit dem 1. Januar 2026 endet die Übergangsphase von CBAM, die bisherige quartalsweise Berichtspflicht wird durch eine jährliche Melde- und Ausgleichspflicht ersetzt. Betroffene Importeure müssen die spezifischen Emissionen je Tonne Produkt (tCO2e) ermitteln und mit der importierten Menge multiplizieren, ersatzweise lassen sich innerhalb bestimmter Grenzen Standardwerte der EU-Kommission nutzen, wenn keine exakten Daten vorliegen. Nur Importeure mit mehr als 50 Tonnen CBAM-relevanter Waren pro Jahr fallen in den Anwendungsbereich, das schließt rund 90 Prozent der Importeure aus, erfasst aber weiterhin rund 99 Prozent der grauen Emissionen.
Parallel verpflichtet die CSRD immer mehr Unternehmen zu einer detaillierten Emissionsberichterstattung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders Scope 3, also indirekte Emissionen etwa aus Zulieferung, macht laut Fachliteratur häufig 70 bis 90 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks aus. Wer diese Zahl belastbar ermitteln will, kommt an granularen Produktionsdaten nicht vorbei, und die liegen am genauesten im MES vor, nicht im ERP.
Die eigentliche Rechnung ist einfach, die Schwierigkeit liegt in der Datengrundlage, die nur ein MES in dieser Granularität liefert.
Der im MES erfasste Energieverbrauch je Maschine und Auftrag wird mit dem Emissionsfaktor des jeweiligen Strommixes multipliziert.
Realer Materialverbrauch inklusive Ausschuss wird mit produktspezifischen Emissionsfaktoren der eingesetzten Werkstoffe verrechnet.
Werksweite Gemeinkosten-Emissionen, etwa Heizung oder Beleuchtung, werden anteilig nach Laufzeit oder Stückzahl auf einzelne Aufträge verteilt.
Die auftragsgenauen Werte werden zu Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Kennzahlen verdichtet, wie sie CBAM und CSRD verlangen.
Ohne MES-Daten auf Auftragsebene bleibt nur eine grobe Verteilung der Werks-Gesamtemissionen nach Umsatzanteil, ein deutlich ungenaueres Verfahren, das bei genauerer Prüfung durch Kunden oder Behörden an Belastbarkeit verliert.
Sechs Datenkategorien, die ein MES liefern kann und die das ERP allein nicht in dieser Granularität besitzt.
Erfassung des Energieverbrauchs je Maschine und Fertigungsauftrag statt nur auf Werksebene, Grundlage für produktbezogene CO2-Kennzahlen.
Realer Materialeinsatz je Auftrag, inklusive Ausschussquote, da jeder Ausschuss zusätzliche Emissionen ohne Wertschöpfung bedeutet.
Laufzeit- und Stillstandsdaten zur Zuordnung von Energieverbrauch zur tatsächlichen Produktionszeit statt zu Pauschalwerten.
Wo vorhanden, direkt gemessene Emissionswerte aus einem ISO-50001-Energiemanagement-Modul im MES, siehe Energiemanagement im MES.
Wo im MES hinterlegt, Herkunft und Emissionsfaktor eingehender Materialien als Grundlage für vorgelagerte Scope-3-Emissionen.
Innerbetriebliche Transportwege und, soweit erfasst, Versanddaten als Baustein für die Emissionen entlang der Lieferkette.
Die drei Scope-Kategorien der Treibhausgasbilanzierung stellen unterschiedliche Anforderungen an die Datenquelle. Das MES ist dabei nicht überall gleich stark beteiligt.
Eigene Verbrennung, etwa in Öfen oder Fuhrpark. Das MES liefert hier Laufzeit- und Prozessdaten der emittierenden Anlagen als Berechnungsgrundlage.
Strom-, Wärme- und Dampfbezug. Hier liefert das MES den genauesten Beitrag, da Energieverbrauch je Maschine und Auftrag direkt erfasst werden kann.
Zulieferung, Transport, Produktnutzung. Das MES liefert hier nur Teildaten, etwa Materialherkunft, der Großteil muss aus Lieferanten- und Logistiksystemen ergänzt werden.
Da Scope 3 laut Fachliteratur häufig 70 bis 90 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks ausmacht, reicht MES-Datenexzellenz allein nicht aus. Ein MES ist notwendige, aber keine hinreichende Datenquelle für eine vollständige CSRD-Bilanz.
Beide Regelwerke verlangen Emissionsdaten, unterscheiden sich aber in Anwendungsbereich und Detailtiefe deutlich.
| Kriterium | CBAM | CSRD |
|---|---|---|
| Fokus | CO2-Grenzausgleich bei Importen | Unternehmensweite Nachhaltigkeitsberichterstattung |
| Betroffene | Importeure CBAM-relevanter Waren über 50t/Jahr | Zunehmend viele Unternehmen ab bestimmter Größe |
| Zeitpunkt | Regelbetrieb ab 1. Januar 2026 | Gestaffelte Einführung, wachsender Unternehmenskreis |
| Datengranularität | Spezifische Emissionen je Tonne Produkt | Detaillierte Emissionen entlang der ganzen Wertschöpfungskette |
| Rolle des MES | Liefert Basis für Produktemissionswerte bei Eigenfertigung | Liefert Scope-1/2-Daten, Scope 3 braucht weitere Quellen |
Für viele Fertigungsunternehmen ist die relevante Frage nicht entweder CBAM oder CSRD, sondern welche der beiden Pflichten zuerst greift, direkt als Importeur oder indirekt als Zulieferer eines CSRD-pflichtigen Kunden.
Statt einer allgemeinen Aussage zu "Nachhaltigkeitsfunktionen" drei dokumentierte, konkret benannte Bausteine, die MES-Daten in Richtung CO2-Bilanzierung nutzbar machen.
Dediziertes, ISO-50001-taugliches Modul im MES HYDRA, das Energieverbrauch in Korrelation zu Produkt, Rohstoff, Maschine und Werkzeug erfasst und auswertet, inklusive Differenzierung nach Maschinenstatus wie Rüsten, Produktion oder Instandhaltung.
Opcenter Advanced Planning and Scheduling nutzt Echtzeit-Energiedaten für Planungsentscheidungen, Insights Hub aggregiert Energie- und Nachhaltigkeitskennzahlen über Linien und Standorte hinweg. Siemens dokumentiert Kundenfälle mit deutlich reduziertem CO2-Ausstoß bei kombiniertem Einsatz von MES, Simulation und Automatisierung.
Kein MES-Modul, sondern ein ERP-nahes Produkt, das Scope-1- und Scope-2-Emissionen über Energieflussmodelle direkt Fertigungsressourcen zuordnet und produktbezogene CO2-Fußabdrücke über Stücklisten hinweg berechnet. Setzt granulare Verbrauchsdaten voraus, wie sie ein MES liefern kann, ersetzt das MES aber nicht.
Alle drei Beispiele zeigen: Die eigentliche Rechenlogik für Emissionswerte liegt zunehmend außerhalb des MES, im ERP oder in einer dedizierten Sustainability-Plattform. Das MES bleibt aber die Datenquelle, ohne die diese Werkzeuge auf grobe Schätzungen zurückfallen müssten.
Sechs Punkte, die vor der Einführung geklärt sein sollten.
Jeder MES-Anbieter modelliert Energie- und Emissionsdaten unterschiedlich, ein branchenweiter Standard existiert 2026 noch nicht.
Scope-3-Emissionen aus Zulieferung und Nutzung liegen außerhalb der eigenen Fertigung und müssen zusätzlich erhoben werden.
Ohne Energiemessung an der Maschine bleibt nur eine grobe Schätzung auf Werksebene statt einer auftragsgenauen Zuordnung.
EU-Standardwerte helfen bei fehlenden Daten, führen aber tendenziell zu konservativeren, oft höheren Emissionswerten als eine echte Messung.
Wie Gemeinkosten-Emissionen auf einzelne Aufträge verteilt werden, ist nicht einheitlich geregelt und beeinflusst das Ergebnis je nach gewählter Methode spürbar.
Viele MES-basierte CO2-Berechnungen wurden noch nicht durch einen externen Prüfer im Rahmen einer CSRD-Berichtsprüfung getestet, Nachbesserungsbedarf ist wahrscheinlich.
Der Aufbau einer belastbaren CO2-Datenbasis aus dem MES lässt sich in fünf Schritten strukturieren.
Prüfen, ob CBAM als Importeur, CSRD als berichtspflichtiges Unternehmen oder beides greift, oder ob man nur indirekt als Zulieferer betroffen ist.
Feststellen, welche der sechs relevanten Datenkategorien bereits im MES erfasst werden und wo Lücken bestehen.
Nachrüstung von Energiemessung an kritischen Maschinen, wo bislang nur Werksebene statt Auftragsebene verfügbar ist.
Eine nachvollziehbare, dokumentierte Methode zur Verteilung von Gemeinkosten-Emissionen auf Aufträge definieren.
Lieferanten- und Logistikdaten einbinden, da das MES allein die Scope-3-Anforderung nicht abdecken kann.
Antworten, die auch ohne den Rest dieser Seite verständlich sind.
Weil produktionsbezogene Emissionsdaten je Fertigungsauftrag, etwa Energie- und Materialverbrauch, am genauesten auf Ebene des Manufacturing Execution Systems vorliegen. Während das ERP Kosten und Mengen auf Auftragsebene führt, kennt nur das MES die tatsächliche Maschinenlaufzeit, den Energieverbrauch je Zyklus und den realen Materialeinsatz, die Basis für eine belastbare CO2-Bilanzierung je Produkt.
Mit dem 1. Januar 2026 endet die Übergangsphase von CBAM und die reguläre Melde- und Ausgleichspflicht beginnt: Die bisherige quartalsweise Berichtspflicht wird durch eine jährliche Melde- und Ausgleichspflicht ersetzt. Importeure müssen die spezifischen Emissionen je Tonne Produkt ermitteln und mit der importierten Menge multiplizieren, ersatzweise können innerhalb bestimmter Grenzen Standardwerte der EU-Kommission genutzt werden.
Betroffen sind Importeure, die jährlich insgesamt mehr als 50 Tonnen CBAM-relevanter Waren, etwa Stahl, Aluminium, Dünger oder Zement, in die EU einführen. Diese Schwelle sorgt dafür, dass rund 90 Prozent der Importeure aus dem Anwendungsbereich herausfallen, wobei trotzdem rund 99 Prozent der grauen, also importierten Emissionen erfasst bleiben.
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verpflichtet immer mehr Unternehmen zu einer detaillierten Offenlegung ihrer Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, nicht nur bei Importen. Besonders relevant ist Scope 3, also indirekte Emissionen etwa aus Zulieferung und Nutzung verkaufter Produkte, die laut Fachliteratur häufig 70 bis 90 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks eines Unternehmens ausmachen.
Relevante MES-Datenpunkte sind der Energieverbrauch je Maschine und Auftrag, Materialverbräuche inklusive Ausschuss, Maschinenlaufzeiten und Stillstände, direkt gemessene Emissionsdaten aus Energiemanagementsystemen sowie, wo verfügbar, Lieferanten- und Transportdaten. Ein MES mit Energiemanagement-Modul kann diese Daten je Auftrag statt nur auf Werksebene aggregieren.
MPDV bietet mit dem HYDRA-Energiemanagement-Modul (EMG) eine ISO-50001-taugliche Erfassung von Energieverbrauch je Produkt, Rohstoff, Maschine und Werkzeug. Siemens kombiniert Opcenter Advanced Planning and Scheduling mit Insights Hub, um Echtzeit-Energiedaten in Planungsentscheidungen und standortübergreifende Nachhaltigkeitskennzahlen einfließen zu lassen. SAP Sustainability Footprint Management ist kein MES-Modul, sondern ein ERP-nahes Produkt, das Scope-1- und Scope-2-Emissionen über Energieflussmodelle direkt Fertigungsressourcen zuordnet, es setzt aber granulare MES-Verbrauchsdaten voraus.
Nein. Jeder MES-Anbieter modelliert Energie- und Emissionsdaten aktuell unterschiedlich, ein branchenweiter Datenstandard für CO2-Kennzahlen aus dem MES existiert bislang nicht. Das erschwert den Vergleich zwischen Anbietern und macht eine genaue Prüfung der jeweiligen Datenmodellierung bei der Anbieterauswahl notwendig.
Der ab 2027 in ersten Produktgruppen verpflichtende Digitale Produktpass der EU soll unter anderem Umweltdaten wie den CO2-Fußabdruck eines Produkts über seinen Lebenszyklus dokumentieren. Die MES-Daten, die für die CO2-Bilanzierung erhoben werden, sind damit teilweise dieselben Daten, die später in den Digitalen Produktpass einfließen.
Nicht sofort jedes, aber die Zahl der betroffenen Unternehmen wächst. Direkt betroffen sind aktuell vor allem Importeure CBAM-relevanter Vorprodukte und Unternehmen, die unter die CSRD-Berichtspflicht fallen. Zulieferer solcher Unternehmen werden jedoch zunehmend indirekt verpflichtet, weil ihre Kunden Emissionsdaten entlang der Lieferkette einfordern.
Im Kern wird der erfasste Energie- und Materialverbrauch je Auftrag mit den jeweiligen Emissionsfaktoren multipliziert, werksweite Gemeinkosten-Emissionen werden anteilig auf Aufträge verteilt, und die Werte werden anschließend zu Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Kennzahlen aggregiert. Die Genauigkeit dieser Rechnung hängt direkt von der Granularität der zugrunde liegenden MES-Daten ab.
Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigener Verbrennung, Scope 2 eingekaufte Energie wie Strom oder Fernwärme, und Scope 3 alle vor- und nachgelagerten Emissionen etwa aus Zulieferung und Produktnutzung. Das MES liefert die genauesten Daten für Scope 2, kann Scope 1 teilweise unterstützen, deckt Scope 3 aber nur in Teilen ab.
Bei CBAM drohen finanzielle Konsequenzen über den Erwerb von CBAM-Zertifikaten hinaus sowie Sanktionen bei fehlerhafter oder unterlassener Meldung. Bei der CSRD drohen je nach nationaler Umsetzung Bußgelder sowie Reputationsrisiken, da die Berichte extern geprüft und teils öffentlich einsehbar sind. Die konkrete Ausgestaltung der Sanktionen liegt bei den jeweiligen Mitgliedstaaten.
Ein Energiemanagement-Modul allein deckt in der Regel nur Scope-2-Daten ab, also eingekaufte Energie. Für eine vollständige CBAM- oder CSRD-taugliche Bilanzierung werden zusätzlich Materialverbrauchsdaten, Auftragsallokation und, für Scope 3, externe Lieferanten- und Logistikdaten benötigt.
Diese Seite ordnet CBAM und CSRD ein. Ob Ihr aktuelles oder künftiges MES die dafür nötigen Energie- und Emissionsdaten in der richtigen Granularität liefert, klärt sich erst im Abgleich mit Ihrer Systemlandschaft.
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